Qualifizierung

Flüchtlinge werden Auszubildende in Industriebetrieben

Beim Programm „ME-Starter“ werden Flüchtlinge in Berlin in Metall- und Elektroberufen ausgebildet. Die Erfolgsquote ist beeindruckend.

Tornado-Geschäftsführer Norbert Mensing mit  Azubi Alaa Ismail

Tornado-Geschäftsführer Norbert Mensing mit Azubi Alaa Ismail

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin.  Alaa Ismail ist sehr zufrieden. Vor knapp zwei Jahren floh er als 16-Jähriger aus dem Libanon nach Deutschland, ohne seine Eltern, ohne Geschwister. Seit September hat er nun einen Ausbildungsplatz. Bei der Tornado Antriebstechnik GmbH in Reinickendorf wird er zum Zerspanungsmechaniker ausgebildet. Geschafft hat er das durch „ME-Starter“, ein Programm des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie in Berlin-Brandenburg.

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Das Programm wurde im Frühjahr aufgelegt und ermöglichte zunächst 25 Flüchtlingen, an einer Einstiegsqualifizierung teilzunehmen. Während sechs- oder zwölfmonatiger Praktika lernen die Geflüchteten die wichtigsten Aufgabenfelder in Metall- und Elektroberufen sowie den Alltag in einem Betrieb kennen. Sechs Unternehmen beteiligen sich bislang an „ME-Starter“, darunter ABB, Siemens und Mercedes in Ludwigsfelde. Der Erfolg ist beeindruckend. 23 Teilnehmer haben ihre Einstiegsqualifizierung erfolgreich abgeschlossen, zwei beendeten sie vorzeitig, um ein Studium zu beginnen. 18 haben bereits einen betrieblichen Ausbildungsplatz. „Das ist gigantisch“, sagte Tornado-Geschäftsführer Norbert Mensing am Dienstag. Mit deutschen Jugendlichen, die an einer solchen Qualifizierung teilnehmen, haben er und seine Branchenkollegen andere, oft leidvolle Erfahrungen gemacht.

Alaa Ismail absolvierte sein Praktikum bei Tornado und machte seine Sache gut. Nun lernt er in einer dreieinhalbjährigen Ausbildung, wie man Präzisionsbauteile richtig fräst, bohrt, dreht und feilt, welche Eigenschaften die unterschiedlichen Werkstoffe haben und wie man die anspruchsvollen Maschinen programmiert. Das 1897 gegründete Unternehmen produziert Getriebe und Getriebemotoren, ist Weltmarktführer für die Antriebe von Treppenliften. Von den 100 Mitarbeitern sind zehn Azubis. Alaa Ismail ist darunter der erste Flüchtling, aber mutmaßlich nicht der letzte. „Wir brauchen Fachkräfte“, sagt Mensing. „ME-Starter“ ist auf 100 junge Menschen ausgelegt, der Verband beteiligt sich an deren Vergütung.