Kirchenbedarfsgeschäft

Baumann in Wilmersdorf ist das Kaufhaus des Glaubens

Seit Jahrzehnten besteht das Traditionsgeschäft Baumann in Wilmersdorf. Auch private Verbraucher können hier Kirchenbedarf einkaufen.

Heiligenfiguren und Kruzifixe: Inhaber Matthias Bergold in "Baumanns Spezialhaus für Kirchenbedarf"

Heiligenfiguren und Kruzifixe: Inhaber Matthias Bergold in "Baumanns Spezialhaus für Kirchenbedarf"

Foto: Massimo Rodari

Kerzen über Kerzen, sorgsam aufgestellt wie im Showroom eines Designgeschäfts, hunderte Kreuze an der Wand, rustikal in Holz, aber auch modern geschwungen aus unterschiedlichen Metallen, Wand- und Standkreuze, kleine und mächtige, Rosenkränze in dutzenden Farben, Formen und Materialien stehen im Kirchenbedarfsgeschäft Baumann zum Verkauf für Privatkunden. Und rund dreißig verschiedene Weihnachtskrippen. "Ich denke, wir haben derzeit Berlins größte Auswahl an Krippen", erklärt Matthias Bergold, "sogar vom KaDeWe werden Kunden zu uns geschickt." Kleine Holzkrippen zu zivilen Preisen sind im Angebot, aber auch großformatige Meisterwerke Südtiroler Schnitzkunst im vierstelligen Eurobereich.

Kirchenbedarfsgeschäft Baumann in Wilmersdorf

Einen Raum weiter sieht es aus wie bei einem exklusiven Herrenausstatter, nur dass die sorgsam in Schränken hinter Glasscheiben ruhenden Stoffe in prächtigem Rot, Violett und Grün schimmern. Gemäß der kirchlichen Liturgie werden die Farben zu den wichtigen Kirchenfesten, zu Advents- oder Fastenzeit farblich nuanciert. Statt Einreiher hängen weiße Alben genannte Gewänder an der Stange, statt Schals farbenprächtige Stolen. Für die protestantischen Priester werden schwarze Talare angeboten, die auch maßgeschneidert erhältlich sind.

Einen Raum weiter befinden sich feierlich glänzende Utensilien für die evangelischen und katholischen Gottesdienste: Edle Kelche aus Zinn, versilbert, vergoldet, Hostienbehältnisse, Altarschellen, sogar Monstranzen. Nein, es waren keine Weisen aus dem Morgenland und keine Engel, die Matthias Bergold erschienen und ihm den Weg wies zu Berlins Traditions-Kirchenausstatter. Der hatte in den Zwanzigerjahren zuerst in Thüringen Kirchenbänke verkauft.

Taufbecken, Altartücher und Weihwassersprenger

Matthias Bergold stammt ursprünglich aus einer ganz anderen Welt, die zwar auch mit Reinigung zu tun hat, aber nicht der inneren, der seelischen, sondern der äußeren, alltäglichen. Als gelernter Diplom-Wirtschaftler war der gebürtige Radeberger viele Jahre in der DDR-Chemiebranche beschäftigt, nach dem Mauerfall arbeitete er als Vertriebsleiter in einem mittelständischen Haushaltsreinigungsmittel-Betrieb. Mit 49 Jahren wollte der ruhige, fast andächtig wirkende Mann "noch einmal neu anfangen". Als er durch Bekannte davon erfuhr, dass der 1927 gegründete Betrieb "Baumanns Spezialhaus für Kirchenbedarf" zum Verkauf stand, griff er zu.

"Vorher hatte ich gar nicht gewusst, dass es solche Geschäfte gibt. Ich bin sozusagen dazu gekommen, wie die Jungfrau zum..." Bergold beendet den Satz nicht, als sei es unschicklich, in solch einem Geschäft einen so religiösen Vergleich anzustellen. Nur einen Moment huscht ein scheues Lächeln über sein Gesicht, dann wirkt er wieder fast pastoral. Er ist jemand, der seine Person in den Hintergrund stellt. Ihm geht es um die Sache. Vor der hat Bergold großen Respekt, "weil die Menschen das brauchen, die Gemeinschaft und den Glauben". Dabei ist er Verkäufer der profanen Dinge, die eben auch zum Glauben gehören. Wie samtene, purpurfarbige Klingebeutel in verschiedenen Ausführungen, Taufbecken aus gewirktem Messing, Altartücher, Aspergile genannte Weihwassersprenger. Sogar Taschensets für Priester-Krankenbesuche sind in unterschiedlichen Ausführungen im Sortiment.

Das Kaufhaus für Kirchenbedarf

"Wir sind ein Kaufhaus für Kirchenbedarf", sagt der 62-jährige Familienvater. Als der wunderschöne Altbau 2008 saniert wurde, zog die Firma, die vorher nur für Kirchengemeinden und Pfarrer lieferte, ins Erdgeschoss. Ein katholischer und ein evangelischer Geistlicher weihten die Räume. "Es ging uns darum, uns zu für eine breitere Kundschaft zu öffnen", sagt Bergold. Das ist gelungen. Besonders während der acht Wochen, in denen die Krippen im Verkaufsraum stehen, kommen viele Privatverbraucher. Neben Krippen und Krippenfiguren kaufen sie regelmäßig Kerzen, die es in Größen bis zu 150 Zentimeter und 10 Zentimeter Durchmesser gibt. "Die sind durch einen kleinen Bienenwachsanteil besonders lang brennend", so Bergold.

Im Angebot sind auch acht Weihrauchmischungen

Taufkerzen, Ewige Lichter und Grabkerzen sind im Angebot, und acht verschiedene Weihrauchmischungen. Beliebt ist die Sorte Pontifikal, mit Harzen aus Oman. Außerdem führt Bergold die beliebten Herrenhuther Sterne, die als Fensterdekoration bei vielen Berliner Familien beliebt sind. Daneben werden Restaurierungen von kirchlichen Geräten und Gewändern ausgeführt, meistens über Spezialisten bei bekannten Werkstätten. "Was wir nicht machen ist er Ankauf von Heiligenfiguren", erklärt Bergold. Das widerspräche seiner Geschäftsphilosophie.

Als Trend bezeichnet er geschnitzte Schutzengel und Schutzpatrone, die er in unterschiedlichen Ausführungen und Größen aus Südtirol bezieht. Keine Region der Welt liefere kunstvollere religiöse Schnitzfiguren. Wie bis Heiligabend bei den wunderschönen Krippen zu sehen ist.

Baumann - Spezialhaus für Kirchenbedarf

Trautenaustr. 14, Wilmersdorf, Tel. 873 28 24, Mo.-Fr. 10-18 Uhr, Adventsonnabende 10-15 Uhr, www.baumann-kirchenbedarf.de

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