Bildung

Berliner Europa-Schulen sind ein Erfolgsmodell

Zweisprachiger Unterricht ist sehr gefragt. Die Bildungssenatorin prüft nun eine Ausweitung auf Arabisch, Vietnamesisch und Chinesisch.

Georg von Giesche Schule Schueler der 8. Klasse

Georg von Giesche Schule Schueler der 8. Klasse

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Die 13-jährige Stephanie hat kein Problem damit, die Fächer Geschichte oder Geografie in französischer Sprache zu lernen. „Es macht Spaß, Unterricht in zwei Sprachen zu haben, wir sind das ja seit der Kita gewöhnt“, sagt sie. Stephanie ist zweisprachig groß geworden und besucht den deutsch-französischen Europaschulzweig der Georg-von-Giesche-Schule in Schöneberg. Seit sechs Jahren bietet die Schule in Kooperation mit der Sophie-Scholl-Sekundarschule das Angebot an, weil die große Nachfrage dort allein nicht mehr gedeckt werden konnte.

Englisch, Französisch und Spanisch sind sehr gefragt

Die Europa-Schulen sind ein Erfolgsmodell. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch vorgestellt hat. „Wir prüfen jetzt die Ausweitung dieses Angebots“, sagte Scheeres. Zum Schuljahr 2017/18 sollen für die Sprachkombination Deutsch-Spanisch in Kreuzberg zwei neue Standorte eingerichtet werden, an der Lemgo-Grundschule und an der Albrecht von Graefe-Sekundarschule. Gefragt bei Eltern seien inzwischen auch Arabisch, Vietnamesisch und Chinesisch, so Scheeres. Das seien zwar keine europäischen Sprachen, bei den Europa-Schulen gehe es aber um den europäischen Grundgedanken und eine entsprechende Wertevermittlung, dies sei auch auf andere Sprachen übertragbar.

Gegenwärtig gibt es 31 Europa-Schulen in Berlin, 17 Grundschulen und 14 weiterführende Schulen. An diesen Schulen findet der gesamte Unterricht in jeweils zwei gleichberechtigten Sprachen Deutsch und einer weiteren Partnersprache (Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch und Türkisch) statt. Besonderen Andrang gibt es für die Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch.

Für die Studie wurden die Leistungen aller Viert- und Neuntklässler der Europa-Schulen analysiert. Die Ergebnisse sind durchweg positiv. Anders als anfänglich befürchtet, haben die Kinder keine Nachteile beim Erlernen der deutschen Sprache, etwa im Leseverständnis, obwohl die Hälfte der Fächer in einer anderen Sprache unterrichtet wird. Erstaunlich ist auch, dass alle Kinder, egal an welcher Europa-Schule sie lernen, große Vorteile beim Erlernen von Englisch als dritte Fremdsprache haben.

Sie sind ihren Altersgenossen an den Regelschulen dabei um etwa ein Jahr voraus. Schließlich sind Europa-Schüler auch in den anderen Fächern wie Mathematik oder Naturwissenschaft so gut wie Gleichaltrige an den Regelschulen. Die Studie wurde von der Bildungsverwaltung in Auftrag gegeben und von Jürgen Baumert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Jens Möller von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel jetzt vorgestellt.

Besonders gut gelingende Integration

Zurzeit lernen 7000 Schüler an den Berliner Europa-Schulen. Fünf von sechs Schülern haben einen Migrationshintergrund. Die Studie mache deutlich, dass die Integration von bilingual aufgewachsenen Kindern und Jugendlichen an diesen Schulen besonders gut gelingt, sagte Scheeres. Sie zeige aber auch, dass schon jetzt sehr viele bilinguale Schüler an den Europa-Schulen lernen. Die Senatorin will deshalb das Aufnahmeverfahren für die Europa-Schulen verändern. Bisher sollten möglichst jeweils die Hälfte der Schüler Deutsch als Muttersprache haben. „Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagte sie. „Berlin erlebt eine starke Zuwanderung, langfristig wird die Mehrheit der Bevölkerung bilingual sein, darauf müssen wir reagieren.“

Neu ist auch, dass die Sprachkompetenzen der Flüchtlingskinder künftig stärker berücksichtigt werden sollen. „Diese Kinder können sich seit Oktober ihre Herkunftssprache als zweite Fremdsprache anerkennen lassen“, sagte Scheeres. Das ginge entweder mit einem Zeugnis aus dem Herkunftsland oder mit einem Sprachtest, der hier absolviert wird. Auf diese Weise bleibt den Kindern und Jugendlichen mehr Zeit, für das Erlernen der deutschen Sprache.

An der Georg-von-Giesche-Schule sind die Europaschüler ungewöhnlich leistungsstark. „Im vergangenen Jahr hatten 29 von 32 Schülern die Möglichkeit nach der zehnten Klasse weiter zum Abitur zu gehen“, sagt die Schulleiterin Babette Dudek. Sie führt den Erfolg auch darauf zurück, dass die Klassen in den Sprachen geteilt werden und die Schüler in den kleinen Gruppen dadurch intensiver gefördert werden könnten. Die Europa-Klassen hätten auch einen positiven Effekt auf die anderen Klassen der Schule. Das zeige sich an einer ausgeprägten Offenheit anderen Kulturen gegenüber.

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