Umbau

Der Steglitzer Kreisel ist bereit für die Sanierung

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Katrin Lange
Der Steglitzer Kreisel an der Schloßstraße

Der Steglitzer Kreisel an der Schloßstraße

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Das Hochhaus ist komplett entkernt. Jetzt startet die Sanierung, über 300 Wohnungen sollen entstehen. Ein exklusiver Rundgang.

Abends, wenn der Feierabendverkehr die Westtangente verstopft und der Himmel sich langsam hellrot färbt, fällt es schon von der Stadtautobahn auf: Der Steglitzer Kreisel an der Schloßstraße ist ein Hohlkörper. Das Licht scheint in allen Etagen durch die Fensterfronten hindurch. Keine Trennwände, keine Türen versperren die Sicht. Tatsächlich ist von dem 118 Meter hohen Turm nur noch das Stahlskelett übrig, das von den Fassadenteilen geschützt wird. Die CG-Gruppe – der neue Eigentümer des ehemaligen Bürohochhauses und der dazugehörigen Sockelbauten – ist bereit für die Sanierung und die neue Nutzung.

Alle Pläne sind gemacht, 327 Wohnungen existieren bereits im Grundriss auf dem Papier. Jetzt haben die ersten vorbereitenden Arbeiten begonnen. Noch in diesem Jahr will der Immobilienentwickler den Bauantrag stellen, einen Bauvorbescheid besitzt er bereits. Geschäftsführer Christoph Gröner rechnet spätestens im Juni 2017 mit der Genehmigung, dann will er sofort mit dem Umbau beginnen. Gröner geht von 18 Monaten Bauzeit aus und weiteren sechs Monaten für die Außenanlagen. Zwei Drittel der Eigentumswohnungen sollen unter 500.000 Euro kosten. „Wir wollen das Publikum aus der Umgebung ansprechen“, sagt der Bauherr. Es sei ein Projekt für Berlin und für Menschen, die in Berlin leben.

Seit 2007 steht der Turm nach Asbestfunden leer

Bei einem Rundgang durch das Gebäude erläutert der Geschäftsführer seine Pläne. Der Steglitzer Kreisel wurde im Jahr 1980, elf Jahre nach Baubeginn, eröffnet. Er war 27 Jahre lang Sitz der Bezirksverwaltung. Nach Asbestfunden wurde das Haus 2007 gesperrt.

Unten im Foyer, wo einst die Pförtner des Bezirksamtes saßen, ist es noch dunkel. Kabel hängen von den Decken, Gerüste stützen die Wände. Doch der Fahrstuhl funktioniert – auch nach einem fast zehnjährigen Leerstand. Er gehöre noch immer zu den schnellsten in der Stadt, sagt Jürgen Kutz vom Vorstand. In der 22. Etage wird es hell, die Sicht ist nach allen Seiten frei. Nur noch die Stützpfeiler stehen im Betonboden. In den vergangenen Monaten wurde der Asbest ausgebaut. Das Land Berlin hat die Asbestsanierung übernommen, sie soll bereits im November, spätestens zum Jahresende abgeschlossen sein. 35 Millionen Euro wurden anfangs dafür kalkuliert. Etwa 18 Millionen Euro hätte die Schadstoff­sanierung schließlich gekostet, sagt Gröner. Eine verbesserte Technologie habe die Preise halbiert.

Für etwa 50 Millionen Euro hat die CG-Gruppe den Hochhausturm vom Land Berlin gekauft, noch einmal 180 Millionen Euro sollen jetzt investiert werden. Dazu kommt noch der Umbau des Sockels. In dem Gebäudeensemble entstehen noch einmal knapp 70 Wohnungen zwischen 35 und 85 Quadratmetern. Im Fuß des Kreisels wird es aber auch weiterhin Handel, Büros, Praxen und das Hotel geben.

Der Turm bleibt mit seinen 30 Etagen dem Wohnen vorbehalten. Pro Etage stehen dafür 850 Quadratmeter zur Verfügung. Bis zur 21.Etage sind zwölf Wohnungen pro Stockwerk vorgesehen, ab der 22. Etage nur noch sechs. Jedes Apartment hat einen Balkon oder eine Loggia. Zwei Penthouse-Lofts sind auf dem Dach geplant. Glas, Stahl und Aluminium sind die vorherrschenden Baumaterialien. Vier Fahrstühle führen nach oben, nachts soll ein Portier den Eingang überwachen.

Mit einem Windgutachten wird jetzt noch geprüft, in welchen Bereichen es zu Geräuschen und Verwirbelungen kommen kann. Dazu werde ein Modell des Kreisels in Holland gebaut, sagt Projektmanager Bernhard Blazek. Das Modell soll in einem Windkanal den Tests unterzogen werden. Modernisiert wird auch das Heizungssystem und auf eine Luft-Wärme-Pumpe umgestellt. Auf dem Dach des Parkhauses ist die Installation einer Fotovoltaik-Anlage für die Energiegewinnung geplant.

Christoph Gröner hat den Kreisel zum ersten Mal 2012 entdeckt. Er kam mit seiner Frau aus dem Schlosspark-Theater, sah den Turm und wollte sofort wissen: „Kann man den kaufen?“

Serie von Investitionen an der Schloßstraße

Ein Jahr später erklärte der Projektentwickler seine Kaufabsicht. Doch obwohl der Sockel, der vorher dem Unternehmen Becker und Kries gehörte, zügig den Besitzer wechselte, kam der Kaufvertrag über das Hochhaus, das dem Land gehörte, erst in diesem Sommer zum Abschluss.

Gröner glaubt an das neue Leben im Turm. „Dem Hochhaus haftete lange Zeit das Klischee des sozialen Wohnungsbaus an“, sagt der Bauherr. Jetzt sei die Zeit reif für Menschen, die wieder die Vision hätten, in einem Hochhaus zu wohnen. Und dann zählt er die Vorteile des Kreisels auf: eine überschaubare Anzahl von Nachbarn auf der Etage, der Blick vom Fernsehturm bis zum Teufelsberg, 25 Minuten bis Schönefeld, 15 Minuten zum Kudamm und die Lage an der Schloßstraße.

„Der Kreisel ist der Schlusspunkt einer großen Investitionsserie an der Einkaufsstraße“, sagt Gröner. In den vergangenen drei Jahren hat die CG-Gruppe nach eigenen Angaben mehr als 1000 Wohnungen in Berlin geplant und gebaut, darunter 400 Wohnungen an der Chausseestraße in Mitte und 300 Wohnungen an der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg.