Neuer US-Präsident

Wie die Amerikaner in Berlin auf Trumps Wahl reagieren

Die amerikanische Community ist nach der Wahl Trumps ins Weiße Haus verunsichert. Viele wollen jetzt langfristig in Berlin bleiben.

Nadja Vancauwenberghe vom Magazin „Exberliner“ vbergleicht die Stimmung mit dem Beginn der zweiten Amtszeit von George W. Bush

Nadja Vancauwenberghe vom Magazin „Exberliner“ vbergleicht die Stimmung mit dem Beginn der zweiten Amtszeit von George W. Bush

Foto: Paul Zinken / dpa

Nach der Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten ist die amerikanische Community in der Hauptstadt noch immer in Aufregung. „Das ist wie zu Beginn der zweiten Amtszeit von George W. Bush“, sagt Nadja Vancauwenberghe vom Magazin „Exberliner“, das in englischer Sprache über Berlin berichtet. „Es gibt viele Enttäuschte.“ So sei die Mitbegründerin des Magazins, Ioana Veleanu, vor sechs Jahren nach New York zurückgekehrt. „Jetzt hat sie mir gesagt, dass sie die USA wegen Trump verlassen wird - auf jeden Fall Richtung Europa.“

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Doch auch nach der zweiten Wahl Bushs’ hätten trotz großer Ankündigungen am Ende nur wenige Amerikaner wirklich ihre Koffer gepackt. „Das waren am Anfang vor allem emotionale Reaktionen.“ Die hätten sich auch in der kleinen Anti-Trump-Demo am vergangenen Sonntag am Brandenburger Tor gezeigt. „Aber das dickste Ding, das wir schlucken müssen, ist doch letztendlich, dass Trumps’ Wahl das Ergebnis eines demokratischen Prozesses ist“, sagt Vancauwenberghe.

Was die Berliner "Gentrifizierung" nennen, ist in den USA normal

„Berlin bleibt für Amerikaner aber auf alle Fälle sehr attraktiv“, ergänzt sie. Trotz Mietsteigerungen und längerer Wohnungssuche als früher sei die Stadt im Vergleich zu New York, London und Paris immer noch vergleichsweise kostengünstig. „Und neulich hat sich eine Freundin im Prenzlauer Berg gewundert, dass die Deutschen das hier Gentrifizierung nennen.“ In den USA seien die Unterschiede viel krasser.

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Allein in Berlin waren mehr als 16.000 US-Amerikaner bei der Präsidentenkür in der vergangenen Woche wahlberechtigt. „Ich denke, viele wollen nicht aus Berlin wegziehen. Und in ein „Trump-Land“ schon gar nicht“, ergänzt die Mitarbeiterin des „Exberliner“.

Die Hauptstadt sei vor allem für Landsleute attraktiv, die für ein oder zwei Jahre ins „mellow“ (lockere) Berlin wollten - zum Studium oder für Praktika. „Aber ich bin immer wieder überrascht, dass auch Mittdreißiger oder Mittvierziger mit ihrer ganzen Familie hierherziehen.“ Viele Amerikaner erlebten die Stadt als international und „welcoming“. Mit Englisch kämen die meisten erst einmal durch. „Aber wer länger bleibt, lernt meist auch schnell Deutsch“, ergänzt sie.

Auch den Neuköllner Comedian und Deutsch-Amerikaner Josh Telson haben die Wahlen in den USA zum Nachdenken gebracht. „Ich verstehe Trumps Sieg als Zeichen, länger in Berlin zu bleiben“, sagte er der „taz“. Und einige seiner Freunde aus den Staaten wollten zum Studieren nun lieber nach Berlin kommen - und das sei nicht in allen Fällen ironisch gemeint.