Lufthansa-Arbeitskampf

Flughafen Tegel – „Die können ruhig öfter streiken“

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Lorenz Vossen
Am heutigen Donnerstag sind die Lufthansa-Schalter wieder besetzt es soll nicht gestreikt werden

Am heutigen Donnerstag sind die Lufthansa-Schalter wieder besetzt es soll nicht gestreikt werden

Foto: FABRIZIO BENSCH / REUTERS

Wer außer den Passagieren und der Lufthansa noch vom Ausstand der Piloten am Airport betroffen war. Und wer sogar davon profitierte.

Sechs Tage Arbeitskampf waren dann offenbar ein paar zu viel. Am Mittwoch demonstrierten rund 400 Angestellte des Lufthansa-Bodenpersonals am Frankfurter Flughafen gegen die Kollegen aus den Cockpits. Ihre Forderung: Die Piloten sollten ihre „zerstörerischen Streiks“ beenden und einer Schlichtung zustimmen.

Die Mitarbeiter sorgen sich um die Zukunft des Unternehmens. Doch ein Ende der Streiks ist alles andere als sicher. Die Piloten­gewerkschaft kündigte lediglich an, das Angebot der Lufthansa (Erhöhung der Bezüge in zwei Stufen um insgesamt 4,4 Prozent plus eine Einmalzahlung) zu prüfen. Am Donnerstag wird immerhin schon mal nicht gestreikt, fast alle Flüge sollen planmäßig stattfinden.

Zehn bis 15 Millionen Euro pro Tag haben der Lufthansa die Ausstände nach eigenen Angaben bisher gekostet, mehr als eine halbe Million Passagiere mussten am Boden bleiben. Doch nicht nur das Unternehmen, seine Mitarbeiter und Kunden sind betroffen, die Angelegenheit zieht größere Kreise. Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) etwa hat Umsatzausfälle zu beklagen.

230 Flüge und 30.000 Passagiere in Tegel betroffen

So fielen in Tegel bisher 230 Flüge streikbedingt aus. Laut Entgeltordnung müssen die Airlines für Starts und Landungen aber nur Gebühren entrichten, wenn diese tatsächlich stattfinden. Allerdings seien die Einbußen im Jahresmittel etwa immer gleich, da man über das Jahr verteilt immer mit Streiks von Kabinenpersonal, Abfertigern oder Sicherheitspersonal im In- und Ausland konfrontiert sei, sagt ein Sprecher. Und da die Berliner Flughäfen brummen, wird die FBB ihr Ergebnisziel nach eigenen Angaben trotzdem erreichen.

Auch die Geschäfte in Tegel sind auf Streiks eingerichtet, „aber klar merken wir das, so etwas ist natürlich ärgerlich“, heißt es beim Hamburger Unternehmen Heinemann, das in Tegel ein gutes Dutzend Duty-Free-Shops betreibt. Rund 30.000 Passagiere waren in Tegel betroffen, pro Streiktag war das durchschnittlich etwa jeder 13. Fluggast. Für Heinemann und die anderen Geschäftsinhaber oder Gastronomieanbieter waren es acht Prozent potenzielle Kunden weniger als an einem normalen Tag.

Im Unternehmen versuchte man, die Sache pragmatisch anzugehen: Weil weniger Mitarbeiter gebraucht wurden konnten einige ihre Überstunden abfeiern oder wurden in Schulungen geschickt. Bei der Restaurantkette Marché hatte man Glück im Unglück. Das Schweizer Unternehmen hat seine Läden in den Terminals C und D, dort also, wo die Lufthansa nicht vertreten ist. An anderen deutschen Flughäfen habe man jedoch Umsatzeinbußen registriert, sagt eine Sprecherin.

Streik brachte Bodenpersonal keine Entlastung

Fast schon auf die Streiks gefreut hatte sich das Bodenpersonal in Tegel – weniger Flüge gleich weniger Arbeit. Aber falsch gedacht. Da die Belegschaft, wie berichtet, schon vor den Streiks chronisch überlastet und unterbesetzt war, fiel das Fehlen der Lufthansa-Maschinen nicht wirklich auf. „Zudem kommt ja jetzt noch die Enteisung der Flugzeuge hinzu, wir haben also trotzdem ausreichend zu tun gehabt“, sagt ein Arbeiter vom Rollfeld.

An Sicherheitskräften musste ebenfalls nicht gespart werden. Grund ist die dezentrale Struktur des Tegeler Airports. Anders als etwa in München können die Passagiere an vielen verschiedenen Stellen durch den Sicherheits-Check-in. Diese Posten mussten natürlich alle besetzt sein. Einziger Vorteil: „An den Streiktagen ging es nicht ganz so stressig zu wie sonst“, sagt ein Mitarbeiter. „Von mir aus können die ruhig öfter streiken.“

( mit dpa )