Prozess

Maurice W. (22) tötet seinen Vater - um an Geld zu kommen

Ein 22-Jähriger tötet seinen Vater, um an dessen Ersparnisse zu kommen. Ein Freund half ihm dabei. Sie stehen nun vor Gericht.

Der 61-jährige Joachim W. galt in der in der Dessauer Straße im Ortsteil Marzahn als ruhiger, zurückgezogen lebender Mitbewohner. Deswegen war der eine Etage tiefer wohnende René K. auch sehr überrascht, als es am 22. März dieses Jahres ein mächtiges Getöse gab. Der 36-Jährige lief in die fünfte Etage und klingelte, aber es wurde ihm nicht geöffnet. Er alarmierte die Polizei. Die Beamten vermuteten zunächst, dass sich René K. verhört haben könnte. Wenig später fanden sie die Leiche von Joachim W. Auch die beiden Täter waren noch in der Wohnung.

Täter beklagt, vom Vater kritisiert worden zu sein

Maurice W. und sein gleichaltriger Kumpan Tobias V. - müssen sich seit Montag vor einem Moabiter Schwurgericht wegen gemeinschaftlichen Mordes verantworten. Als Mordmerkmale werden von der Staatsanwaltschaft Habgier und Heimtücke genannt. In der von Maurice W.s Verteidigerin verlesenen Erklärung wird auch sofort deutlich, dass beide Mordmerkmal zutreffen.

Joachim W. lebte von Frau und Kindern getrennt. Als er einige Zeit vor seiner Ermordung im Krankenhaus lag, und Maurice W. für ihn einige Sachen holen sollte, hatte der Sohn dabei auch ein Geldbündel entdeckt: rund 8000 Euro. In Maurice W.s Erklärung heißt es, er sei darüber empört gewesen, weil der Vater die Familie nicht besonders unterstützt habe.

Das Verhältnis zu ihm und dem „Papa“ - er nennt den ermordeten Joachim W. vor Gericht immer wieder so - sei ohnehin sehr schlecht gewesen. „Papa“ habe ihm jedesmal Vorhaltungen gemacht, wenn er zu ihm kam und Hilfe brauchte. Er sei unfähig, für seine kleine Familie zu sorgen, soll Joachim W. gesagt haben. Maurice W. lebte mit einer Frau zusammen, sie haben ein gemeinsames Kind, „Ich war für Papa immer das Arschkind. Ich wollte einmal was Gutes von ihm hören.“

Maurice W. und Tobias V. zogen durch Bars und gingen ins Bordell

Auch einige Tage vor dem 22. März soll es vom „Papa“ wieder Kritik gegeben haben. Maurice W. hatte sich von ihm 400 Euro geliehen. Er war gerade arbeitslos geworden. Das Geld war knapp. Das hielt ihn aber nicht ab, sich am 22. März mit seinem damals noch besten Freund Tobias V. zu treffen. Der hatte auch gerade seinen Job verloren - er arbeitete in einem Call-Center. Beide zogen durch die Gegend, kehrten in zwei Bars ein, besuchten ein Bordell. Finanziert wurde das von den letzten 200 Euro, die Maurice W. auf seinem Konto hatte.

Bei einem Plausch auf einer Parkbank reifte die Idee, sich Geld bei Joachim W. zu holen. Maurice W. erzählte, das sein Vater etwa 20.000 Euro im Hause habe. Sie schmiedeten Pläne, was sie für dieses Geld alles kaufen könnten.

Beute wurde im Strumpf eines der Angeklagten gefunden

Im Anklagesatz steht, dass Joachim W. ihnen am 22. März arglos die Tür geöffnet und Maurice W. seinen Vater wenig später von hinten überraschend „in den Würgegriff“ genommen habe. Tobias V. soll dann auf Joachim W. eingeschlagen haben; zuerst mit einer Thermoskanne, anschließend mit einer Kasserolle. Und als Joachim W. immer noch lebte, habe sein Sohn Maurice W. ein Küchenmesser genommen, den Vater an den Haaren hochgezogen und ihm tödliche Verletzungen zugefügt. Das gab er vor Gericht auch zu: Tobias V. habe gesagt, er soll mit dem Angriff beginnen: „Mach du das, es ist dein Papa“. Er verstehe es bis heute nicht, so Maurice W. „Mein Körper hat das einfach gemacht.“

Tobias V. sagte, nur aus Angst vor Maurice W. mitgemacht zu haben. Er ist einen halben Kopf größer als der ehemalige Freund. Als die Polizei die beiden festnahmen, hatte Tobias V. die Beute in einem Strumpf versteckt. 3000 Euro - für die Joachim W. sterben musste. Der Prozess wird fortgesetzt.