Tipps gegen Depression

So bleiben Sie während der dunklen Jahreszeit bei Laune

| Lesedauer: 7 Minuten
Patrick Goldstein
Spaziergänge können helfen.

Spaziergänge können helfen.

Foto: dpa

Wer Anzeichen einer Winterdepression verspürt, hat in Berlin viele Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun. Tipps gegen den Herbstblues

Melancholie, fehlender Elan und keine Lust auf gar nichts: Die dunkle Jahreszeit drückt bei manchem mächtig auf die Stimmung. Dabei gibt es in keiner Stadt Deutschlands so viele Möglichkeiten, sich selbst aus der schwarzen Stimmung zu ziehen wie in Berlin.

Bei dem, was im Volksmund als Herbstblues oder Winterdepression gilt, müsse man differenzieren, sagt Diplompädagogin Maike Nordmann. „Wer schlecht drauf ist, weil die Stadt draußen grau aussieht, leidet nicht automatisch an einer Depression.“ Eine krankhafte Ausprägung erkenne man erst daran, dass sie in mindestens zwei Jahren nacheinander während derselben Jahreszeit aufgetreten ist, sagt die ehemalige Vorstandsvorsitzende des Telefonseelsorge Berlin e. V. Auf diese sogenannte Saisonal abhängige Depression (SAD) entfallen in den Herbst- und Wintermonaten zehn Prozent aller diagnostizierten Depressionen, so Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Wer sich vor Winterdepression schützen will oder erste Anzeichen bei sich feststellt, hat in Berlin viele Möglichkeit, etwas zu unternehmen:

Lichttherapie: Gegen empfundene übermäßige Dunkelheit hilft eine Lichttherapie. Dafür gibt es spezielle Therapielampen. Also: Arzt aufsuchen und Symptome beschreiben. „Den eigenen Zustand stattdessen auszuhalten, ist falsch“, sagt Maike Nordmann. „Besser ist es, zum Arzt seines Vertrauens zu gehen. Dessen Fachrichtung ist egal, erstmal kommt es darauf an, einem Mediziner seine Symptome zu erklären.“ Die Versorgung mit Licht in der dunklen Zeit wirkt oft Wunder. Mindestens ein Drittel der Behandelten stellt binnen zwei bis drei Wochen Besserung fest. Wer prüfen will, ob seine Krankenkasse dabei Kosten übernimmt, findet auf www.krankenkassen.de eine entsprechende Suchfunktion.

Spaziergänge: Ulrich Hegerl sagt, dass mitunter ausgedehnte Spaziergänge ausreichen. Selbst an trüben Tagen entspreche das Licht der Leistung einer Therapielampe. Da kann schon eine Runde um den Schlachtensee helfen. Jogger brauchen 35 Minuten, wer es dagegen gemächlich angehen lässt, ist nach 75 Minuten wieder am Ausgangspunkt. Auch der Treptower Park, der Tiergarten oder der Schlosspark Charlottenburg bieten Gelegenheit, sich unter anderem an dem jetzt bunten Laub zu erfreuen. Im Alltag hilft neben Spaziergängen ebenso Sport. Das erfordert keine umständliche oder kostspielige Garderobe. „Statt Auto oder U-Bahn zum Beispiel einfach mal das Fahrrad nehmen“, rät Maike Nordmann.

Medizin: Wenn alles nichts hilft, muss mit Medikamenten nachgeholfen werden. Letztlich seien auch Antidepressiva sinnvoll, sagt Maike Nordmann. Gängigen Bedenken widerspricht sie entschieden. „Sie machen nicht süchtig und verändern auch nicht die Persönlichkeit.“

Selbsthilfe: Die Maßnahmen und Hilfsangebote bei Winterdepression sind in der Hauptstadt umfangreich. Maike Nordmann empfiehlt eine Berliner Besonderheit: die Datenbank der Berliner Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle (Sekis), die Details über Selbsthilfegruppen liefert. Unter der Webadresse Sekis-berlin.de findet man eine Suchmaske. Wer dort „Depressionen“ eingibt, hat die Wahl zwischen 153 Einträgen. Hilfreich ist auch der Selbsttest unter: buendnis-depression.de/depression/selbsttest/php.

Kontakte und Ehrenamt: Wichtig ist in Herbst und Winter: bloß nicht einigeln. Menschen brauchen Menschen. Darum: Viel verabreden mit Bekannten und Verwandten, mit denen man sich gut versteht. Auch anderen zu helfen gibt Kraft. Maike Nordmann rät Betroffenen etwa, ein Ehrenamt zu übernehmen. Berlin liefert da viele Anlaufstellen. Unter www.berlin.de/buergeraktiv/engagieren kann man zum Beispiel beim Ehrenamtsatlas die eigene Adresse eingeben und auf Tastendruck erfahren, wo man in seiner Umgebung gebraucht wird.

Ausgewogenes Essen: Körperliches Wohlbefinden hat jedoch auch viel mit dem zu tun, was wir zu uns nehmen. Wer unter Saisonal abhängiger Depression leidet, muss den Spagat schaffen zwischen dem, was gut tut und was vernünftig ist. „Man muss auf gesunde Ernährung achten“, sagt die Therapeutin. Wer in seiner Not dem Wunsch nach Kohlehydraten maßlos nachgibt, nimmt schnell zu. „Und das“, so Nordmann, „ist auch wieder schlecht fürs Selbstbewusstsein.“ Daher: Vor dem Einkaufen einfach mal in die Kalorientabelle schauen. Im Laden dann nach landwirtschaftlichen Produkten zu greifen, auf denen „Bio“ steht und die vielleicht sogar aus der Berliner Region kommen, ist bei der Zubereitung dann gut für Kopf und Körper. Empfehlenswert sind Bananen, Linsen, Nüsse und Trockenfrüchte. Erhältlich zum Beispiel im Hofladen der Domäne Dahlem.

Königin-Luise-Straße 49, Tel. 66 63 00 0, Mo.–Fr., 10–18 Uhr, Sbd., 8–13 Uhr.

Die süße Sünde: Andererseits darf man sich in dieser Phase durchaus auch mittels Kohlehydraten den Gute-Laune-Kick geben. Am besten dort in Berlin, wo die süßen Sachen besonders außergewöhnlich zubereitet werden. Zum Beispiel in „Martin’s Place“ in Neukölln . Bei Joseph Martin gibt es etwa die stadtweit bekannten Crème-Brûlée- und Nuss-Karamell-Torten, konstruiert mit französischem Flair. Denn seinen Konditormeister machte der Israeli bei Lenôtre in Paris.

Pannierstraße 29, Di.–So., 11–18 Uhr, Tel. 28 87 91 79, www.martinsplace.de

Gute-Laune-Garanten: Manchmal hilft es auch, sich einmal richtig gut unterhalten zu lassen. Ein Garant für gute Laune ist der Bühnenklassiker „Frau Luna“ im Tipi. Das ist Operette vom Allerhärtesten, allerdings mit jener Leidenschaft und Ironie zelebriert, die man vom Tipi gewohnt ist. Es vereint Berliner Größen der Kleinkunst wie die Geschwister Pfister, Anna Mateur sowie Pigor und Eichhorn.

Tipi am Kanzleramt, Große Querallee, Tiergarten, Tel. 390 665 50, Tickets 25–69,50 Euro, tipi-am-kanzleramt.de

Ausgedehnt speisen: Oder wie wäre es einmal wieder mit einem wirklich guten Essen in einem der vielen Berliner Restaurants? Unser Tipp: Einen gelungenen Abend verspricht etwa ein ausgedehntes Essen im „Schloss Britz“. Denn im denkmalgeschützten Bau mit dazugehörigem Park isst man gesund in behaglicher unaufdringlicher Atmosphäre. Bedenkenlos kann man als vegetarischer Anfänger Fleischloses versuchen, etwa ein Rote-Bete-Risotto mit mariniertem Apfel, Ziegenkäse und karamellisierten Walnüssen. Aus dem Berliner Umland kommt das Kotelett vom Saalower Kräuterschwein. Bekömmlich und kalorienarm ist das Angebot von der Fischkarte.

Schloss Britz, Alt-Britz 73, Britz, Tel. 60 97 50 39, Mi.–So., 11.30–22 Uhr, www.schloss-britz-berlin.de

Wasser entspannt: Die allerneueste Location für Schwimmer ist das majestätische Bad im „Hotel Oderberger Berlin“. Nach 30 Jahren wurde es vor zwei Wochen nach aufwendiger Restauration wiedereröffnet. Besucher durchmessen in fast 120 Jahre alter Halle ein 20-Meter-Becken. Die Temperatur hilft gegen Winterblues: angenehme 24 Grad. Unbedingt vorher anrufen: Bei zu viel Andrang gibt es Wartezeiten. Wer tiefenentspannt keine Lust hat, in die Kälte zu gehen, kann auch gleich über Nacht bleiben.

Hotel Oderberger, Oderberger Str. 57, Prenzlauer Berg, Tel. 780 089 760, www.hotel-oderberger.berlin, variierende Öffnungszeiten, an diesem Sbd. und So., 7–22 Uhr, Eintritt: Erwachsene 6 Euro, mit Sauna 19 Euro.

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