Rattenplage in Berlin

Warum jeder Berliner jede entdeckte Ratte sofort melden soll

Mehrere Millionen Ratten leben in Berlin. Die Behörden appellieren an die Einwohner, gesichtete Ratten sofort zu melden.

Eine kleine Ratte (Rattus rattus) bahnt sich ihren Weg in einer Parkanlage in Berlin. Die eigentlich dämmerungs-und nachaktiven Tiere sind unterdessen auch am hellichten Tage in der Hauptstadt zu beobachten, wo Schätzungen zufolge statistisch zwei Ratten auf jeden Einwohner kommen

Eine kleine Ratte (Rattus rattus) bahnt sich ihren Weg in einer Parkanlage in Berlin. Die eigentlich dämmerungs-und nachaktiven Tiere sind unterdessen auch am hellichten Tage in der Hauptstadt zu beobachten, wo Schätzungen zufolge statistisch zwei Ratten auf jeden Einwohner kommen

Foto: dpa Picture-Alliance / Arno Burgi / picture-alliance/ ZB

In Berlin gibt es inzwischen mehr Ratten als Menschen. Das besagen zumindest vorsichtige Prognosen, denn die Zahl der Nagetiere könnte theoretisch geringer sein als geschätzt - durchaus aber auch viel höher. Sicher ist: Es leben mehrere Millionen Ratten in der Hauptstadt und die Behörden nehmen verstärkt den Kampf gegen die Plage auf - denn die Tiere können gefährliche Krankheiten übertragen.

>>>Acht Tipps was Berliner jetzt gegen Ratten tun können<<<

Jetzt schlägt das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) Alarm - und erinnert an die Rattenmeldepflicht. Die besteht seit 2011. „Viele Berliner wissen gar nicht, dass sie sogar gesetzlich verpflichtet sind, umgehend das Bezirksamt zu verständigen, wenn sie eine Ratte sehen“, sagt Silvia Kostner, Pressesprecherin des Lageso. Das gilt laut „Verordnung über die Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen“ zumindest auf Privatgrundstücken. Streng genommen gilt die Meldepflicht nicht im öffentlichen Raum, etwa auf Spielplätzen, aber Lageso und auch die Gesundheitsämter der Bezirke rufen die Berliner dazu auf, auch dann die Fälle umgehend zu melden.

Im Zweifel hilft ein Anruf bei der Behördenhotline 115

Wer nicht genau weiß, wer für ihn zuständig ist, kann auch die Behördenhotline 115 anrufen und sich verbinden lassen. Dann rücken Experten an und legen Rattengift aus. In schweren Fällen - wie etwa aktuell am Helmholtzplatz - muss dafür eine gesamte Grünfläche abgezäunt und gesperrt werden. Die Köder sind schließlich giftig.

Am Helmholtzplatz beginnt der Kampf gegen die Rattenplage
Am Helmholtzplatz beginnt der Kampf gegen die Rattenplage

Solche Maßnahmen seien erforderlich, um die Tiere zurückzudrängen. „Die Gesundheitsämter werden sofort tätig, wenn Rattenbefall festgestellt wird“, so Kostner. Aber die Mitarbeiter seien dafür auf die Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen.

Ratten sorgen für Stromausfall, geschlossene Parks und Spielplätze

In mehreren Berliner Bezirken ist der Rattenbefall inzwischen so massiv, dass zum Beispiel Parks und Spielplätze geschlossen werden müssen. Die Räumung und Absperrung des Helmholtzplatzes in Prenzlauer Berg ist nur der jüngste Fall.

Auch Neukölln, Charlottenburg-Wilmersdorf, Wedding und Mitte mussten bereits öffentliche Bereiche temporär schließen, um gegen Ratten vorzugehen. Erst im August musste an der Kurfürstenstraße 53 ein neu gestalteter Kinderspielplatz wegen Rattenbefalls geschlossen werden. Auch auf dem Lützow- und dem Magdeburger Platz gibt es Probleme mit Ratten. Der Skalitzer Park wird wegen Rattenbefalls umgebaut.

Im Jahr 2013 sorgte eine Ratte sogar für einen zweieinhalbstündigen Stromausfall in Tempelhof. Sie war mit einer 10.000 Volt führenden Starkstromleitung in Berührung gekommen und hatte einen Kurzschluss ausgelöst. 2015 ereignete sich ein ähnlicher Vorfall in Mitte, als eine Ratte an einen Schaltkasten geriet. Und am Rudower Dorfteich in Neukölln hatten Anfang des Jahres Ratten das Absacken eines Gehwegs verursacht.

Wie die Berliner selbst ohne Absicht die Ratten durchfüttern

Vor allem ist es der Mensch selbst, der für die Ausbreitung der Ratten sorgt - meistens ohne böse Absicht und gedankenlos. „Durch Grillen im Tiergarten entsteht viel Müll“, sagt Silvia Kostner. „Da ist dann nachts im Park richtig Remmidemmi.“ - Sie meint die Ratten, die das auffressen, was die Menschen an Nahrung übriglassen.

Ähnliche Probleme gebe es zum Beispiel im Umfeld von Imbissen, wo einem schnell mal ein Stück Fleisch vom Döner fällt oder eine Pommes auf den Gehweg abstürzt. „Das muss man sofort aufheben und in den Mülleimer bringen“, so Kostner. „Sonst lockt es Ratten an und ernährt sie.“ Man dürfe sich da nicht auf die Berliner Stadreinigung verlassen. Denn ehe die BSR anrückt, könnten Ratten die Nahrung längst in ihren Bau geschleppt haben. Jede Ratte hat durchschnittlich sechs Nachkommen.