Olympionikin

Eine syrische Lebensretterin bewegt junge Schüler

Yusra Mardini hat schwimmend ein Flüchtlingsboot gerettet. Am Mittwoch besuchte sie den Sportunterricht in Spandau.

Die junge Olympia-Schwimmerin Yusra Mardini besucht die Bewegungsfördergruppe der Grundschule am Amalienhof in Spandau

Die junge Olympia-Schwimmerin Yusra Mardini besucht die Bewegungsfördergruppe der Grundschule am Amalienhof in Spandau

Foto: Jörg Krauthöfer

Yusra Mardini ist in Deutschland zur Berühmtheit geworden. Bei der Flucht dachte sie nicht nur an sich, sondern auch an die anderen: Sie schleppte das manövierunfähige Flüchtlingsboot schwimmend an die griechische Küste. Im Sommer trat die 18-Jährige für das Flüchtlingsteam bei den Olympischen Spielen in Rio an. An diesem Mittwoch kam sie zur Förder-Sportstunde an eine Spandauer Schule. Knapp 20 Schüler der Grundschule am Amalienhof, alle zwischen acht und elf Jahre alt, spielten mit ihr Ball, rannten Parcours.

Schüler, die anders als Yusra von einer Sportkarriere weit entfernt sind: Im Vergleich zu Mitschülern schneiden sie im Sport schwächer ab. Das ergab eine Untersuchung, die der Landessportbund Berlin mit dem Berliner Senat unter dem Motto „Berlin hat Talent“ initiierte. An ihrer Schule besuchen die Kinder deshalb eine Fördergruppe. „Ich hoffe, dass ich ihnen Lust auf Sport machen kann“, sagte Yusra Mardini.

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Einmal im Jahr lädt der Berliner Sportbund Schulen ein, Kinder auf ihre Sportlichkeit zu testen. Dazu nutzt er ein von Wissenschaftlern streng durchgeplantes Verfahren: den Deutschen Motoriktest. In 40 Sekunden so viele Sit­ups wie möglich machen. Rückwärts über einen Balken balancieren. Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit fließen in die Bewertung hinein. Momentan führen Lehrer diesen Test an Schülern der dritten Klassen in mehreren Bezirken durch: Charlottenburg-Wilmersdorf, Treptow-Köpenick und Lichtenberg, Neukölln, Mitte und Spandau. Die fittesten Schüler dürfen im Sommer an dem Wettbewerb „Talentiade“ gegeneinander antreten.

Andere Schüler haben hier Schwierigkeiten. Für sie bieten Berliner Schulen im Rahmen des Projektes spezielle Trainings. An der Grundschule am Amalienhof trifft sich die Bewegungsfördergruppe einmal pro Woche. Jungen und Mädchen der dritten bis sechsten Klasse trainieren gemeinsam.

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„Hier hab ich mehr Spaß“, sagt Janina (10), die jeden Freitag zum Training kommt. „Wir spielen hier mehr.“ Auf dem Programm stehen Fußball und Völkerball. Eine Stunde dauert das Training. Die Treffen sind freiwillig. Insgesamt gibt es in Berlin derzeit 25 Fördergruppen, teilweise schulübergreifend.

Auch 2015 führten Landessportbund und Senat den Test mit Drittklässlern durch. Dabei zeigte sich, dass die Berliner Schüler im deutschlandweiten Vergleich sportlicher sind. Nur etwa sechs Prozent sind unterdurchschnittlich fit.