Pappbecher

Berlin sagt den „Coffee to go“-Einwegbechern den Kampf an

Coffee-to-go ist aus dem Alltag vieler Pendler in Berlin kaum wegzudenken. Doch das könnte sich ändern - mit neuen Ideen.

Einweg-Kaffeebecher sorgen für jede Menge Müll

Einweg-Kaffeebecher sorgen für jede Menge Müll

Foto: Uwe Zucchi / dpa

Gegen den großen Verbrauch von Einwegbechern wird aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in Berlin noch zu wenig getan. Zwar böten inzwischen viele große Kaffeehausketten das Auffüllen mitgebrachter Becher an, sagte der DUH-Experte für Kreislaufwirtschaft, Thomas Fischer, der Deutschen Presse-Agentur. „Aber das wird den Kunden noch nicht attraktiv genug gemacht, es wird zu wenig beworben.“

Optimal wäre aus DUH-Sicht ohnehin eine andere Lösung: ein einheitliches Mehrwegsystem. Nach dem Prinzip der Freiwilligkeit komme man nicht voran, sagte Fischer. „Der Handel steht in der Bringschuld.“ Mit einem Pfand-System könnten Kunden zum Beispiel einen Kaffee an der Tankstelle kaufen und den Becher später im Café um die Ecke wieder abgeben. Auch Rot-Rot-Grün hat sich die Einführung eines Mehrwegsystems für Becher „gemeinsam mit Handels- und Umweltverbänden“ laut neuem Koalitionsvertrag vorgenommen. Details wurden darin aber zunächst nicht genannt.

Wiederverwendbare Pfandbecher statt Plastik

Bislang tut sich vor allem auf lokaler Ebene etwas: Seit Mitte September gibt es die Initiative „Boodha - Just swap it“, an der sich bisher etwas mehr als ein Dutzend Szene-Cafés in Kreuzberg und Neukölln beteiligen. Diese geben ihren Kaffee zum Mitnehmen in wiederverwendbaren Pfand-Bechern aus Bambus und Mais aus. Die Pilotphase läuft bis Ende November und wird wohl verlängert: Es kämen ständig neue Cafés hinzu, hieß es auf Anfrage. „Eigentlich ist kein Ende in Sicht.“

Auch in den Mensen und Cafés des Studentenwerks heißt das Credo schon länger „Porzellan statt Pappe“. Wer sein Heißgetränk im Einwegbecher bestellt, bezahlt 10 Cent Zuschlag. Wer sich eine eigene Tasse befüllen lässt, spart jedes Mal 5 Cent - und schont die Umwelt.

Jeder Berliner verbraucht im Durchschnitt 48 Becher im Jahr

Anderswo wird dagegen selbst zum Konsum vor Ort ungefragt ein Pappbecher ausgegeben. Die Berliner Umweltverwaltung schätzt das Aufkommen an Coffee-to-go-Bechern in Berlin auf rund 170 Millionen Stück pro Jahr - pro Kopf verbraucht damit jeder Berliner jährlich mehr als 48 Becher. Die Folge: 2400 Tonnen Abfall, so die Verwaltung.

In Freiburg stellt seit Kurzem die Stadtreinigung Mehrwegbecher gegen Pfand zur Verfügung. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) setzt laut „Ruhr Nachrichten“ auf Nachahmer - auf freiwilliger Basis.