Parteieintritte in Berlin

Trump-Effekt: Großer Mitgliederanstieg bei Berlins Parteien

SPD, Linke und Grüne registrieren in der Hauptstadt ungewöhnlich viele Parteieintritte – sogar aus New York.

Künftiger US-Präsident Trump beschert deutschen Parteien mehr Mitglieder

Künftiger US-Präsident Trump beschert deutschen Parteien mehr Mitglieder

Foto: CHRIS KEANE / REUTERS

Der Sieg des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump bei den US-Wahlen beschert SPD, Linkspartei und Grünen einen deutlichen Anstieg der Mitgliedsanträge. In der Berliner Parteizentrale der SPD meldeten sich 235, bei den Grünen 200 neue Mitglieder seit der US-Wahl am 8. November. Bei der Linkspartei waren es 75. „Allein in den drei Tagen nach der Wahl traten 36 Personen ein, insgesamt waren es ungefähr zehnmal mehr als normalerweise“, sagte der Sprecher der Linkspartei, Thomas Barthel. Die Linkspartei hat in Berlin derzeit gut 7.500 Mitglieder.

Auch die Grünen spürten einen ungewöhnlichen Anstieg. „Wir gehen davon aus, dass Brexit, zunehmender Rechtspopulismus und die Wahl von Trump für viele ein Weckruf ist, um selbst politisch aktiv zu werden“, sagte die Landeschefin der Grünen, Bettina Jarasch. Zuletzt hatte die Partei einen ähnlichen Zulauf vor sechs Jahren erlebt. Damals hatte Renate Künast ihre Kandidatur für das Amt des Regierenden Bürgermeisters bekannt gegeben, die Umfragen sahen die Grünen bei 30 Prozent der Stimmen. Zurzeit haben 5.633 Berliner ein grünes Parteibuch.

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Die SPD, mit rund 17.000 Genossen die mitgliederstärkste Partei Berlins, spürt ebenfalls Rückenwind seit der US-Wahl. Von den 235 neuen Mitgliedsanträgen stammten zudem viele aus der Auslandsabteilung des „Sozialdemokratischen Freundeskreises“, allein fünf Eintrittsgesuche trafen aus New York ein, sagte Parteisprecherin Marisa Strobel.

Kein „Trump-Effekt“ bei CDU, AfD und die FDP

CDU, AfD und die FDP verzeichnen dagegen keinen „Trump-Effekt“. In den Parteizentralen werden keine außergewöhnlichen Mitgliedsbewegungen registriert. Allerdings spürt die CDU ganz aktuell eine Zunahme an Neumitgliedern. Bei der Bundesgeschäftsstelle sind nach der Bekanntgabe von Bundeskanzlerin Angela Merkel, noch einmal als Spitzenkandidatin antreten zu wollen, 120 Anträge eingegangen. An normalen Tagen seien es rund 15, heißt es in der CDU-Zentrale.

Die AfD sieht sich dagegen unabhängig von der Wahl Trumps im Aufwind. Die Mitgliederzahl liege mit 1160 rund 40 Prozent über der Vergleichszahl des Vorjahres. Die FDP verzeichnet seit August konstante Zuwachsraten und erklärt sich das mit den guten Umfragewerten sowie dem Wiedereinzug in das Abgeordnetenhaus.

Auch Bundesverbände registrieren Mitgliederzuwachs

Mit der Mitgliederentwicklung liegt Berlin im Bundestrend. Auch die Bundesverbände von SPD, Linken und Grünen registrieren seit dem 8. November einen Mitgliederzustrom. Die SPD-Parteizentrale geht davon aus, dass sie im November insgesamt 1.000 neue Mitglieder begrüßen kann, 700 waren es seit der US-Wahl. Die Partei wirbt inzwischen mit dem Anti-Trump-Slogan: „Gegen Populisten muss man eintreten“. Auch in der Bundesgeschäftsstelle der Linkspartei melden sich mehr neue Parteimitglieder als gewöhnlich, heißt es aus der Parteizen­trale. In den sozialen Netzwerken wirbt die Partei unter dem Hashtag #Trump mit dem Spruch „Beweg dich, werde Mitglied!“ um Neumitglieder.

Der Parteienforscher Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin vermutet, dass sich unter den neuen Parteimitgliedern vor allem junge Menschen befinden. „Ihnen geht es nicht um Trump, sondern um die Frage, ob so etwas auch hier passieren kann“, sagt Niedermayer. „Die Hürden für einen Parteieintritt sind durch das Internet zudem sehr niedrig, sodass es zu dem Spontanentschluss kommt, so ein Ereignis zum Anlass zu nehmen, einer Partei beizutreten.“

Ein nachhaltiger Einfluss auf die Mitgliederentwicklung trete aber erst ein, wenn der Effekt länger anhalte.

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