Comic-Schmauserei

Berlinerin kocht nach Rezepten aus den Donald Duck-Comics

Edda Gerstner ist seit über 30 Jahren Fan der Zeichentrickfamilie Duck. An der Volkshochschule kocht sie nach Rezepten aus den Comics.

Donald Duck kredenzt seiner Familie so manche eigentümliche Spezialität

Donald Duck kredenzt seiner Familie so manche eigentümliche Spezialität

Foto: dpa Picture-Alliance / DB Disney / picture-alliance / dpa/dpaweb

Viereckige Eier, Zitronenauflauf, Froschschenkel – wer genau hinschaut, merkt schnell, dass Onkel Dagobert, Donald und die Neffen Tick, Trick und Track es sich in Entenhausen kulinarische so richtig gut gehen lassen. Von wegen, Enten essen nur Gräser und Brotkrümel! Wenn Donald einmal zu Geld gekommen ist, gibt es Schlagsahne auf Käse mit einer Kirsche in der Mitte, seine Neffen essen am liebsten zehn Kugeln Eis auf einmal, und in kaum einer Geschichte über die liebenswerten Enten darf eine ordentliche Tortenschlacht fehlen.

„Zu fett, zu süß, zu viel“ – urteilt Edda Gerstner über die Ernährungsgewohnheiten der Enten. Gerstner muss es wissen, denn sie ist nicht nur Hauswirtschaftsmeisterin, sondern auch Donaldistin. Damit ist sie eine von etwa 1000 organisierten Fans der Geschichten rund um die Familie Duck aus dem deutschsprachigen Raum. Sie haben sich in der Vereinigung „D.O.N.A.L.D. – Deutsche Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus“ zusammengefunden und sich zum Ziel gemacht, Entenhausen zu erforschen. Schon seit 1977 treffen sie sich zu jährlichen Kongressen, wo die Hobbywissenschaftler ihre Ergebnisse vorstellen.

Dann rechnet ein Elektromeister die Spannung in Entenhausen aus, ein Geologe spricht über Antigravitation im Universum der Ducks, und Edda Gerstner stellt die Ernährung der Enten vor. Sie zeigt, wie Tick, Trick und Track Karamellbonbons aus sechs Säcken Zucker kochen, wie Daisy – gleichwohl recht füllig um die Hüften – einen Modelwettbewerb gewinnt und dass ein Apfel einen Taler kostet und damit genau so viel wie fünf Doppelportionen Erdbeereis.

„Aber nicht alle Entenhausener ernähren sich ungesund“, sagt die 65-jährige Edda Gerstner. In ihrer Forschung hat sie herausgefunden, dass ausgerechnet die Unterwelt Entenhausens auf gesunde Ernährung achtet. „Die Panzerknacker essen gerne Backpflaumen, und einer von ihnen studiert sogar die Diätküche“, sagt die Köchin.

Viele Zeichner haben sich im Laufe der Jahre an den Enten ausgetobt, für die Donaldisten aber gibt es nur den einen wahren: Sie halten sich an die Umsetzung des Amerikaners Carl Barks. Edda Gerstner ist überzeugt, dass seine Sicht auf Entenhausen heute noch modern ist: „Peter Panzer liebt handgemolkene Milch von glücklichen Kühen, und Donald baut mit seinen Neffen sogar Biogemüse an.“ Zu festlichen Anlässen gibt es aber immer Geflügel, zu Weihnachten Gans, zu Erntedank Truthahn. Moment, sind die Enten etwa Kannibalen? „Nein, aber die Ducks sind keine Enten. Sie sind Anatiden, also entenähnliche Geschöpfe“, sagt die Donald-Expertin. Schließlich halte Oma Duck auf ihrem Bauernhof ja auch Hühner.

Seit über 30 Jahren ist Edda Gerstner Mitglied bei den Donaldisten. Die Geschichten aus Entenhausen haben ihre Eltern ihr schon als Kind vorgelesen. „Donald ist so ein liebenswerter Held“, sagt sie, „er ist kein Besserwisser wie Mickey Maus, er ist menschlich. Er scheitert und hat den Mut und die positive Energie, immer wieder aufzustehen und weiterzumachen.“

Wenn sie zurückdenkt, fallen ihr viele lustige Aktionen der Duck-Fans ein. In den 80er-Jahren hätten sie einmal kleine Infohefte über Donald in Gasballons gepackt und sie mit einer Windmaschine über die Mauer gepustet. Heute muss sie darüber lachen. „Wahrscheinlich sind die nie angekommen, sondern alle im Mauerstreifen gelandet.“ Aber sie wollten eben nichts unversucht lassen, auch ihre Nachbarn im Osten für die Donald-Sache zu missionieren.

Regionaler Stammtischfür die Donald-Fans

Edda Gerstner gibt auch an der Volkshochschule Kurse zum Kochen wie in Entenhausen. In Berlin organisiert sie alle zwei Monate den Regionalstammtisch der Donald-Fans. Dann singen sie die Entenhausen-Hymne oder kochen bei ihr zu Hause im Hansaviertel Rezepte aus den Geschichten nach. Gemeinsam bestreichen sie die Intelligenzbrötchen von Daniel Düsentrieb mit Erdnussbutter und Senf oder rühren ihr Lieblingsrezept an, den Pastinakenpudding. Einmal hätten sie ein Missgeschick von Donald nachgekocht. Der sammelte ein ganzes Feld voller Eier, die ihm dann davongekullert sind und die kleine Stadt Freudenbad in Eigelb ertränkt haben. In ihrer Not haben die Bewohner Freudenbad abgefackelt und in Rührei umbenannt. Gerstner hatte daraufhin die Idee, Freudenbad aus Gemüse nachzubauen. „Die Stadt haben wir dann mit Ei übergossen und flambiert. War lecker!“, sagt sie.

Auf den Kongressen und an den Stammtischen geht es immer lustig zu. Manchmal liegt das auch am Blubberlutsch, den die Donaldisten selbst zubereiten. Denn auch Donald trinkt gern ein rosafarbenes Getränk, das ihn benommen macht. „Da muss Alkohol drin sein“, vermutet Gerstner, „wenn Donald zu tief in den Blubberlutsch schaut, wird er schwach und beduselt.“ Manche Speise aus Entenhausen ist aber auch Edda Gerstner zu fantasievoll. Das Sandwich mit Rizinusöl, Nasensalbe, Glaubersalz, Lebertran und Hoffmannstropfen hat sie ihren donaldistischen Mitstreitern bisher erspart.

Ihr Traum ist es, eines Tages ein Kochbuch herauszugeben. Wenn es aber so weit ist, soll jeder Donaldist eines zu Weihnachten bekommen. Dann können alle die Rezepte aus Entenhausen nachkochen.

Alle Abenteuer von Donald und Co. erscheinen monatlich im „Lustigen Taschenbuch“ (Egmont Ehapa Media).

Intelligenzbrötchen (für 4 Personen)

Zutaten: Kräutersenf, vier Brötchen, ½ Glas Erdnussbutter, ein „Limburger“ aus dem Allgäu, eine Zwiebel, Tomatenketchup.

Zubereitung: Die Brötchen aufschneiden, die oberen Hälften mit Kräutersenf bestreichen. Die unteren Hälften mit Erdnussbutter bestreichen, dann Scheiben des Backsteinkäs’, dünne Zwiebelscheiben und jeweils einen Schuss Tomatenketchup daraufgeben.

Alkoholfreier Blubberlutsch

Zutaten: Zwei Bio-Zitronen, fünf Beutel Früchtetee (Apfel oder Malve), ein Liter Traubensaft, Zucker, 500 Milliliter Mineralwasser (mit viel Kohlensäure).

Zubereitung: Die Zitronen heiß abspülen, trocken reiben und die Schale sehr dünn abschälen, sodass die weiße Haut noch an der Frucht bleibt. Den Zitronensaft auspressen. Zitronenschale und Teebeutel mit 1 l sprudelnd kochendem Wasser aufbrühen und 15 Minuten ziehen lassen. Die Zitronenschale entfernen. Den Traubensaft dazugießen und mit Zitronensaft und Zucker abschmecken. Sehr gut kühlen und kurz vor dem Servieren mit Mineralwasser auffüllen.

Gerührter Pumpernickel nach Milliardärsart (6–8 Portionen)

Zutaten: 250 g Pumpernickel, 200 g gehobelte oder gehackte Haselnüsse, 40 g Zucker, acht bis zehn El Orangenlikör, 200 g bittere Schokolade, ½ l süße Sahne.

Zubereitung: Pumpernickel zerbröseln. Die Haselnüsse mit dem Pumpernickel und dem Zucker vermischen. Schokolade im Wasserbad schmelzen lassen und mit dem Orangenlikör darunterrühren. Die Sahne steif schlagen, ein Drittel davon unter die Pumpernickel-Mischung rühren, den Rest vorsichtig unterheben. Gut gekühlt servieren.