Förderung

Rot-Rot-Grün will mehr Geld für den Berliner Sport ausgeben

Die künftige Regierung will neue Sportanlagen bauen – Senatorin Sandra Scheeres (SPD) plant zwölf Servicebüros für Familien.

Berlin-Marathon 2016

Berlin-Marathon 2016

Foto: Reto Klar

Rot-Rot-Grün will auch in der Sportpolitik der wachsenden Stadt Rechnung tragen. In ihrem Koalitionsvertrag bekennen sich SPD, Linke und Grüne dazu, dass die sportliche Infrastruktur „mitwachsen muss“. Das betreffe insbesondere die Planung und Finanzierung von Sporthallen und ungedeckten Sportstätten. Der Bedarf an Sport- und Bewegungsflächen nehme zu, zudem solle die durch das Sportförderungsgesetz garantierte unentgeltliche Nutzung der Sportanlagen erhalten bleiben, heißt es im Koalitionsvertrag.

Kommentar: Mehr Geld für die Sportförderung ist eine gute Investition

Angesichts knapper werdender Flächenressourcen will die künftige Landesregierung bei der Entwicklung neuer Stadtquartiere eine entsprechende Infrastruktur schaffen. Dazu werde sie einen Stadtentwicklungsplan aufstellen, um Flächen für Sport, Spiel und Bewegung zu sichern und neue Flächen zu erschließen. Bei allen neuen Sportstätten sollen auch die Belange von Behinderten und der älter werdenden Bevölkerung berücksichtigt werden. Die Koalition will zudem bei Plänen, Sportanlagen zu entwidmen und die Flächen anderweitig zu nutzen, restriktiver vorgehen.

Zehn Millionen Euro pro Jahr für Investitionen in Bäder

Die Berliner Bäder erachtet die Koalition als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Das Bäderkonzept soll überarbeitet, die finanzielle und personelle Ausstattung der Bäder „auf ein sicheres Fundament“ gestellt werden. Im Koalitionsvertrag ist dazu ausgeführt, dass Investitionsmittel in Höhe von zehn Millionen Euro pro Jahr bereitgestellt werden sollen. Die Koalition will zudem die bestehende Bäderstruktur erhalten und die beiden geplanten Multifunktionsbäder fertigstellen. Diese wurden noch von der rot-schwarzen Koalition auf den Weg gebracht. Sie sollen jeweils rund 30 Millionen Euro kosten, in rund zwei Jahren errichtet werden und an 365 Tagen im Jahr geöffnet sein. Am Ankogelweg in Mariendorf soll ein Sport- und Freizeitbad entstehen, an der Wolfshagener Straße in Pankow liegt der Fokus auf „Freizeit und Wellness“.

Neue Akzente wollen SPD, Linke und Grüne auch in der Familienpolitik setzen. Berlin solle eine familienfreundliche Metropole für alle sein, heißt es dazu im Koalitionsvertrag. Ein besonderer Schwerpunkt sei dabei die Bekämpfung von Familien- und Kinderarmut. Zuständig für dieses Politikfeld im Senat wird Sandra Scheeres sein, die im Gegenzug den Wissenschaftsbereich an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (beide SPD) verloren hat. Ihre Verwaltung trägt künftig den Titel „Bildung, Jugend und Familie“.

Flächendeckend soll in jedem Bezirk ein Familienservicebüro eingerichtet werden, das Familien bei ihren unterschiedlichen Anliegen unterstützt. Das nannte Scheeres gegenüber der Berliner Morgenpost als eines ihrer ersten Ziele. Diese Büros sollen die zentrale Anlaufstelle für Familien sein, die öffentliche Dienstleistungen in Anspruch nehmen wollen, etwa Elterngeld, Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket, Kita-Gutscheine, Unterhaltsvorschuss oder Erziehungsberatung. „Für zu viele Familien in unserer Stadt stellt der Behördenbesuch eine Überforderung dar. Familienservicebüros haben den Charakter eines Frontoffice“, so Scheeres. Die Mitarbeiter dort sollen aber nicht nur „eine Lotsenfunktion im Behördendschungel“ erfüllen, sondern auch direkt Termine mit den zuständigen Sachbearbeitern in den Ämtern vermitteln.

„Familienbürgeramt“ wie in Tempelhof-Schöneberg

„Damit diese Büros Familien möglichst umfassend unterstützen können, ist es wichtig, dass sie in alle familienrelevanten Verwaltungsteile vernetzt sind, also nicht nur zum Jugendamt sondern etwa auch zum Kinder- und Jugendgesundheitsdienst oder zum Schulamt“, erklärte die Sozialdemokratin. Es gibt bereits in mehreren Bezirksämtern Infobüros für Familien, das Konzept von Tempelhof-Schöneberg könnte am ehesten eine Blaupause für das Vorhaben der Senatorin sein. Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) bezeichnete es als „Familienbürgeramt“. Service sei mehr als nur Beratung, betonte Schworck, die Menschen seien Kunden, keine Antragsteller. Wichtig sei, alle Fragen der Kunden zu beantworten und für alle Anliegen einen Ansprechpartner vermitteln zu können – auch und gerade, wenn die Menschen nicht genau wüssten, welche Hilfe sie eigentlich in Anspruch nehmen können.

Der Weg ist offenbar richtig: Im Januar wurde das Büro in Mariendorf eröffnet, bis zum Sommer gab es bereits 6000 Kundenkontakte. Die Öffnungszeiten wurden erweitert, zu den zwei Personalstellen sollen weitere hinzukommen. Zu dem Erfolg trägt aber auch bei, dass Ämter, die von vielen Familien angelaufen werden, in der Nähe des Servicebüros angesiedelt sind. Damit entfielen „Reisen quer durch den Bezirk“, so Schworck.