Theater

Grimms Märchen halten auf dem Berliner Pfefferberg Einzug

Das Hexenberg Theater startet mit neuer Heimat in die Wintersaison. Die Besetzung bleibt aber dieselbe.

Vlad Chiriac und Roger Jahnke (r.) vor dem Glashaus des Hexenberg Theaters

Vlad Chiriac und Roger Jahnke (r.) vor dem Glashaus des Hexenberg Theaters

Foto: Massimo Rodari

Staunend läuft der kleine Herr Schneider mit hochgezogenen Augenbrauen um das Glashaus, das auf dem Pfefferberg Gestalt annimmt. Auf seinem breiten Gürtel prangt, wie sollte es anders sein, eine große sieben. „Wir sind alle sehr aufgeregt, ein Märchen wird für uns wahr“, sagt der Schneider, der mit bürgerlichem Namen Vlad Chiriac heißt. Er gehört zum Schauspiel­ensemble des Hexenberg Theaters, das an diesem Freitag in die winterliche Märchensaison startet.

Vor einem Jahr haben sich die Schauspieler von der Spielstätte im Monbijoupark getrennt, um auf dem Pfefferberg in Prenzlauer Berg einen Neuanfang in alter Besetzung zu wagen. Zum großen Gewinn der Berliner, denn die erhalten neben der etablierten und chronisch ausverkauften Märchenhütte in Mitte nun an der Schönhauser Allee einen ganz neuen, bezaubernden Glaspalast für die Inszenierungen der Grimm’schen Märchen in der Weihnachtszeit. Vom 18. November bis 14. Januar stehen hier die 16 beliebtesten Märchen auf dem Programm, vom Tapferen Schneiderlein über Schneewittchen bis hin zum Gevatter Tod.

Ab sofort wird im Glashaus gespielt

Die gewagte Idee, ausgerechnet ein Gewächshaus aus Glas als Spielstätte für die Wintersaison zu nutzen, verdankt das Ensemble Kathrin Hennrich und ihrer Paradiesfabrik. Die Landschaftsplanerin hatte vor einigen Jahren als Bühnenbild für den Sommernachtstraum im Amphitheater im Monbijoupark einen Dschungel von Pflanzen entstehen lassen und damit für so viel Aufsehen gesorgt, dass die Truppe noch heute darauf angesprochen wird. In dem neuen Glashaus, das an die alten Gewächshäuser auf dem Blumenmarkt in Paris erinnert, wird die Natur der Umgebung nun in die Szenerie auf der Bühne mit einbezogen.

Märchenhaft muten die großen alten Bäume an, die im Dunkeln farbig angestrahlt werden. Ein Wald, in dem sich Hänsel und Gretel verirren oder in dem Scheewittchen Zuflucht bei den sieben Zwergen findet. Dabei laufen Regentropfen über die Scheiben oder wehen Laubblätter um das Gewächshaus.

Theater in bester Shakespear’scher Tradition

„Die Bäume, das Wetter und die Eichhörnchen spielen mit. Dadurch erhalten die Märchen, die wir schon seit zehn Jahren spielen, eine ganz neue Anmutung“, sagt Geschäftsführer Roger Jahnke. Ansonsten bleibt es bei den altbewährten Produktionen. Jedes Stück dauert nur 30 Minuten und wird von zwei Schauspielern aufgeführt. Dabei hat jedes Märchen seinen eigenen Charakter, von schaurig über klaumaukig bis hin zu psychologisch – und das in bester Tradition des Shakespear’schen Volkstheaters. Am Nachmittag gibt es die familientauglichen Vorstellungen und am späten Abend dann die Vorführungen nur für Erwachsene.