Obdachlose

Kältehilfe in Berlin - Andrang bisher größer als sonst

Teils bildeten sich Schlangen vor den Anlaufstellen für Obdachlose. Bereits in der ersten Woche der Kältehilfe ist die Auslastung hoch.

Obdachlose in Berlin

Obdachlose in Berlin

Foto: Rundfunk Berlin-Brandenburg

In der ersten Woche der Kältehilfe in diesem Winter haben Obdachlose das Angebot laut Organisatoren relativ stark nachgefragt. Gleich an den ersten Öffnungstagen waren etwa die Notschlafplätze in den Einrichtungen der Diakonie zu 73 Prozent ausgelastet, gegen Ende der ersten Woche dann zu 81 Prozent, wie Sprecherin Lena Högemann auf Anfrage mitteilte. Der Wohlfahrtsverband stellt nach eigenen Angaben mehr als 60 Prozent der Kältehilfe-Schlafplätze. „Die Kältehilfe läuft erfahrungsgemäß langsam an. Zu Beginn eine Auslastung von über 70 Prozent ist recht hoch“, so Högemann.

Teilweise hätten sich Schlangen vor den Anlaufstellen gebildet, sagte die Sprecherin der Stadtmission, Ortrud Wohlwend. „Es ist ganz anders als in den vergangenen Jahren.“ Sie sprach von einer Überbelegung zum Ende der ersten Woche. Der Kältebus der Stadtmission brachte nach ihren Angaben allein bei den ersten sechs Fahrten knapp 30 Menschen von der Straße in Notunterkünfte. Dort wird oftmals auch eine warme Mahlzeit gereicht.

Bis zu 700 Schlafplätze in Berlin

Die Kältehilfe hat am 1. November begonnen und endet am 31. März 2017. Mehrere Organisationen bieten in diesem Winter bis zu 700 Schlafplätze, um Menschen vor dem Erfrieren zu retten. Der Bedarf wird jedoch größer geschätzt. Neben dauerhaft auf der Straße lebenden Menschen kommen nach Erfahrung der Kältehilfe vermehrt auch Niedriglohnkräfte aus dem EU-Ausland in die Einrichtungen. Im Vorjahr bot die Kältehilfe mehr Plätze an, diesmal fehlten Immobilien.

In Berlin haben Tausende Menschen keine Wohnung. Die genaue Zahl ist unbekannt - geschätzt wird sie je nach Quelle und Definition auf 3000 bis 10.000. Experten gehen von zunehmender Obdach- und Wohnungslosigkeit in Berlin aus.

Seit einer Woche öffnen auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) traditionell wieder U-Bahnhöfe in der Nacht - als Notnagel für Schutz- und Wärmesuchende. In diesem Jahr sind das die Bahnhöfe Südstern (U7) in Kreuzberg und Schillingstraße (U5) nahe dem Alexanderplatz.