Nachwuchs im Tierpark

Eisbären-Babys im Tierparks sind wohlauf

Eisbären-Mutter Tonja hat Zwillinge geboren. Noch sind sie taub, blind und groß wie Meerschweinchen. Jetzt geht es ums nackte Überleben.

Im Berliner Tierpark wurden zwei Eisbären-Babys geboren

Im Berliner Tierpark wurden zwei Eisbären-Babys geboren

Foto: bm

Die kleinen Eisbären haben es spannend gemacht: Seit zwei Wochen führte der erste Gang der Tierpfleger im Berliner Tierpark zum Eisbärenrevier. Jeden Morgen derselbe prüfende Blick auf den installierten Überwachungsmonitor und die Frage, wann ist es soweit? Am Donnerstag kam dann eine besondere Überraschung: Neben Mutter Tonja lagen zwei meerschweinchengroße Jungtiere.

Nach 22 Jahren gibt es damit erstmals wieder Eisbären-Nachwuchs im Tierpark in Friedrichsfelde. Eltern der Zwillinge sind die sechsjährige Tonja und der vierjährige Wolodja. Die Pfleger hoffen, dass die Babys überleben. Denn die Sterblichkeit bei neugeborenen Eisbären liege bei rund 50 Prozent. „In den ersten zehn Tagen ist die Sterblichkeit besonders hoch“, erklärte Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem am Freitag. Hinzu komme, dass Mutter Tonja als Erstgebärende noch unerfahren sei. Sie bleibe aber ganz nah an ihren Kindern und halte sie dicht an ihrem wärmenden Körper. „Es gilt also, die nächsten 14 Tage ganz fest die Daumen zu drücken“, so der Direktor.

Noch ist nicht klar, ob es sich bei dem Nachwuchs um Männchen, Weibchen oder ein gemischtes Pärchen handelt. Die Pfleger dürfen sich noch nicht der Wurfbox nähern. „Tonja braucht jetzt absolute Ruhe“, sagte Christiane Reiss, Sprecherin von Zoo und Tierpark. Sie bekomme auch in der nächsten Zeit nichts zu fressen, nur ein Wassernapf stehe in ihrem Gehege. „Aber dafür hat sie sich 150 Kilogramm an Fettreserven angefressen, um über diese Phase zu kommen“, sagte Christiane Reiss.

Nur Wolodja ist aktuell auf der Außenanlage im Tierpark für die Besucher zu sehen ist. Für einen Blick auf die junge Familie müssen sie sich noch einige Monate gedulden. Wie auch in der Natur, verlassen die Mütter mit ihren Jungtieren erst im Frühjahr die Wurfhöhle. Über die doppelte Eisbären-Überraschung freut sich besonders der zuständige Kurator Florian Sicks. „Bislang stimmen uns alle Zeichen sehr optimistisch. Tonja bleibt immer ganz nah an den Jungtieren und hält sie dicht an ihrem wärmenden Körper“, sagte Sicks. Diese Geburt sei auch eine wichtige Bestätigung für die Arbeit der Tierpfleger. Ihr Umgang mit den Tieren sei so gut, dass sie ihnen völlig vertrauten.

Tonja fühlt sich in der Wurfhöhle wohl und sicher

„Schon die erfolgreiche Aufzucht eines Jungtiers wäre fantastisch“, sagte Kurator Sicks. Auch wenn die Eisbärenzwillinge die kritische Phase noch nicht überwunden haben, ist die Begeisterung über den Nachwuchs bei den Tierpark-Mitarbeitern riesig. Die Geburt allein ist für sie eine großartige Nachricht. Tierpfleger, Tierärzte und Kuratoren wissen nun, dass beide Eisbären fruchtbar sind, Tonja über gute Mutterinstinkte verfügt und sich in der Wurfhöhle wohl und sicher fühlt.

Auch am Sonnabend waren die Kleinen wohlauf. „Den Bärchen geht es gut“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Sie seien immer noch mobil, und Eisbärenmutter Tonja kümmere sich gut um sie. „Sie macht es intuitiv ganz richtig und hält sie ganz dicht bei sich“, erzählte die Sprecherin. Die Zwillinge wurden am Donnerstag geboren. Tonja ist zum ersten Mal Mutter geworden. Die Sterblichkeit bei neugeborenen Eisbären liegt nach Angeben des Tierparks bei rund 50 Prozent. Insbesondere die ersten zehn Tage gelten als kritisch. Für den Tierpark im Osten der Stadt ist es der erste Eisbären-Nachwuchs nach 22 Jahren.

Die Geburt von Eisbären in Zoos sei sehr selten, sagte Sprecherin Reiss. Im Tierpark wurden in der Vergangenheit insgesamt sieben Jungtiere von drei unterschiedlichen Müttern geboren. Bis auf eine Handaufzucht wurden alle anderen von ihren Eisbärenmüttern aufgezogen. Im Zoo gab es bislang nur zwei Eisbärengeburten. Fast schon legendär wurde Knut, der 2006 im Zoo geboren wurde. Weil der kleine Eisbär von seiner Mutter verstoßen wurde, musste er von Hand aufgezogen werden.

Pfleger Thomas Dörflein und sein Schützling Knut wurden schnell ein unzertrennliches Gespann. Zuschauer konnten sie beim Spielen und Füttern erleben. Knut zog Jahr für Jahr Millionen Besucher nach Berlin und in den Zoo. Das tapsige Jungtier, das sich zu einem prächtigen Bären entwickelte, war der Publikumsliebling. Doch 2011 starb Knut überraschend. Er stürzte in einen Wassergraben und ertrank. Der Eisbär litt an einer Gehirnentzündung. Knut ist bis heute unvergessen. Im Zoo erinnert eine Denkmal an den Bären. Seit 2014 ist der präparierte Eisbär im Museum für Naturkunde in Mitte ausgestellt. Berlin hofft jetzt auf zwei neue Publikumslieblinge.