Verkehr in Kreuzberg

Bergmannstraße - Zwei von drei Parkplätzen sollen weg

Senat und und Bezirk stellen konkrete Pläne für eine Begegnungszone vor. Die Testphase soll im Frühsommer 2017 starten.

Straßencafés an der Bergmannstraße

Straßencafés an der Bergmannstraße

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening Berlin / picture alliance / Arco Images

Es ist ein enormer Aufwand, der da für einen halben Kilometer Straße betrieben wird. Seit einem Jahr diskutieren Senat und Bezirk, Anwohner, Initiativen und Verbände, wie man die verkehrsgeplagte, permanent überlaufene Bergmannstraße in Form einer Begegnungszone entschleunigen könnte. Am Donnerstagabend wurden in der Columbiahalle konkrete Ergebnisse vorgestellt. Und so viel vorweg: Einen Fußballplatz, wie von Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Bürgerdialogs vorgeschlagen, wird es auf der Bergmannstraße wohl nicht geben.

Stattdessen sollen vor allem Parkplätze gestrichen werden. Nur noch 35 statt wie zuvor 110 sind vorgesehen. Dieser Punkt sei die „größte Kontroverse“ gewesen, sagte Eckhart Heinrichs vom beauftragten Planungsbüro LK Argus. Bei den Vorschlägen der Bürger sei hier so ziemlich alles dabei gewesen, von „gar keine bis mehr Parkplätze“. Die Gewerbetreibenden etwa hatten gefordert, ihre Zahl auf lediglich 90 zu reduzieren.

Tatsächlich sind Stellflächen für Pkw beim Prinzip Begegnungszone überhaupt nicht vorgesehen. Dass sie nun nicht ganz abgeschafft werden, steht für das bewusst betonte Miteinander aller Verkehrsteilnehmer. Und wohl auch, weil das Fehlen von Parkplätzen in Berlins erster Begegnungszone in der Schöneberger Maaßenstraße ein großer Kritikpunkt war.

Dennoch sollen Fußgänger Priorität haben, der Autoverkehr muss reduziert werden, lautete eine der Hauptforderungen. Bei ihren Untersuchungen ermittelten die Planer, dass die Bergmannstraße täglich von circa 6500 Autos, 6000 Radfahrern und 9000 Fußgängern genutzt wird. Vorteil Fußgänger also. „Es geht darum, den Straßenraum gerecht aufzuteilen“, sagte der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Hans Panhoff (Grüne). Zudem will der Bezirk im Bergmannkiez Parkraumbewirtschaftung einführen, was erfahrungsgemäß Autos von außerhalb fernhält.

Anstelle der Parkplätze sollen nach Vorbild San Franciscos sogenannte Module für Passanten entstehen: Zwölf mal drei Meter große Gebilde aus Holz, die als Sitzfläche genutzt werden können, gerne auch umrankt von Grünpflanzen. Sie sind „reversibel“, könnten also bei Scheitern der 18-monatigen Testphase leicht wieder abgebaut werden. Aus diesem Grund gibt es auch keine baulichen Veränderungen, etwa eine Verbreiterung des Bürgersteigs. Dies sei erst nach einer erfolgreichen Testphase denkbar, so Heinrichs. Auch dann solle die Fahrbahn aber immer noch so breit sein, dass sich zwei Lkw passieren können.

Dass die Umgestaltung nicht unendlich ist, beschwichtigt auch die Misstrauischen unter den Anwohnern. „Wir haben hier schon viel erlebt“, sagt Michael Becker, der Vertreter der Gewerbetreibenden. „Planer planen heute hier und morgen sind sie schon wieder woanders.“ Bei anderen Anwohnern überwog die Sorge, dass es in ihrem Kiez am Ende so aussehen könnte wie in der Maaßenstraße. Dort sollen übrigens die viel gescholtenen Metallbänke dem Vernehmen nach durch Modelle aus Holz ersetzt werden.

Bedarfsampel an Kreuzung wäre eine Premiere

Neben den Holz-Modulen sind in der Bergmannstraße mehr Fahrradabstellplätze, mehr Bäume und Lieferzonen eingeplant – gerade Lieferwagen in zweiter Reihe machen dem Verkehr zu schaffen. Die Zonen würden aber nur Sinn machen, wenn ihre Einhaltung auch vom Ordnungsamt kontrolliert werde, so Heinrichs. Für Autos ist das in Begegnungszonen übliche Tempolimit von 20 Stundenkilometern vorgesehen.

Von vielen Seiten war vor allem ein einfacheres Überqueren der Straße gewünscht worden. Dabei soll an der Kreuzung Nostitzstraße eine sogenannte Bedarfsampel helfen. Sie schaltet sich nur ein, wenn Fußgänger es wünschen. Es wäre die erste ihrer Art in Berlin. Bei der Berliner Verkehrslenkung ist man deshalb skeptisch.

Diskussionen gibt es noch um die Kreuzung Zossener Straße/Friesenstraße. Viele Anwohner wünschen sich, dass diese so umgestaltet wird, dass der Nord-Süd-Durchgangsverkehr gestoppt wird. Viele Autofahrer nutzen diese Verbindung, um den dichten Verkehr auf dem Mehringdamm zu umfahren. Er habe auch schon Fernbusse gesehen, die diesen Schleichweg nutzen, sagte Hans-Peter Hubert von der Initiative „Leiser Bergmannkiez“. Dass die Durchfahrt zugemacht wird, scheint indes unwahrscheinlich, die Verkehrsverwaltung hat etwas dagegen.

Bis Januar sollen die finalen Planungen und Abstimmungen abgeschlossen sein. Das letzte Wort hat die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg. Und auch die Bürger dürfen abschließend natürlich noch einmal ihre Meinung sagen – per E-Mail. Berücksichtigt werden auch die Kommentare aus dem Online-Dialog. Sind alle dem Projekt wohlgesonnen, soll die Testphase im Frühsommer 2017 starten und bis Ende 2018 dauern.

Hinweise zu den vorgestellten Plänen nimmt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt unter weitergehen@senstadtum.berlin.de entgegen. Mehr Informationen online unter begegnungszonen.berlin.de