Neues Einsatzkonzept

Mit Hunden für mehr Sicherheit in der Berliner S-Bahn

Die Berliner S-Bahn will ihre Fahrgäste besser schützen und erprobt neue Einsatzkonzepte. Auch mehr Hundestreifen sollen kommen.

Hunddstaffeln soll bei der S-Bahn für mehr Sicherheit sorgen

Hunddstaffeln soll bei der S-Bahn für mehr Sicherheit sorgen

Foto: Reto Klar

Wenn Falko W. über den Bahnsteig läuft, bekommt er viel Aufmerksamkeit von den dort Wartenden. Nicht nur wegen seiner knallgelben Warnweste, die er trägt, sondern vor allem wegen Anja, die er an der Leine führt. Die Rottweilerhündin tänzelt neben W. mit wachem Blick hin und her. Und sollte ihr jemand zu nahe kommen, schallt unüberhörbar ihr lautes Bellen durch die Bahnhofshalle. „Die weiß sich Respekt zu verschaffen“, sagt Teamleiter Mario S. von der Bahntochter DB Sicherheit. Der gemeinsame Auftrag von Hund und Mensch: Das Sicherheitsgefühl der Reisenden vor allem auf den Innenstadtbahnhöfen der Berliner S-Bahn zu verbessern.

Um dieses Gefühl ist es – nicht zuletzt nach den jüngsten Medienberichten über das in Berlin ausufernde Treiben organisierter Taschendiebe – schon seit Längerem nicht allzu gut bestellt. Immer wieder sorgen auch Meldungen über Randale und Prügeleien speziell abends und nachts unter den Reisenden für Angst. Nicht wenige verzichten inzwischen zu später Stunde lieber auf die Nutzung von Bus und Bahn. Bei allen Fahrgastumfragen bekommt die Sicherheit an Bahnhöfen in der Regel die schlechteste Bewertung.

Einsatzgruppe Nachtverkehr bis sechs Uhr unterwegs

Die S-Bahn Berlin will da gegensteuern. Wie S-Bahnchef Peter Buchner jetzt ankündigte, wird die Bahntochter dazu massiv aufrüsten, sowohl bei der Technik als auch beim Personal. So hat die Bahntochter erst im Oktober zwei spezielle Einsatzgruppen formiert. Sie sollen die Tätigkeit der 50 bis 74 Sicherheitskräfte, die pro Schicht in den Zügen und auf den Stationen neben den Kräften der Bundespolizei im Einsatz sind, auf besondere Weise verstärken. So kümmert sich etwa die aus je vier Sicherheitskräften pro Schicht bestehende „Einsatzgruppe Hausrecht“ vor allem tagsüber um diejenigen, die die Fahrgäste eher belästigen als bedrohen. Dazu gehören zum Beispiel die berüchtigten Musikertrupps mit rollenden Verstärkeranlagen. Einziges Mittel gegen diese Form des organisierten Bettelns ist das Erteilen eines Hausverbots.

Die „Einsatzgruppe Nachtverkehr“ wiederum ist zwischen 20 Uhr abends und sechs Uhr morgens auf Linien unterwegs, auf denen immer wieder alkoholisierte Jugendgruppen zu Gewaltausbrüchen neigen. „Da sind sechs Sicherheitskräfte gemeinsam unterwegs, weil eine Zwei-Mann-Streife bei den häufig zahlenmäßig großen Gruppen rasch überfordert ist“, so Jörk Pruss vom Stab Bahnsicherheit. Die Gruppe wird „lageabhängig“ eingesetzt: Also etwa nach einem Hertha-Spiel auf der westlichen Stadtbahn, am späten Abend dann vor allem auf Linien in der Nähe von Großdiskotheken.

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Rund 110.000 Euro lässt sich die S-Bahn den bis Dezember befristeten Einsatz der beiden Einsatzgruppen zusätzlich kosten. Dazu kommen weitere 65.000 Euro, mit denen ein Mitarbeiter der Berliner Stadtmission bezahlt werden soll. Dieser soll sich um die größer werdende Zahl von Obdachlosen kümmern, die gerade im Winter die Züge und Bahnhöfe als Ort wählen, um sich vor Kälte und Schnee zu schützen. Nicht alle Fahrgäste haben Verständnis, es gibt immer wieder Beschwerden über „übelriechende“ Mitreisende und aufdringliches Betteln. Auch in diesen Fällen kann die S-Bahn weder von der Polizei noch von Ärzten Hilfe erwarten. „Die Stadtmission hat in den letzten Jahren gute Erfahrungen mit mobilen Einzelfallbetreuern gemacht, die sich intensiv persönlich um diese Menschen kümmern“, so Buchner. Seines Wissens sei die S-Bahn das erste Nahverkehrsunternehmen, das diese spezielle Betreuung leistet. „Bis Jahresende wollen wir Erfahrungen sammeln und dann gemeinsam mit dem Verkehrsverbund entscheiden, welche Wege wir weiter gehen“, sagt der S-Bahnchef.

Schon jetzt ist klar, dass die S-Bahn künftig mehr als die aktuell zwei Hundestreifen einsetzen will. Von mindestens sechs pro Tag ist die Rede. Allerdings fehlt dafür das Angebot. „Der Markt bei ausgebildeten Schutzhunden ist derzeit wie leer gefegt“, so Sicherheitschef Pruss. Die von der Bahn eingesetzten Hunde brauchen zudem eine spezielle Ausbildung für den Nahverkehr. Von der Effektivität der Hunde ist Mario S. überzeugt. „Bisher hat es in schwierigen Situationen gereicht, dem Hund den Maulkorb abzunehmen“, sagte der Teamleiter. Dies ist die erste sogenannte Eskalationsstufe. Zubeißen dürfen die Hunde nur in Notwehrsituationen – im Falle eines Angriffs auf den Sicherheitsmitarbeiter der Bahn.