Spotify-Konkurrent

Berliner Internet-Musikdienst Soundcloud greift Spotify an

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Jürgen Stüber
Alexander Ljung

Alexander Ljung

Der Berliner Musikstreamingdienst startet ein Abo-Modell mit der weltgrößten Bibliothek an Titeln. Die Gratis-App ist werbefinanziert.

Gelegentlich sah es in den vergangenen Jahren so aus, als seien die Tage des Internet-Musikdienstes SoundCloud gezählt. Berlins angesagtestes Start-up wurde mehrfach als Übernahmekandidat gehandelt – mal durch den Nachrichtendienst Twitter, mal durch Mitbewerber Spotify.

Jetzt starten die beiden Gründer Alexander Ljung und Eric Wahlforss mit einem Paukenschlag durch. Mit 135 Millionen Tracks und 175 Millionen monatlichen Nutzern weltweit ist ihre Plattform um ein Vielfaches größer als Mitbewerber Spotify geworden. Die Berliner Musikplattform startet am Mittwoch den Dienst SoundCloudGo mit einer werbefinanzierten Gratis-Plattform und einem anzeigenfreien Abo-Dienst.

Start auf dem Heimatmarkt

„Wir haben Go bereits in sieben Ländern auf den Markt gebracht und starten damit jetzt in Deutschland“, sagt Unternehmenschef Alexander Ljung. „Das ist superaufregend für uns, weil wir jetzt nach Hause kommen. Wir haben vor knapp zehn Jahren hier in Berlin angefangen.“ Das Unternehmen SoundCloud hat mehrere Etagen im Berliner Gründercampus Factory gemietet.

Seit August 2008 bietet SoundCloud Kreativen die Möglichkeit, Audiodateien jeder Art in die Internetwolke zu laden: Musik, Podcasts, Geräusche, alles. SoundCloud wurde insbesondere eine digitale Heimat von aufstrebenden Künstlern, die bei keinem großen Label unter Vertrag waren, darunter viele Indie-Künstler, Rapper und Hiphopper.

SoundCloud bietet Premium-Label

Das war das Markenzeichen von SoundCloud, aber auch das Manko der Plattform. Denn Künstler, die bei großen Labels wie Universal, Warner oder Sony unter Vertrag waren, fehlten für lange Zeit weitgehend bei SoundCloud. Wer die hören wollte, musste zu Spotify, Deezer, Google oder Apple gehen.

Doch das ändert sich nun: „Wir haben den kompletten Premiumkatalog lizenziert. Damit haben wir weltweit die größte Musiksammlung – mehr als 135 Millionen Tracks – nicht nur die Stars wie Lady Gaga sondern auch die vielen aufstrebenden Underground-Künstler.“

Pop-Stars können nach Belieben Stücke veröffentlichen. „Damit ist SoundCloud der einzige Ort, an dem Fans das komplette Schaffen eines Künstlers finden. Wir bieten also einen viel breiteren Blick auf die Kreativität eines Künstlers“, erläutert der Gründer. Zum Vergleich: Mitbewerber Spotify hat bei einer ähnlichen Gebührenstruktur circa 30 Millionen Stücke im Angebot.

Werbefinanzierter Gratis-Dienst

„Wir starten im kostenfreien Dienst Anzeigen, so dass wir Musiker für ihre Arbeit bezahlen können. Gleichzeitig starten wir den anzeigenfreien Abo-Service SoundCloud Go für 9,99 Euro pro Monat“, sagt Alex Ljung (iOS: 12,99 Euro). „Eine sehr wichtige und die am stärksten nachgefragte Option ist die Offline-Synchronisierung. Man kann Tracks herunterladen und zum Beispiel in der U-Bahn hören.“

Nutzer eines Gratis-Accounts haben ebenfalls Zugriff auf die komplette Bibliothek – allerdings können sie nur 30 Sekunden lange Trailer der Premium-Stücke hören. Sie können die Stücke aber in ihren Playlists speichern und in sozialen Netzwerken teilen.

Plattform für die Musiker der Welt

„Jetzt haben wir eine riesige Plattform für Künstler und ihre Zuhörer. Wir haben ja schon früher mit dem Premiere-Programm begonnen, Umsätze zu erwirtschaften“, sagt Ljung. Vision seines Unternehmens war, ein Programm zu schaffen, an dem sich jeder Künstler – egal wo auf der Welt – beteiligen kann. „Bei uns veröffentlichen jeden Monat zwölf Millionen Künstler – zum Vergleich: bei einer Radiostation sind es nur ein paar Tausend im Jahr.“ SoundCloud will jedem Künstler die Möglichkeit geben, durch Werbeerlöse Geld zu verdienen. Details will Ljung hier nicht nennen. „Aber die Erlöse werden hier sehr schnell wachsen. Einen Teil davor werden wir an die Künstler ausschütten.“

Für das Unternehmen sind beide Erlösquellen gleichermaßen wichtig. „Was wir in den Ländern sehen, in denen wir den Dienst bereits gestartet haben, ist die Begeisterung auf der Seite der Künstler, weil sie Geld verdienen können, und auf der Seite der Nutzer, die jetzt unterwegs offline ihre Musik hören können.“

Streaming-Markt wächst gigantisch

SoundCloud setzt alles auf die Streaming-Karte: „Momentan registrieren wir eine massive Veränderung auf dem Musikmarkt, bei dem sich das Streamen von Musik zu einem dominanten Format entwickelt.“ Da stehe man erst am Anfang. „Der Markt wächst mit einer gigantischen Geschwindigkeit – und das gilt auch sowohl für werbefinanzierte Musik als auch für das Abo-Modell. Vor uns liegen riesige Potenziale.“

Über die künftigen Wachstumspläne will die Musikplattform nicht sprechen. „SoundCloud wird schon heute in 200 Ländern genutzt. Wir haben erst in acht Ländern begonnen, Geld zu verdienen. Unsere Vision ist einfach: Wir sind eine globale Plattform“, sagt der Gründer.

Wachstumsstrategie im Vordergrund

SoundCloud steckte in den vergangenen Jahren mehrfach in der Krise. Das schnelle Wachstum verschlang Millionen. „Eine Menge dieser Gerüchte stimmten nicht, denn wir sind ein schnell wachsendes Unternehmen und eine der weltweit größten Musikplattformen geworden. Um das zu erreichen, muss man investieren und fremdes Kapital nehmen.“ Das sei in der Öffentlichkeit missverstanden worden. „Aber wir hatten eine bewusste Wachstumsstrategie“, sagt Ljung.

Bleibt da noch Zeit, selbst Musik zu machen? „Es ist schwer, Zeit dafür zu finden“, sagt Ljung. „Zuhause ist jeder Raum ein Musikzimmer und mein Büro ist ein kleines Studio. Mit geht es mehr um den Spaß mit Musik. Ich habe keine Ambitionen als Künstler berühmt zu werden.“