"Ansaar International"

Ex-Herthaner Änis Ben-Hatira macht Werbung für Salafisten

Weil er zu Spenden für den vom Verfassungsschutz beobachteten Verein "Ansaar International" aufruft, steht der Fußballer in der Kritik.

Änis Ben-Hatira

Änis Ben-Hatira

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Der ehemalige Hertha-Spieler Änis Ben-Hatira wirbt für eine islamistische Organisation, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Es handelt sich um den Verein „Ansaar International e.V.“, der als salafistische Gruppierung eingestuft wird. Darüber hatten zuerst hr.Info und die Hessenschau berichtet.

Bereits am 30. Oktober teilte Ben-Hatira ein Video mit einem entsprechenden Spendenaufruf auf seiner Facebook-Seite. Zu sehen ist das Logo von „Ansaar International“, sowie einer von ihm gegründeten „Änis Ben-Hatira Foundation“. Diese werde ihm dabei helfen, „Teile dieser Welt zu erreichen, in denen Hilfe bitter nötig ist“, kommentiert er. Er wolle „ein Zeichen des Friedens zwischen Muslimen und Christen“ setzen.

Doch der Verein „Ansaar International e.V.“, der vordergründig Spenden für Krisengebiete sammelt, wird wegen Verstrickungen mit der Salafistenszene vom Verfassungsschutz beobachtet. „Eine Distanzierung vom sogenannten Islamischen Staat geht einher mit der grundsätzlichen Bejahung der vom IS abgespaltenen und heute al-Qaida nahen Gruppierung Jabhat al-Nusra (JaN)“, heißt es in dem Bericht des Verfassungsschutzes NRW aus dem Jahr 2015. Die JaN-Front ist seit einiger Zeit unter dem Namen Dschabhat Fatah asch-Scham bekannt.

In der Vergangenheit seien bei Spendensammlungen „international bekannte und angesehene salafistische Prediger als besondere Attraktionen eingebunden“ worden (Verfassungsschutzbericht NRW 2015, S. 172).

Der SV Darmstadt findet Ben-Hatiras Engagement nicht verwerflich

2007 hatte Ben-Hatira als Teil der Bundeswehr-Nationalmannschaft an den Militärweltspielen in Indien teilgenommen. Sein aktueller Verein, Fußball-Bundesligist SV Darmstadt 98, sagte hr-info: "Unseres Wissens nach hilft Änis Ben-Hatira mit seinen konkreten Projekten vielen Bedürftigen, und zwar - wie er immer wieder betont und offenkundig umsetzt - unabhängig von Nationalität, Glauben und Hautfarbe."

Nach den Anschlägen von Paris 2015 nahm der tunesischstämmige Deutsche öffentlich Anteil am Schicksal der Opfer. Auf Facebook schrieb er: „Einfach nur schrecklich!!! Möge Allah die Erde von solchen Unheilstifter und Verderber bewahren und endlich Frieden einkehren lassen!!! Amin. Mein tiefstes Beileid gilt den Angehörigen und Familien.“

Ben-Hatira machen Anschuldigungen "traurig"

"Ansaar International" spricht in einer Stellungnahme zu der Berichterstattung über den Fall Ben-Hatira von "Medien-Hetze". Ben-Hatira selbst wollte sich auf Morgenpost-Anfrage zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern. Darmstadt 98 veröffentlichte am Mittwochnachmittag eine Stellungnahme Ben-Hatiras in Form eines Interviews. Zum Vorwurf eines Zusammenhangs von Ansaar International mit extremistischen Gruppierungen sagte der Spieler: "Diese Behauptungen stehen in kompletten Widerspruch zu dem, für was sich Ansaar einsetzt. Wenn das anders wäre, würde ich nicht mit dieser Organisation zusammenarbeiten." Es mache ihn "traurig, dass meine sozialen Projekte, mit denen ich nachweislich schon vielen Bedürftigen geholfen habe, damit in ein schlechtes Licht gerückt werden", erklärte Ben-Hatira weiter.