Wirtschaft

Diese Berliner Meister sind ausgezeichnet

Die Handwerkskammer und die IHK Berlin ehren 655 neue Meisterinnen und Meister. Die Berliner Morgenpost stellt drei von ihnen vor.

Schwindelfrei: Schornsteinfegermeister Florian Nieter

Schwindelfrei: Schornsteinfegermeister Florian Nieter

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Handwerkskammer und IHK Berlin feiern heute Berlins neuen Meister-Jahrgang. An dem Festakt im Hotel „Maritim“ in Tiergarten nehmen rund 1200 Gäste teil. Insgesamt haben in diesem Jahr 655 Meister ihre Meisterprüfung bestanden: 442 Handwerker aus 25 Handwerksberufen sowie 213 Absolventen aus elf Industrie- und Gewerbeberufen werden geehrt. Stellvertretend für ihre Kollegen bekommen die besten Meister eine besondere Auszeichnung. Ein Programmpunkt des feierlichen Aktes ist die Festrede, welche diesmal von Brigitte Zypries, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft und Energie, gehalten wird. Ein anderer Redner ist der Küchenmeister Felix Grieger. Er ist Bester seiner Prüfung in Berlin. Die Berliner Morgenpost stellt ihn und zwei weitere Meister vor.

Anfassen erlaubt: Der Glücksbringer

Wenn Florian Nieter über die Straße geht, wird ihm ein Glück zuteil, das nur sehr wenige Menschen erleben. Vielleicht noch junge Mütter mit ihrem Nachwuchs, höchstens. Nieter schaut fast immer in lächelnde Gesichter. Die Wogen der Sympathie kommen jedoch nicht von ungefähr, die mildgestimmten Wegkreuzer sehen in dem 39-Jährigen einen Heilsbringer. Florian Nieter ist nämlich Schornsteinfeger, ein symbolbehafteter Beruf. Die „schwarzen Männer“ gelten als Glücksbringer. „Ich werde oft gefragt, ob man mal an meinem Knopf drehen darf“, sagt Nieter. Die Glückssymbolik rührt daher, dass Kaminfeger schon früher vor Bränden und den Folgen verstopfter Schornsteine schützten. „Ich glaube, die Klamotte ist einfach ein Hingucker, da bleiben die Leute oft stehen und staunen.“

Das Interesse an diesem Handwerk war praktisch vorprogrammiert, auch sein Vater und sein jüngerer Bruder gehen dem Beruf des Schornsteinfegens nach. „Es war ei­gentlich eine spontane Entscheidung, diesen Job zu machen. Anfangs habe ich mich gar nicht so sehr dafür interessiert, aber die Lust kam dann beim Machen.“ Diese Probierphase durchlief Nieter mit 20. Vorher machte der Berliner Abitur und absolvierte seinen Zivildienst.

Der Berufswunsch kommt oft durch die Familie

Die erste Feuertaufe bestand er auf Anhieb: „Mein Vater hat mich erst einmal auf etwas Hohes gestellt, um zu sehen, ob ich schwindelfrei bin. Das ging wunderbar.“ Dass er einer derjenigen ist, die heute während der Meisterfeier ausgezeichnet werden, hat Nieter überrascht. „Die Auszeichnung freut mich sehr. Man ist ja nicht automatisch gut in dem, was man tut, nur weil die Familie schon in diesem Bereich tätig ist.“ Schornsteinfegen sei trotzdem oft Familiensache, erklärt Nieter. „Die meisten haben durch ihr näheres Umfeld schon Kontakt mit dem Handwerk. Ganz von allein kommen die wenigsten auf diesen Berufswunsch.“

Und auch wenn das klassische Bild eines Schornsteinfegers in vielen Köpfen männlich geprägt ist, gibt es durchaus Frauen in diesem Beruf. „Ich kenne einige Damen, die Schornsteinfeger sind. Natürlich ist der Beruf körperlich auch anstrengend, aber dass wir tagelang auf Dächern unterwegs sind und nur Schornsteine fegen, das ist heutzutage nicht mehr der Fall.“ Nieters Erfolgsgeheimnis lautet Nettigkeit. „Wer bei den Kunden penetrant nett bleibt, der fährt meistens gut damit.“ Die Kunden, mit denen er zu tun hat, trifft er immer wieder, die Termine können sie sich nicht aussuchen. „Das nervt den ein oder anderen, aber wer freundlich bleibt, gewinnt. Niemand schafft es, dauerhaft griesgrämig zu sein.“

Erst Hobbykoch, dann Küchenmeister

Vielen Küchen fehlt laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) der Nachwuchs. Traten 2006 noch 43.000 Kochanfänger die entsprechende Lehre an, sind es mittlerweile nur noch halb so viele. Einer, der auch einmal die dreijährige Ausbildung auf sich genommen hat, ist der 29-jährige Felix Grieger. Da war er 18. „Ich wollte immer etwas Kreatives machen“, erklärt Grieger. „Als ich mit der Schule fertig war, hatte ich ein Beratungsgespräch bei der Arbeitsagentur und die schlugen mir den Beruf des Kochs vor.“ Als passionierter Hobbykoch gefiel ihm die Idee. Im „Park Hotel Berlin Schloss Kaulsdorf“ ging er dann in die Lehre. „Es waren harte Jahre, aber es hat auch sehr viel Spaß gemacht.

Danach ging es für acht Jahre zur Bundeswehr. Dort war er erst einmal als eine Art Kellner im Offiziersheim eingeteilt. Schnell wurde er zum Schichtleiter befördert, dann kam der Entschluss zum freiwilligen Wehrdienst. „Während der Bundeswehrzeit habe ich parallel meinen Meister gemacht.“ Mitte dieses Jahres schloss er die Meisterprüfungen ab. Die bestand aus einem Fünf-Gänge-Menü. „Es war schon sehr viel, was es zu lernen gab“, erinnert er sich. Dabei ging viel Freizeit drauf, doch der Einsatz hat sich gelohnt. So sehr er das Kochen auch liebt, eins missfällt ihm dennoch. „Die späten Arbeitszeiten sind das Härteste an diesem Beruf!“ Wochenenddienste, Schichten bis spät in die Nacht und Arbeiten an Feiertagen gehören zum Berufsleben eines Kochs dazu.

Grieger hätte gerne ein eigenes Restaurant. „Ich würde deutsche Küche anbieten. Modern, aber in jedem Fall regional.“ Wunschstandorte wären Schöneberg oder Mitte. „Das hängt natürlich auch davon ab, in welchem Preissegment man sich bewegen möchte“, erklärt Grieger. „Dort würde ich auch ausbilden. Man will sein Wissen ja an die nächste Generation weitergeben.“ Nächstes Jahr will er eine Weiterbildung zum Diätkoch machen. „Ich will mich noch breiter aufzustellen.“

Elena Nawrocki vereinbart Kinder und Karriere

Elena Nawrocki schaut beim Betreten eines Geschäfts immer auf den Boden. Die gelernte Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerin aus Marzahn lässt sich gern inspirieren. Manchmal wandert ihr Blick auch nach oben, auch Stuckarbeiten interessieren sie. „In Kreuzberg gibt es zum Beispiel eine tolle Moschee, die ich mir immer gerne ansehe. Oder auch die Gärten der Welt. Wunderbar“, schwärmt die 29-Jährige. „Mosaikarbeiten machen mir am meisten Freude!“

Nachdem sie ihr Abitur in Cambridge gemacht und Europäisches Gesundheitswesen in Maastricht studiert hat, überlegte die 29-Jährige, wie es weitergehen sollte. „Das Studium war interessant, aber nur oberflächlich. Vier Stunden am Tag vor dem Computer sitzen, Statistiken ausarbeiten, Vorträge halten, das ist nicht meins.“

Durch Leistungen Respekt erarbeitet

Nach einer kurzen Verzweiflungsphase kam ihr die Idee, einem Handwerk nachzugehen. Bei ihrem Vater, selbst ausgebildeter Fliesenleger, begann sie dann ihre Ausbildung, die sie durch harte Arbeit und das Abitur verkürzen konnte. „25 Kilosäcke und Fliesenpakete tragen, der Beruf verlangt körperlich einiges ab. Es ist definitiv eine Männerdomäne. Ich treffe zwar ab und an auf Frauen in der Branche, aber das ist selten. Durch meine guten Leistungen habe ich mir aber den Respekt erarbeitet.“ Während der Gesellenprüfung war Nawrocki schon schwanger, ein Nachzügler kam dann während der Meisterprüfung.

Nächstes Jahr will sie die Firma ihres Vaters übernehmen. „Mich treibt der Wunsch nach Selbstbestimmung.“ Sie hat sich fest vorgenommen, sich immer Zeit für ihre Kinder zu nehmen. „Mein Vater hat seine Kinder durch die viele Arbeit leider verpasst. Das möchte ich nicht, es muss beides vereinbar sein: Kinder und Beruf.“