Hauptstadtflughafen

Neuköllner Bürgermeisterin fordert U-Bahn von Rudow zum BER

Der BER kann mit S-Bahn oder Bus erreicht werden, aber nicht mit der U-Bahn. Neuköllns Bürgermeisterin warnt vor einem Verkehrschaos.

Ein Arbeiter schiebt auf der Baustelle des U-Bahnhofs Rudow in Neukölln eine Schubkarre

Ein Arbeiter schiebt auf der Baustelle des U-Bahnhofs Rudow in Neukölln eine Schubkarre

Foto: Britta Pedersen / dpa

Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hat sich für eine Verlängerung der U-Bahnlinie 7 von Rudow bis zum Flughafen Schönefeld ausgesprochen. „Ein Hauptstadtflughafen braucht auch eine Hauptstadtanbindung“, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung der SPD-Politikerin.

Hintergrund sind die Pläne der künftigen rot-rot-grünen Koalition, alle U-Bahnprojekte in den kommenden fünf Jahren komplett auf Eis zu legen. Stattdessen soll verstärkt in den Ausbau von Straßenbahn- und Radfahrstecken investiert werden.

Giffey warnt vor einer solch einseitigen Strategie. Sie verweist darauf, dass am künftigen Hauptstadtflughafen BER nach seiner Eröffnung mehr als 33 Millionen Passagiere im Jahr erwartet werden. 2030 sollen es bereits knapp 47 Millionen Fluggäste sein, die Schönefeld abgefertigt werden.

„Rudower Spinne“ schon jetzt überlastet

Durch derzeit von der BVG angebotenen Busshuttle-Verkehr zwischen dem U-Bahnhof Rudow und dem Flughafen sei die „Rudower Spinne“ schon jetzt überlastet. „Wenn wir den U-Bahn-Fahrenden keine Alternative anbieten, droht die Gefahr eines Verkehrschaos an diesem wichtigen Knotenpunkt“, warnt Giffey.

Die SPD-Politikerin weist darauf hin, dass Trassen für den U-Bahnbau links der Waltersdorfer Chaussee und im Frauenviertel vorhanden seien. Alle Flächen befänden sich im Eigentum des Landes Berlin. „Wann, wenn nicht jetzt der Zeitpunkt, die Weichen zu stellen und den Ausbau der U7 zum BER anzugehen“, fragt Giffey.

Rot-Rot-Grün will neue Tram-Strecken bauen

Wie berichtet, hatten sich die Verkehrspolitiker von SPD, linke und Grünen während der Koalitionsgespräche darauf geeinigt, bei der Entwicklung der Nahverkehrsinfrastruktur sich auf den Ausbau neuer Straßenbahnverbindungen zu konzentrieren.

Unter anderen sollen neue Trassen zum Bahnhof Ostkreuz, zum U-Bahnhof Turmstraße und zum S-Bahnhof Mahlsdorf gebaut werden. Zudem sollen mit der Planung weiterer Strecken etwa zum Rathaus Steglitz, zum Mierendorffplatz und zum Hermannplatz begonnen werden.

Bei der U-Bahn wird sich lediglich für eine zügige Fertigstellung des Lückenschlusses für die U5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor ausgesprochen. „Eine Planung von Erweiterungen des U-Bahn-Netzes findet in dieser Wahlperiode nicht statt, um die nötigen planerischen Kapazitäten für die Erweiterung des Straßenbahnnetzes auszuschöpfen“, heißt es in dem Arbeitspapier der Verkehrspolitiker, der Grundlage für den Koalitionsvertrag werden soll.

U7-Verlängerung kostet 700 Millionen Euro

Eine nachträgliche Verlängerung der U-Bahn zum BER könnte indes teuer werden. Experten der BVG gehen von rund 700 Millionen Euro aus, die die rund zehn Kilometer lange Trasse kosten würde.

Völlig unklar ist zudem die Einbindung der U-Bahn in den bereits bestehenden Flughafenbahnhof direkt unter dem Terminalgebäude. Dort befinden sich sechs Gleise, zwei für die S-Bahn und vier für Fern- und Regionalzüge.

Platz für einen weiteren U-Bahnsteig gibt es dort nicht. Alternativ könnte die U-Bahn bis zum alten Bahnhof Flughafen Schönefeld geführt werden, was von Verkehrsexperten jedoch als wenig wirtschaftlich angesehen wird.

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