Architekturwettbewerb

Das Besucherzentrum des Bundestags macht sich schick

Der Wettbewerb für das neue Besucherzentrum des Bundestags ist entschieden. Es gibt zwei Gewinner, darunter einen Berliner Entwurf.

Der Entwurf vom Berliner Büro Markus Bonauer, Michael Bölling und rw+ Gesellschaft von Architekten mbH zusammen mit capattistaubach Landschaftsarchitekten

Der Entwurf vom Berliner Büro Markus Bonauer, Michael Bölling und rw+ Gesellschaft von Architekten mbH zusammen mit capattistaubach Landschaftsarchitekten

Foto: Markus Bonauer_ Michael Bölling_rw+ Gesellschaft von Architekten mbH mit capattistaubach Landschaftsarchitekten

Wer in die Reichstagskuppel will, muss sich in die langen Warteschlangen vor den weißen Containern auf dem Platz der Republik einreihen. Das unschöne Provisorium fungiert seit Jahren als Sicherheitskontrollgebäude für den Deutschen Bundestag. Doch damit soll nun bald Schluss sein, denn die erste Hürde zum Neubau eines Besucher- und Informationszentrums (BIZ), für dessen Bau 150 Millionen Euro als Obergrenze bewilligt wurden, ist genommen.

Am Freitag gab die Wettbewerbsjury bekannt, dass unter den eingereichten 187 Arbeiten im internationalen Architekturwettbewerb gleich zwei Siegerentwürfe gekürt wurden. Der erste stammt von Markus Schietsch Architekten GmbH (Zürich) mit Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur & Städtebau GmbH. Der zweite vom Berliner Büro Markus Bonauer, Michael Bölling und rw+ Gesellschaft von Architekten mbH zusammen mit capattistaubach Landschaftsarchitekten. Ausgelobt hatten den Wettbewerb das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) in enger Abstimmung mit dem Deutschen Bundestag, dem Bundesbauministerium und dem Land Berlin.

Anlass für den Wettbewerb war der im November 2015 gefasste Beschluss des Ältestenrates des Deutschen Bundestages, ein Besucherzentrum südlich der Scheidemannstraße im Tiergarten zu errichten. Der Neubau soll auf einer Fläche von rund 6600 Quadratmetern Angebote zur Information sowie Gastronomie bereithalten und gleichzeitig die Sicherheitskontrolle für die derzeit jährlich rund 2,4 Millionen Besucher des Bundestages beherbergen.

Besuchertunnel direkt zum Reichstagsgebäude

Damit die Besucher nicht zweimal anstehen und kontrolliert werden müssen, wird es vom oberirdischen Empfangsgebäude einen Besuchertunnel geben, der das Gebäude direkt mit dem Reichstagsgebäude verbindet. Der Tunnel war genauso eine Wettbewerbsvorgabe wie der Erhalt der wichtigen denkmalgeschützten Alleen im Tiergarten und der Abstand zum sowjetischen Ehrenmal.

Angesichts der engen Vorgaben verwundert es nicht, dass sich die beiden Entwürfe sehr ähnlich sehen: Beide schaffen einen gläsernen Pavillon, dessen Dach von schlanken weiße Säulen getragen wird. Trotzdem lobte das Preisgericht beim Züricher Entwurf von Markus Schietsch Architekten vor allem die Außenhülle. „Mit seinem Vorplatz an der Scheidemannstraße schafft der Entwurf eine selbstverständliche großzügige Eingangssituation für die Besucher“, heißt es im Begründungstext. Das Preisgericht überzeugte der Entwurf mit seiner städtebaulichen Konzeption und klaren architektonischen Anmutung.

Der weitere erste Preis der Berliner Markus Bonauer, Michael Bölling und rw+ Architekten zusammen mit capattistaubach Landschaftsarchitekten überzeugte das Preisgericht dagegen mehr durch die schlüssige Besucherführung im Innern.

„Mit dem Foyer an der Ostseite entwickelt sich das lebendige Zentrum des Gebäudes als geschossübergreifendes Raumkontinuum“, schreibt die Jury. Nach welchem der beiden Siegerentwürfe das neue Besucherzentrum nun tatsächlich gebaut wird, ist allerdings noch offen. Die Jury hat beiden Teams die weitere Überarbeitung ihrer Entwürfe angetragen – und will danach entscheiden, welcher realisiert wird.

Alle Wettbewerbsarbeiten werden ab 29. November, 17 Uhr im Foyer des BBR, Straße des 17. Juni 112, 10623 Berlin, eröffnet und ist bis 14. Dezember, Mo.–Fr. von 9 bis 18 Uhr zu sehen.