Wirtschaft in Brandenburg

Betriebsrat: "Bombardier soll endlich Klartext reden"

Kurz vor Weihnachten erfuhren die Mitarbeiter vom drohenden Produktionsende in Hennigsdorf. Die Politik will um die Jobs kämpfen.

Das Bombardier-Werk in Hennigsdorf steht vor dem Aus

Das Bombardier-Werk in Hennigsdorf steht vor dem Aus

Foto: Bernd Settnik / dpa

In Hennigsdorf wächst die Sorge vor dem Rückzug von Bombadier. „Dies wäre eine Katastrophe für den Standort, die Region und vor allem die hier arbeitenden Menschen", erklärte Hennigsdorfs Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) am Dienstag. Es drohe das Ende einer 100-jährigen Tradition der Produktion von Schienenfahrzeugen.

Bombardier wollte die Angaben des Betriebsrats auch am Dienstag nicht bestätigen. Man werde sich in den nächsten Wochen äußern, sagte ein Unternehmenssprecher. Der Konzern mit Sitz in Kanada hatte im Oktober angekündigt, bis Ende 2018 in Produktion und Verwaltung weltweit rund 7500 Stellen zu streichen, davon etwa 5000 im Bahnsektor. Noch nicht mitgeteilt wurde, welche Standorte betroffen sind.

Angst vor Wegfall hunderter Arbeitsplätze bei Bombardier

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) erklärte, er wolle gemeinsam mit dem Berliner Senat eine Lösung suchen. Das Land Brandenburg werde Druck machen. „Uns kommt es darauf an, Arbeitsplätze zu erhalten“, sagte er in Potsdam. Etwa die Hälfte der Belegschaft in dem Betrieb nordwestlich der Hauptstadt stamme aus Berlin. „Arbeitsplätze, die einmal verschwunden sind, kommen nicht wieder zurück“, sagte Gerber.

Die Linksfraktion forderte das Unternehmen auf, ernsthaft die vom Land angebotenen Fördermöglichkeiten zu prüfen. „Ich teile die Befürchtungen des Betriebsrats, dass die Entscheidung von Bombardier der Einstieg in den Ausstieg des Bahnstandortes Hennigsdorf ist“, sagte der Arbeitsmarktexperte der Fraktion, Andreas Bernig.

Die CDU-Fraktion warf der Landesregierung vor, zu wenig für den Bahnstandort getan zu haben. „Die Probleme sind seit langem bekannt. Statt warmer Worte und Untätigkeit hätte es von Anfang an klarer Signale des Wirtschaftsministers bedurft“, erklärte der Abgeordnete Frank Bommert, der auch CDU-Kreischef in Oberhavel ist. „Wir hatten sogar einen Brief an den Ministerpräsidenten geschrieben und auf die Probleme hingewiesen. Leider gab es bis heute keine Antwort oder eine entsprechende Reaktion darauf.

Kampf um die Arbeitsplätze im Elektrostahlwerk Hennigsdorf

Wirtschaftsminister Gerber wies die Vorwürfe scharf zurück. „Herr Bommert lügt, dass sich die Balken biegen. Ich werde mich morgen im Wirtschaftsausschuss umfassend zum Thema äußern. Dort werde ich darlegen, was die Landesregierung für den Bahnstandort Hennigsdorf getan hat und tut. Und zwar in öffentlicher Sitzung - so, wie es die SPD- und die Linke-Fraktion beantragt haben.“ Auch die CDU kündigte an, das Thema auf die Tagesordnung bringen zu wollen.

Bombardier Transportation hatte bereits im Frühjahr begonnen, 1430 von damals knapp 10 000 Arbeitsplätzen abzubauen. In Hennigsdorf sollten 270 der 2800 Mitarbeiter gehen. Der Betriebsrat geht davon aus, dass diese 270 Stellen bis zum Jahresende ohne Entlassungen abgebaut sein werden.

Bürgermeister Schulz sagte weiter, die schlimmen Befürchtungen vom Frühjahr würden sich nun in zynischer Weise zu Weihnachten bewahrheiten. „Bombardier steht in der Pflicht, endlich Klartext über die Perspektive von Arbeitsplätzen und die weitere Entwicklung am Standort zu reden.“