Berlin

Tierschützer hoffen auf Wildtierverbot im Zirkus

Rot-Rot-Grün im Koalitionsvertrag für artgerechte Haltung. Online-Petition begrüßt pferdekutschenfreie Innenstadt

Der "Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V." begrüßt die vorgesehene Vereinbarung im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag, wonach die Zirkusse nur noch dann auf öffentlichen Grundstücken gastieren dürfen, wenn sie die Tiere artgerecht halten. "Dies ist ein erster wichtiger Schritt", sagte der Leiter der Geschäftsstelle des Vereins in Berlin, Rolf Kohnen. "Wir kämpfen aber darum, dass überhaupt keine Tiere mehr im Zirkus auftreten." Er gehe davon aus, dass artgerechte Haltung ein Wildtierverbot in Zirkussen bedeutet.

Bislang gilt das schon lange geforderte Verbot auf öffentlichen Flächen in Berlin auf Landesebene nicht. In sieben Bezirke dagegen schon. In einem offenen Brief forderte der "Bund gegen Missbrauch der Tiere" nun auch die Fraktionsvorsitzenden in den restlichen fünf Bezirksversammlungen, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Mitte, Neukölln und Reinickendorf, dazu auf.

Auf privaten Flächen können allerdings auch nach der geplanten Neuregelung Zirkusse mit Tigern, Löwen oder Elefanten auftreten. Dagegen wollen die Tierschützer weiter protestieren.

Rot-Rot-Grün will laut Entwurf des Koalitionsvertrags außerdem Tierversuche "auf das absolut notwendige Maß reduzieren". Das Amt des Tierschutzbeauftragten werde hauptamtlich besetzt. Für Diskussionen sorgt, dass die künftige Regierung zudem die bei Touristen beliebten Pferdekutschen aus der Innenstadt verbannen möchte. Auch das geht aus dem Koalitionsvertrag hervor.

Kutscher reagieren entsetzt auf drohendes Verbot

Klaus Winkelmann, Inhaber der "Altdeutschen Pferdetaxe" sagt: "Meine Kollegen vom Pariser Platz und ich hoffen, dass das Verbot nicht kommt. Sonst sind 15 Leute arbeitslos." Er wirft den Tierschützern und jetzt auch den Politikern vor, "dass sich niemand mit uns zusammengesetzt hat". Die Vorwürfe stimmten nicht. "Wir tun alles für unsere Tiere", so Winkelmann. Er setzt nun auf die Hilfe des Pferdesportbundes.

Die Initiatoren der Online-Petition für ein kutschpferdfreies Berlin hingegen jubeln: "Wir haben zusammen den ersten Meilenstein erreicht! Meine und Eure Hoffnung auf ein kutschpferdfreies Berlin könnte tatsächlich schneller wahr werden, als ich mir erträumt hätte", schreibt Julia Maier auf der Plattform. "Ohne euch – den über 77.000 Zeichnern, wäre dies nicht möglich gewesen."

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