Berlin

Dreieinhalb Jahre Haft nach Angriff auf Ehefrau

Ein 66 Jahre alter Mann aus Wedding, der im März seine Ehefrau mit einem Messer attackierte, ist am Mittwoch von einem Moabiter Schwurgericht wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Es handelt sich um eine tragische Familiengeschichte, heißt es in der Urteilsbegründung von Richter Bernd Miczajka. Der Angeklagte und seine Frau sind seit 35 Jahren verheiratet. Der Weddinger war zuvor noch nie mit den Gesetzen in Konflikt geraten. Im Frühjahr 2014 jedoch wurde ihm von seiner Firma gekündigt. Er war dort für das Aufstellen von Altkleidercontainern zuständig. Wenig später stellten Ärzte bei ihm eine Krebserkrankung fest.

Die elf Jahre jüngere Ehefrau habe sich anfangs rührend um ihren Mann gekümmert. Er soll aber sehr auf seine Krankheit konzentriert gewesen sein und sich wenig dankbar gezeigt haben. In der Konsequenz, so Richter Miczajka, habe sich die Frau von ihm zurückgezogen und sei ihrer eigenen Wege gegangen. Es spreche auch vieles dafür, dass sie einen Liebhaber hatte. Zu Hause habe sie wegen ihrer Unzufriedenheit ständig Streit gesucht und dem Angeklagten auch mehrfach vorgehalten, dass er kein richtiger Mann mehr sei.

Am 14. März dieses Jahres kam es erneut zu einer Auseinandersetzung, bei der die Frau auch über die beiden erwachsenen Töchter herzog. Als sie in den Flur lief, verfolgte der Anklagte sie und stach ihr mit einem Küchenmesser in den Rücken. „Er hat sie zum Schweigen bringen wollen“, sagte Richter Miczajka. Nachbarn hörten den Streit und die Schreie des Opfers. Nachdem es der Frau gelang, die Wohnungstür aufzuklinken, betrat eine Nachbarin die Wohnung und riss dem Angeklagten das Messer weg. Andere Nachbarn riefen die Polizei.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Mann wegen versuchten Mordes aus Heimtücke angeklagt. Die Kammer ging aber davon aus, dass er die Wehrlosigkeit der rücklings zu ihm stehenden Frau in seiner Wut nicht realisierte. Das Paar lebt jetzt in Scheidung.