Sportvereine

Mehr Schutz für Berliner Sportvereine vor Beschwerden

Berliner Sportvereine sollen vor Anwohnerbeschwerden besser geschützt werden. Minister der Bundesländer sind sich einig.

Foto: Caro / Sorge

Berlins Sportvereine sollen besser vor Anwohnerbeschwerden geschützt werden. Die Sportminister aller Bundesländer forderten am Freitag in einem einstimmigen Beschluss eine Reform der Lärmrichtwerte rund um Sportanlagen. Zu Randzeiten und an Sonntagen soll den Vereinen ein höherer Geräuschpegel zugestanden werden.

Bislang erlaubt der Lärmschutz zwischen 20 und 22 Uhr nur einen Geräuschpegel von bis zu 50 Dezibel, künftig soll er wie zu anderen Tageszeiten auf 55 Dezibel angehoben werden. „Das hört sich wenig an, jedes Dezibel mehr hilft den Vereinen aber sehr, weil der Lärm exponentiell gemessen wird“, sagt David Kozlowski, Stabsstellenleiter für Sportinfrastruktur beim Landessportbund Berlin (LSB). Auf Sportanlagen, die bis zum Jahr 1991 entstanden sind, sollen zudem weitere fünf Dezibel mehr erlaubt sein.

„Ich begrüße den Beschluss“, sagt Berlins scheidender Sportsenator Frank Henkel (CDU). „Berlin wächst und mit der zunehmenden baulichen Verdichtung sind auch verstärkt Konflikte zwischen Anwohnern und Sporttreibenden zu erwarten. Hier besteht dringender gesetzlicher Handlungsbedarf.“

Streit zwischen den Anwohnern und Vereinen

In den vergangenen Jahren ist es wegen des Sportbetriebs immer wieder zu Streit zwischen Anwohnern und Sportvereinen gekommen. Nach Angaben des LSB liegen derzeit rund 50 Beschwerden von Anwohnern vor. Kommt es zu juristischen Auseinandersetzungen, müssen die Vereine den Betrieb in der Regel einschränken. Da gleichzeitig immer mehr Schulen in den Ganztagsbetrieb wechseln, fällt es den Vereinen immer schwerer, ihr Angebot aufrechtzuerhalten.

Vor allem Sportplätze, die direkt in Wohngebieten liegen, sind betroffen. So hat der Sportplatz an der Körtestraße in Kreuzberg seit Jahren mit Beschwerden von Anwohnern zu kämpfen. Auf dem Platz trainieren die Jugendmannschaften der Berliner Amateure. „Unsere Kinder und Jugendlichen sitzen auf einem Pulverfass“, sagt der Jugendleiter des Vereins, Herbert Komnik.

Nach einer Anwohnerbeschwerde muss der Verein bereits das Flutlicht um 21 Uhr ausschalten und das Training beenden, um Anwohner nicht zu belästigen. Am Sonntag muss bereits um 15 Uhr Schluss sein. Für Komnik ist das unverständlich. „Zum Sport gehört Lärm. Und wenn ich an einen Sportplatz ziehe, muss ich damit rechnen, dass da nicht nur Schach gespielt wird“, sagt er.

Auf Bolzplätzen ist Kinderlärm erlaubt

An der Körtestraße wird das Problem des Lärmschutzes besonders deutlich. Direkt neben dem Sportplatz befindet sich ein Bolzplatz. Während die Kinder, die darauf spielen, durch das sogenannte Kinderlärm-Privileg geschützt sind, gilt diese Regelung für Sportanlagen nicht. Der Landessportbund fordert daher seit Jahren, das Privileg auch für den Vereinssport anzuwenden – bislang jedoch ohne Erfolg.

Aber auch an weniger dicht besiedelten Sportanlagen gibt es Schwierigkeiten. So kann auf der Sportanlage der Sportfreunde Kladow in Spandau der Trainingsbetrieb wegen Anwohnerbeschwerden wochentags nur bis 20.30 Uhr aufrechterhalten werden. Dem SC Staaken steht sonntags nur einer von zwei Kunstrasenplätzen zur Verfügung. Zudem gilt für Fans, dass sie sich auf der Südseite des Platzes aufzuhalten haben.

Lärmschutz stellt Sportbetrieb in Frage

„Durch den sportfeindlichen Lärmschutz wird der Sportbetrieb infrage gestellt“, kritisiert LSB-Fachmann Kozlowski. Auch die Sportminister der 16 Bundesländer fordern nun von der Bundesregierung, „dass Kinderlärm beim Sport nicht mehr nach dem Immissionsschutzrecht beurteilt wird, sondern wie die von Kitas und Spielplätzen ausgehenden Geräusche spielender Kinder“, hieß es in einer Mitteilung der Sportministerkonferenz vom Freitag.

Wann der Lärmschutz für Sportanlagen gelockert wird, ist allerdings noch offen. Die Bundesregierung will dazu die Baurechtsnovelle ändern, doch die Reform ist wegen anderer offener Fragen verschoben worden.