Umbau

Das KaDeWe zeigt sein neues Gesicht

Im Kaufhaus an der Tauentzienstraße ist die erste Etappe des Umbaus geschafft. Ein erster Rundgang durch die Räume.

Die neuen Glastüren mit den Griffen aus Teakholz öffnen sich noch etwas schwer, aber der komplett erneuerte Haupteingang des KaDeWe begeistert die Besucher bereits. Er sieht edel, aber nicht protzig aus. In Gold und Silber changierendes Spiegelglas und dezente Lichtbänder lassen das mit mehr als acht Metern ohnehin schon hohe Entree jetzt mindestens doppelt so groß wirken. Künftig soll der Eingang des legendären Luxus-Warenhauses schließlich auch für Überraschungen genutzt werden – von der Decke aus effektvoll in Szene gesetzt.

Die erste Etappe des groß angelegten Umbaus im KaDeWe, der sieben bis acht Jahre dauert, ist geschafft. Die zehn Schaufenster in der Muschelkalksteinfassade an der Tauentzienstraße sind erneuert. Keine kleinen Guckkästen mehr, sondern großzügige Fenster zum Schauen. Sie wurden so wiederhergestellt, wie sie ursprünglich zur Eröffnung des imposanten Warenhauses 1907 aussahen: bodentief und mit 4,50 Metern statt vorher nur 2 Metern mehr als doppelt so hoch, außerdem erhielten die Fenster ihre historischen Rundbögen zurück.

Die Hansekogge mit vollen Segeln als Wahrzeichen

Mehr als 40 Jahre hatte das Kaufhaus seine Hauptfront nur mit der Hälfte der Schaufensterflächen bespielt. Aber Bewährtes ist auch geblieben: Das Wahrzeichen des Hauses, die Hansekogge mit vollen Segeln, prangt weiterhin beiderseits des Eingangs als Emblem, und auch das repräsentative schmiedeeiserne Gitter, das sich jeden Morgen in den Boden senkt und zum Ladenschluss wieder hochfährt, wurde in die Neugestaltung integriert.

Seit vergangenen Freitag ist in den neuen Schaufenstern die Weihnachtsdekoration zu besichtigen. Wichtel in Rot, Grün, Gold und Rosé flitzen in ihrer Schneiderei, Bäckerei oder der Parfümmanufaktur umher und fertigen allerlei nützliche Dinge, sie haben sogar Namen wie Matze und Christel. Die kleinen Männchen sehen modern, fast spacig aus, nicht traditionell verspielt. Handwerker haben die Wichtel speziell für das KaDeWe kreiert und angefertigt, und es gibt sie nicht nur in den Schaufenstern zu bewundern, sondern auch in der Weihnachtswelt in der vierten Etage zu kaufen.

Aber nicht nur außen ist die Handschrift des renommierten Architekten Rem Koolhaas, der dem KaDeWe mit seinem Masterplan peu à peu ein neues Gesicht geben und es bei laufendem Betrieb auf die Höhe der weltweit führenden Departmentstores heben will, bereits zu erkennen. Auch innen gibt es zwei extravagant neu gestaltete Bereiche, die jetzt fertig sind.

Großzügige Umkleideräume mit riesigen Spiegeln

In der zweiten Etage zeigt die Pariser Innenarchitektin India Mahdavi, wie Frauen heute einkaufen möchten. "Women's Fashion" bietet internationale Kollektionen von Marken wie Céline, Balenciaga und Chloé, effektvoll präsentiert in neuem Ambiente: Schon der Steinboden, kombiniert aus strengen Linien und Kurven und flankiert von einem rauchig-roséfarbenen Teppich, auf dem die Messingständer mit der edlen Ware stehen, ist etwas ganz Besonderes. Und die großzügigen Umkleideräume mit riesigen Spiegeln erinnern eher an einen Salon als eine Kabine.

In der ersten Etage hat das Architekturbüro Storage Milano für die Männer das erste rund 2000 Quadratmeter große Viertel des Quadranten neu gestaltet. Warmes, aber gedämpftes Licht, Spots lenken den Blick auf Schuhe und die Accessoires – von der Tasche über die Unterwäsche bis zum Schal, Präsentationsblöcke aus Stein, der Boden aus Holz, Regale aus rauchigem Glas, klare Linien, nichts Verspieltes ist dort in der Männerabteilung zu finden. Die hochwertige alte Messingarchitektur der Türen passt sich zeitlos ein. Neben den bekannten Luxusmarken wie Bottega Veneta, Fendi oder Valentino gibt es auch kleine Manufakturen wie die 1912 gegründete Sutor Mantellassi aus Italien, die mit ihren Schuhen vertreten ist. "Wir werden den größten Männerschuhbereich Europas bieten", kündigt Petra Fladenhofer, Marketing-Direktorin der KaDeWe Group, an.

Rund ein halbes Jahr haben die Arbeiten benötigt. Am kommenden Dienstagabend feiert das KaDeWe die erste Etappe der großen Reise zur Neuausrichtung mit geladenen Gästen. Erwartet werden unter anderem Architekt Rem Koolhaas, Innenarchitektin India Mahdavi, die Schauspieler Alexandra Maria Lara, Lars Eidinger und Sam Riley sowie die Sängerin Lena Meyer-Landrut.

Die 60.000 Quadratmeter große Fläche des Hauses wird in den kommenden Jahren nach und nach in vier Quadranten für unterschiedliche Fashion-Bereiche wie Design, Klassik, sportlich oder experimentell aufgeteilt. Auch die Feinschmeckeretage in der sechsten Etage, ein Must für die meisten Berlin-Touristen, wird geviertelt. Diese Qua­dranten werden jeweils über den Haupteingang, aber auch über eigene Rolltreppen erreichbar sein. Die Etagen werden weiterhin durchlässig sein.

In München und Hamburg wird zeitgleich umgebaut

Die Neuordnung will neben dem Ziel, alles schicker und moderner zu machen, vor allem auch erreichen, dass sich die Besucher in dem großen Haus besser zurechtfinden, denn daran hapert es. Das Dach des KaDeWe wird einem Glasbau weichen, der die gesamte 7. Etage umfasst. Mit Restaurants, Bars und Dachgarten, die auch nach Ladenschluss über separate Fahrstühle erreichbar sein sollen. Weil bei laufendem Betrieb umgebaut wird und der Kunde möglichst wenig gestört werden soll, ist die Umbauzeit lang. Zeitgleich werden auch das Alsterhaus in Hamburg und das Oberpollinger in München umgestaltet. Die KaDeWe Group, in der die drei Premiumhäuser zusammengeschlossen sind, gehört zur italienischen Warenhauskette La Rinascente (50,1 Prozent), die wiederum Teil der thailändischen Central Group ist, sowie zum österreichischen Immobilienunternehmen Signa (49,9 Prozent). Sie wollen die drei Häuser in den nächsten Jahren nach eigener Auskunft als internationale "Best in Class" innerhalb des Luxusmarktes positionieren und einen "hohen dreistelligen Millionenbetrag" investieren.

Im kommenden Jahr beginnt im Berliner KaDeWe der Umbau des zweiten Quadranten in der ersten Etage für die Männer-Designer. Auch dort soll es einen Mix aus internationalen Labels, kleinen Manufakturen und zeitlosen Klassikern geben. Eben so, wie es die Frauen in der zweiten Etage schon vorgemacht haben. Dort geht es dann mit dem Umbau des Premiumbereichs weiter, bei dem Marken wie Strenesse, Burberry oder Armani in die neue Einkaufswelt überführt werden. Die Reise für das neue Gesicht des KaDeWe hat erst begonnen.

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