Eurowings

Streik der Flugbegleiter sorgt für Frust bei Fluggästen

Vom Ausstand sind 77 Flüge in Tegel betroffen. Viele Passagiere beklagen fehlende oder zu späte Informationen.

Bedienung nur am Boden: Weil die Flugbegleiter streiken, sitzen etliche Passagiere am Flughafen Tegel fest

Bedienung nur am Boden: Weil die Flugbegleiter streiken, sitzen etliche Passagiere am Flughafen Tegel fest

Foto: Steffen Pletl

Für Ivan Mitchenko kommt gerade alles zusammen. Er muss zur Beerdigung seines Vaters nach Russland, doch das geht nur, wenn er am frühen Abend in Moskau seinen Anschlussflug bekommt. Danach sieht es momentan nicht aus. Gerade ist der Student am Flughafen Tegel angekommen und muss feststellen, dass der Flug nach Moskau gestrichen ist. „Wenn ich keinen anderen Flug bekomme, werde ich die Beerdigung verpassen“, sagt er.

Zusammen mit Ivan Mitchenko stehen rund 50 Fluggäste in der Schlange vor dem Schalter. Sie alle wollten mit Eurowings oder Germanwings abheben, den Billigtöchtern der Lufthansa. Und bei denen streiken am Donnerstag die Flugbegleiter, allein 77 Flüge von und nach Tegel wurden gestrichen. Vor allem innerdeutsche, aber auch Flüge ins europäische Ausland sind betroffen. Nicht wenige sind verärgert, vor allem über die mangelhafte Informationspolitik. Sie haben noch am Vortag gebucht oder eingecheckt. Warnung vor einem möglichen Streik? Keine Spur. Die meisten bekamen erst am späten Abend eine entsprechende Mail – Stunden nach der Streikankündigung. Ivan Mitchenko bekam nicht mal das.

Gewerkschaft kündigt weitere Streiks für nächste Woche an

Im Internet informiert Eurowings über die Möglichkeiten der Passagiere: Flüge sollen online auch nach der geplanten Abflugszeit kostenlos storniert oder auf einen anderen Eurowings-Flug umgebucht werden können. Bei Claudia Donau klappt das nicht. Die Berliner Lehrerin soll am Mittwochabend für den Ersatz-Flug mehr als 500 Euro plus eine Umbuchungsgebühr von 65 Euro bezahlen. Das Zehnfache dessen, was sie ursprünglich bezahlt hat. „Ich kann verstehen, dass die Flugbegleiter streiken. Aber was die Eurowings macht, geht nicht“, sagt sie.

Nach etlichen Stunden in der Warteschleife bekommt sie bei der Telefonhotline die Empfehlung, für die Umbuchung nach Tegel zu kommen. Ein weiteres Problem: Viele Flüge anderer Airlines sind bereits ausgebucht oder nur noch zu Mondpreisen zu haben.

Früh wird klar: Die Eurowings ist mit dem Streik offenbar überfordert. Deutschlandweit sind fast 40.000 Passagiere betroffen, die alle auf einmal ihre Rechte einfordern. „Die kostenlosen Umbuchungen und Stornierungen über Website, App oder Hotline sollten aber funktionieren“, sagt ein Sprecher. Manche Fluggäste seien tatsächlich sehr spät informiert worden, da es technisch nicht möglich gewesen sei, alle Mails auf einmal zu versenden. „Wenn es nach uns geht, brauchen wir diesen Streik nicht“, so der Sprecher weiter.

Der nächste Streik steht schon bevor

Doch die nächsten stehen schon vor der Tür. Die Kabinengewerkschaft Ufo will kommende Woche an zwei weiteren Tagen die Arbeit niederlegen. „Die genauen Zeiten werden wir noch bekannt geben“, sagte Vorstand Nicoley Baublies. Das vermeintliche Angebot eines Gehaltszuschlags von sieben Prozent sei bei der Gewerkschaft nie angekommen. Die Eurowings hat rechtliche Schritte angekündigt.

Claudia Donau hat Glück im Unglück: Nach mehr als einer Stunde in der Schlange bekommt sie von der Eurowings einen Flug am Freitagmorgen, ohne Umbuchungsgebühr, und wird es rechtzeitig auf die Hochzeit schaffen. Auch Ivan Mitchenko wird bei der Beerdigung seines Vaters dabei sein können. Er hat bei einer anderen Airline gebucht. Die Kostendifferenz muss er selbst tragen.