Verkehr

Rechte und linke Demos in Berlin - Polizei im Großeinsatz

Mehrere Demonstrationen finden in der Berliner Innenstadt statt. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Am Hauptbahnhof protestierten rund 800 Menschen gegen eine rechte Demonstration. Etwa 600 Rechtsextreme hatten sich dort versammelt. Es war die vierte Auflage des Aufmarsches unter dem Motto "Merkel muss weg."

Beschreibung anzeigen

Linke Gruppen demonstrieren am Sonnabend in Berlin erneut gegen einen Aufmarsch von Rechtspopulisten. Das „Berliner Bündnis gegen Rechts“ und die Initiative „Berlin Nazifrei“ versammelte sich zu Proteste am Hauptbahnhof, dem Treffpunkt der Rechtspopulisten.

Diese wollten unter dem Motto „Merkel muss weg“ um 15 Uhr starten und durch die Innenstadt laufen. Um 16 Uhr hatte sich der Zug jedoch noch immer nicht in Bewegung gesetzt. Erst nach der Auftaktkundgebung marschierten die nach Polizeiangaben etwa 600 Demonstranten gegen 16.30 Uhr los. Sie zogen am Regierungsviertel vorbei über die Reinhardtstraße, Torstraße und Rosenthaler Straße zum Alexanderplatz.

Vor der Kreuzung Friedrichstraße /Oranienburger Straße stockte der Aufzug der Rechten, da etwa 200 Linke die Kreuzung durch eine Spontankundgebung blockierten. Die Einsatzleitung der Polizei verhandelte mit den Verantwortlichen der Spontankundgebung.

Trotz dreimaliger Aufforderung zur Räumung blockierten die Linken weiterhin die Kreuzung Friedrichstraße /Oranienburger Straße. Nach Angaben von Polizeisprecher Winfried Wenzel versuchten die Einsatzkräfte, die Blockierer „mit sanfter Gewalt“ einige Meter zurückzudrängen, damit die rechte Demo in die Oranienburger Straße einbiegen kann. Gegen 18.30 Uhr hatte die Polizei die Kreuzung freigeräumt. Einzelne Blockierer wehrten sich dabei heftig und mussten in Gewahrsam genommen werden. Weitere Blockadeversuche unterband die Polizei sofort. Nach wenigen Minuten stand der Aufzug der Rechten aber wieder. Offenbar herrschte Unklarheit über die Route. Bis kurz vor 20 Uhr hatten die Rechten die Rosenthaler Straße erreicht und wenig später den Endpunkt am Alexanderplatz erreicht.

Autofahrer mussten am Sonntag zahlreiche Verkehrbehinderungen in Kauf nehmen. In Mitte warenmehrere Bus- und Straßenbahnlinien unterbrochen. Betroffen war auch der Flughafen-Bus TXL.

Gegendemonstranten in der Mehrzahl

Am Hauptbahnhof hatten sich nach Polizeiangaben gegen 15.30 Uhr etwa 300 Teilnehmer der „Merkel muss weg“-Demo eingefunden. Ihre zahl erhöhte sich bis 16.30 Uhr auf etwa 600. Unter ihnen war auch der Berliner NPD-Chef Sebastian Schmidtke. Nach einem starken Zustrom von Gegendemonstranten erhöhte sich deren Zahl laut Polizeisprecher Winfried Wenzel auf 800. Am Rande des Hauptbahnhofs erschallten „Nazis raus!“-Sprechchöre, während die Rechten mit Juliane Werdings "Am Tag, als Conni Kramer starb" beschallt wurden. Um 15.30 Uhr stiegen Hunderte Luftballons in den Himmel. Das Motto: „Hoch hinaus - Für ein Berlin gegen Nazis“.

Die Polizei ging auf Nummer sicher. Rechte und Linke Demonstranten wurden von den Beamten und durch Absperrgitter konsequent getrennt. Polizisten kontrolliertenTaschen und Rucksäcke von ankommenden Teilnehmern. Die Berliner Polizei erhielt dabei Unterstützung durch Beamte der Bundespolizei.

Die Demonstration ist die vierte große Veranstaltung dieser Art in Berlin. Die Zahl der rechten Demonstranten hat sich in der Vergangenheit von Aufzug zu Aufzug immer weiter verringert. Für heute waren 500 Teilnehmer angemeldet, in Spitzenzeiten waren es 3000.

Gegenkundgebung zum "Compact"-Kongress

Von 14 bis 19 Uhr fand im Halong-Hotel an der Leipziger Straße in Mitte ein Kongress rechter Gruppierungen statt, an dem Pegida-Gründer Lutz Bachmann und der AFD-Politiker André Poggenburg teilnahmen. Auch dort hatten linke Gruppen zu einer Gegenkundgebung im Umfeld des Hotels aufgerufen. Um 13.30 Uhr fanden sich dort etwa 70 Gegendemonstranten ein.

Eine weitere rechte Demo fand in der City West statt. Am Bahnhof Zoo fanden sich nach Polizeiangaben gegen 15 Uhr 60 Personen aus dem rechten Lager unter dem Motto „Frei, sozial und selbstbewusst“ ein. Die Teilnehmer zogen vom Hardenbergplatz einmal über den Kudamm und zurück zum Startplatz. Gleichzeitig gab es eine spontane Gegenkundgebung mit etwa 35 Teilnehmern. Im Bereich Kudamm und Budapester Straße gab es infolge des Demozugs massive Verkehrsbehinderungen.