Polizeiermittlungen

Charité: Zwei Pfleger des Kindesmissbrauchs verdächtigt

Kliniksprecher Dolderer bestätigte, dass mehrere Mitarbeiter vom Dienst freigestellt worden seien. Es handelt sich um zwei Pfleger.

An der Charité sind Vorwürfe des Kindesmissbrauchs erhoben worden

An der Charité sind Vorwürfe des Kindesmissbrauchs erhoben worden

Foto: dpa

Ein Verdachtsfall auf schweren sexuellen Missbrauch an einem Kind beschäftigt die Charité. Der Vater eines Achtjährigen, der in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums stationär behandelt wird, habe entsprechende Vorwürfe gegen zwei Pfleger erhoben. Darüber informierte der Ärztliche Direktor, Ulrich Frei.

Seit Sonntag liefen deshalb Ermittlungen der Kriminalpolizei, gesicherte Erkenntnisse gebe es aber noch nicht. „Die Charité kooperiert vollumfänglich mit Polizei und Staatsanwaltschaft“, teilte das Klinikum am Mittwoch mit. Von der Polizei gab es zunächst keine weiteren Angaben zu dem Fall, auch die Staatsanwaltschaft bestätigte mit Rücksicht auf das Kind und seine Familie lediglich die polizeilichen Ermittlungen.

Der Junge habe das vergangene Wochenende zu Hause verbracht. Am frühen Sonntagabend sei der Vater mit seinem Sohn, begleitet von Polizeibeamten, in die Charité zurückgekehrt und habe den Verdacht gegen die Mitarbeiter erhoben, teilte Frei mit. Die Charité habe den Beamten alle relevanten Akten und Dienstpläne ausgehändigt. Zudem ist der Junge nach Charité-Angaben ärztlich untersucht worden, auch, um mögliche Spuren zu sichern, die dann in einem Labor ausgewertet werden könnten.

Der Junge wird in einem anderen Krankenhaus betreut

Wie Frei weiter sagte, habe der Achtjährige die Nacht zu Montag in der Charité verbracht, allerdings auf einer anderen Station. Sein Vater sei bei ihm geblieben. Inzwischen wird der Junge auf Veranlassung der Charité in einem anderen Krankenhaus betreut.

Das Kind sei seit August in der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Charité-Campus Rudolf Virchow in Wedding behandelt worden, sagte der Ärztliche Direktor. Seine Entlassung in näherer Zukunft sei beabsichtigt gewesen, es habe sich um den zweiten Wochenendurlaub bei seinem Vater gehandelt. Dieser habe angegeben, sein Kind sei mehrfach missbraucht worden, sagte Frei. Der jüngste Vorfall solle sich demnach kurz vor dem vergangenen Wochenende ereignet haben.

Die beiden Pfleger, gegen die sich der Verdacht richtet, seien vorübergehend zu ihrem eigenen Schutz vom Dienst freigestellt, erklärte der Ärztliche Direktor. Dies sei im innerbetrieblichen Einvernehmen erfolgt, betonte er. Es handele sich nicht um eine arbeitsrechtliche Maßnahme.

Beeinflussung und Verschleierung sollen ausgeschlossen werden

Ob die Vorwürfe begründet sind, lasse sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen, so Frei. Bislang wird der Verdacht von Beobachtern noch als vage eingeschätzt. Das Kind will nach Morgenpost-Informationen nicht mit der Polizei sprechen. Die Charité tue alles, um die Behörden bei der lückenlosen Aufklärung des Sachverhaltes zu unterstützen, erklärte ein Sprecher. Um jegliche Beeinflussung und Verschleierung auszuschließen, unternehme das Klinikum jedoch keine eigenen Untersuchungen, sondern überlasse die Ermittlungen und die Aufklärung vollkommen den Behörden.

An der Charité gab es 2012 Missbrauchsvorwürfe gegen einen Pfleger. Damals beschuldigte eine 16-Jährige einen 58-Jährigen des Missbrauchs in einer Rettungsstelle. Damals hatte es große Kritik an der zögerlichen Kommunikation des Universitätsklinikums gegeben. Die Staatsanwaltschaft stellte nach mehreren Monaten die Ermittlungen gegen den Pfleger ein.

Nicht zuletzt wegen dieser Vorgeschichte hatte sich die Charité jetzt entschlossen, Medienvertreter frühzeitig zu informieren – obwohl die polizeilichen Ermittlungen noch im Anfangsstadium waren.