Wissenschaftstheater

Unendliche Weiten im Zeiss-Großplanetarium

Nach umfassender Modernisierung und Sanierung wurde das Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee im Spätsommer wieder eröffnet. Ein Besuch.

Das Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee gilt  als Europas modernstes Wissenschaftstheater

Das Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee gilt als Europas modernstes Wissenschaftstheater

Foto: Massimo Rodari

Das Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee gilt jetzt als Europas modernstes Wissenschaftstheater. Ein Besuch:

07:10

Das Gebäude mit der markanten Kuppel, die einen Durchmesser von 30 Metern hat, ist einer der letzten Repräsentationsbauten der DDR. Zwei Jahre vor dem Mauerfall wurde es anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt 1987 fertiggestellt. Für rund 13 Millionen Euro eröffnete es nach knapp zwei Jahren Bauzeit komplett runderneuert. Sowohl die Technik als auch der Innenausbau sind nun auf dem neuesten Stand. Auf neuen Sesseln können Besucher jetzt faszinierende 3D-Projektionen in 360-Grad-Technik mit speziellem 3D-Sound genießen. Hausmeister Axel Netta kontrolliert die Filter der neu eingebauten Lüftungsanlage. „Bei bis zu 1500 Besuchern pro Tag leistet die Anlage wirklich Erstaunliches“, sagt der gelernte Elektroinstallateur. Alle sechs Monate müssen die Filter ausgewechselt werden.

08:20

Sekretärin Beate Blacha ist seit Anfang 2003 im Haus. Wie an jedem Arbeitstag liest sie als erstes mehrere Dutzend E-Mails, die seit dem Vortag eingegangen sind und leitet sie weiter. Ab 9 Uhr ist das Telefon für Ticketbestellungen freigeschaltet. „Seit der Wiedereröffnung am 25. August hat sich das Interesse an unseren Veranstaltungen spürbar gesteigert“, erklärt die 56-Jährige.

09:45

Mit dem Projekt „Intense“ soll ab Frühjahr 2017 eine mobile Planetariumskuppel durch die Berliner Schulen auf Reise gehen. Durch die multimediale Vermittlung soll das Interesse der Jugendlichen für MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) deutlich gefördert werden“, erklärt die Projektleiterin Inga Schlesier. Unterstützt wird das Projekt maßgeblich von der Industrie- und Handelskammer Berlin.

15 Tipps für einen gemütlichen Herbst in Berlin

Im Planetarium kann man digital nach den Sternen greifen

10:10

Zur Winterzeit herrscht an der Garderobe bei Annica Meyer und Jacob Husinger Hochbetrieb. „Wenn die Kitagruppen und die Schülerinnen und Schüler ankommen, ist hier schon was los“, meint der 22-Jährige. Wenn es wärmer wird, ist es naturgemäß ruhiger, dann haben die Kinder nicht so viele Jacken und Pullover an. Vier Euro kosten die einstündigen Bildungsprogramme je Teilnehmer, Garderobe inklusive. Die Schicht der beiden geht bis 15 Uhr, die Abendschicht bis Programmende, sonnabends bis 23 Uhr.

11:15

Im Haus selbst finden zahlreiche Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche statt. Leiter des Pädagogischen Teams ist Benjamin Husheer. Der 33-jährige Mathematik- und Musiklehrer hat bislang drei Programme entwickelt. „Für Kita-Kinder zwischen 4 und 6 Jahren bieten wir das Multimediaprogramm ,Sonne, Mond und Sterne’ an, für ältere Schulkinder und Jugendliche gibt es ,Mit Raketen zu Planeten’ und ,Raumschiff Erde’“.

12:20

Angelika Wolff von der Buchhaltung ist zwei Mal in der Woche vor Ort im Zeiss-Großplanetarium und kümmert sich um die Abrechnungen. Noch befindet sich ihr eigentliches Büro im Planetarium am Insulaner, das seit Juli zusammen mit der Wilhelm-Foerster-Sternwarte, der Archenhold-Sternwarte und dem Zeiss-Großplanetarium die Stiftung Planetarium Berlin bildet.

13:05

Das Angebot an Speisen und Getränken beschränkt sich bislang auf das Catering für ausgewählte Sonderveranstaltungen und Vermietungen an Fremdfirmen. Doch im Jahr 2017 wollen Elmar Karger, der mit seinem Bruder Gernot das Microsoft-Café Unter den Linden betreibt, und Tilo Barenthin ein zeitgemäßes Bistro-Konzept realisieren und eine Außenterrasse eröffnen. Bio, regional und frisch sind die Stichworte, die sie nennen, beraten werden Karger und Barenthin von Sternekoch Tim Raue.

14:10

Frank-Michael Arndt gehört zum Urgestein des Planetariums. In seinem Büro liegen hunderte Diapositive akkurat gerahmt in Plexiglaskästen, die noch im Kleinplanetarium der Archenhold-Sternwarte Anwendung finden. „Für die alte analoge Technik, die immerhin rund drei Millionen Besucher begeisterte, haben wir mit speziellen 4 x 4 Zentimeter Dias gearbeitet.“ Mehrere Dutzend Projektoren waren damals im Einsatz. „Das ist durch die neue Technik obsolet geworden“, erklärt der seit 1990 im Zeiss-Großplanetarium arbeitende Multimediaproduzent.

15:15

Tim Florian Horn ist nicht nur Direktor des Zeiss-Großplanetariums, sondern auch kommissarischer Vorstand der neugeschaffenen Stiftung Planetarium Berlin. Besonders stolz ist er auf das neue Herzstück der Projektion, den Zeiss Universarium-Projektor Modell IX, der speziell für die Kuppel modifiziert wurde. Zusätzlich wurden acht Planetenprojektoren installiert, um die Bewegungen der Wandelsterne am Firmament aufzuzeigen. „Mit der neuen digitalen Technik und der Öffnung für weitere wissenschaftliche Themen wollen wir die Besucherzahlen deutlich steigern“, sagt Horn. Ihm zur Seite steht Franziska Schultze, die für Marketing und Kommunikation der drei Häuser verantwortlich ist. „Wir entwickeln gerade eine einheitliche grafische Sprache und arbeiten an einer gemeinsamen Website für die Häuser“, erklärt die 34-Jährige studierte Publizistin.

16:05

„Sterne über Berlin“ ist die erste 360-Grad-Eigenproduktion des Großplanetariums. „Die Besucherinnen und Besucher reisen in 360-Grad-Ansichten durch Zeit und Raum, sie erleben die spannende Forschungsgeschichte Berlins“, erläutert 3D-Artist Martin Wettig. „Die Show besteht aus einem 3D-animierten- und einem Live-Teil, der permanent aktualisiert“, ergänzen Sophie Luise Bauer, die für die Koordination der Produktion zuständig ist, und Produktions-Ingenieur Georgios Mavrikos.

17:20

Dr. Jürgen Rienow überprüft im Serverraum das „Rendern“ der vom 3D-Team gelieferten Bildrohdaten zum endgültigen Bild- und Ton-Programm, mit dem die Rechner gefüttert werden. „Allein dafür brauchen wir 20 Rechner mit einer Speicherkapazität von 120 Terrabyte“, führt der Technische Leiter der Einrichtung aus.

18:55

Nachdem die letzte Besuchergruppe aus dem Haus ist, schließt Annica Meyer die Türen des Zeiss-Großplanetariums. An den meisten Öffnungstagen geht um diese Uhrzeit mit einem vielfältigen Abendprogramm und spannenden Sonderveranstaltungen der Betrieb erst richtig los.

Zeiss-Großplanetarium Prenzlauer Allee 80, Prenzlauer Berg, Tel. 421 84 50, das Planetarium öffnet 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn,

Berliner Fernsehturm: Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Berliner Dom: Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Tierpark Berlin - Anfahrt, Tickets & Öffnungszeiten