„what.the.food“

Zwei Jung-Köche bringen Pop-up-Dinner-Reihe nach Berlin

Julia Heifer und Andrea Iannicella zelebrieren mit „what.the.food“ die feine Art des Dinnierens. Sie wollen eine Lücke schließen.

Die Jung-Köche Julia Heifer (l.,28) und Andrea Iannicella (30) eröffnen mit "what.the.food" eine Pop-up-Dinner-Reihe

Die Jung-Köche Julia Heifer (l.,28) und Andrea Iannicella (30) eröffnen mit "what.the.food" eine Pop-up-Dinner-Reihe

Foto: Pak Chung of studio8ight / BM

Zwei Berliner Köche – Julia Heifer (28) und Andrea Iannicella (30) – trafen sich zum ersten Mal im Frühjahr 2016 in der Küche des Restaurants Dóttir in Mitte. Er, gelernter Koch, sie, ein Shootingstar der Berliner Gastronomie-Szene – ursprünglich kommt Heifer aus der Mode. Zusammen bereiteten sie den Gästen des Dóttir Speisen der isländischen Küche zu, viel Fisch und Gemüse, verfeinert mit außergewöhnlichen Zutaten wie isländischem Moos. Doch es brodelte noch mehr in ihnen.

Gemeinsam starten sie unter dem Namen „what.the.food“ eine Serie von Pop-up-Dinner-Events. Iannicella erklärt: „Julia und ich haben eine tolle Verbindung zueinander, obwohl wir kein Paar sind. Wir haben den gleichen Geschmack, wenn es ums Kochen geht.“ Auf dieser Grundlage fußt ihre Idee. „Wir dachten, was können wir zusammen auf die Beine stellen“, sagt Heifer.

Nach einer für beide Köche aufregenden Reise nach Hongkong im Juli dieses Jahres und einer erfolgreichen Pop-up-Serie mit dem Dóttir-Team kam den beiden der Gedanke zur Dinner-Reihe, die immer an verschiedenen Orten stattfinden wird.

Ein guter Koch muss für jedes Problem eine Lösung finden

„Wir haben damals das Dóttir-Menü vor Ort gekocht und mussten sehr viel improvisieren, da die Zubereitungsarten in China schon sehr anders als die in Europa sind. Fische werden anders gegart, manches Lebensmittel war schwierig aufzutreiben. Aber ein guter Koch muss Meister darin sein, für jedes Problem eine Lösung zu finden“, so Iannicella weiter. Das Wissen ihres Auslandsaufenthaltes nehmen die zwei Köche mit nach Berlin und bündeln es in dem Vier-Gänge-Menü, das die 30 Gäste für 49 Euro (exklusive Weinbegleitung) an diesem Freitag im Silo Coffee in Friedrichshain genießen dürfen.

„Wir haben lange an dem Event gearbeitet, von der bloßen Idee bis zum eigentlichen Menü vergingen drei Monate“, sagt Heifer. Das Dinner findet bewusst als Pop-up-Event statt, also als eine Veranstaltung mit limitiertem Zeitraum in einer vorübergehend gemieteten Location. Das garantiert den Gästen ein exklusives Erlebnis in ungewöhnlicher Atmosphäre. Heifer: „Das Tolle am Pop-up-Konzept ist, dass wir die Gäste direkt bewirten können, ihre Reaktionen mitbekommen.“

Aber es soll bald weitergehen, das nächste Event steht schon auf der Liste: „Wir planen, eventuell noch dieses Jahr, ein weiteres Dinner zu veranstalten. Wir wollen die Reihe unbedingt fortsetzen“, so Iannicella.

Hirsch mit einer Variation von Kohl und Feigen im Hauptgang

Gestartet wird an diesem Wochenende mit gebackener und pürierter Roter Bete, Burrata, einem cremigen Trend-Käse aus Apulien, und Leinsamen-Crackern. Zum Hauptgang gibt es unter anderem Hirsch mit einer Variation von Kohl und Feigen. Die anderen Gänge sollen an dieser Stelle – dem akuten Futterneidfaktor geschuldet – unbeschrieben bleiben. Bei allen Gerichten, die arabisch angehaucht daherkommen, liegt der Fokus auf regionalen und saisonalen Produkten.

Für Vegetarier gibt es auch fleischlose Alternativen. „Das ist aber der einzige Kompromiss, den wir machen, da wir ansonsten völlig neue Gerichte kreieren müssten. Manche Fleisch-Alternativen passen nämlich leider nicht zum ursprünglichen Gericht“, erklärt Heifer. Das Menü ist festgelegt, das hat seine Gründe. „Wir müssen jeden Tag so viele Entscheidungen treffen, diese vorbestimmte Menüfolge soll den Gästen von Anfang an suggerieren, dass es bei uns entspannt zugehen soll“, so Heifer weiter.

Berlins Gastronomie-Szene boomt, Besucher von Adressen wie dem Pauly Saal in Mitte, Le Petit Royal in Charlottenburg oder dem Deli Louis Pretty in Kreuzberg sind Beweis für die neue Lust der Hauptstädter auf gesundes Essen. Die Anti-Fast-Food-Bewegung sozusagen. Da kommt ein Pop-up-Dinner für den bewussten Genießer wie gerufen.

Berlin hat noch einen weiten kulinarischen Weg vor sich

„Berlin hat viel Potenzial, aber die Lücke zwischen einem Drei-Euro-Döner-Menü und einem gehobenen Hundert-Euro-Dinner ist noch zu groß. Wir versuchen, sie mit Events wie dem unseren zu schließen“, äußert sich Heifer zur Food-Szene in Berlin.

Eine große Herausforderung, der sich die gebürtige Mannheimerin gemeinsam mit ihrem Kollegen stellt. Noch größer, wenn man bedenkt, dass sie, anders als Iannicella, erst seit ungefähr einem Jahr professionell kocht.

„Essen und Kochen haben mich schon immer interessiert. Ich war in der Fashion-Branche tätig, aber ich habe mich mit der Zeit etwas gelangweilt. Es begann mit einem Catering-Job, dann habe ich die Chefin des Dóttir kennengelernt. So fing alles an.“ Heifer hatte Glück, in Berlin ist es möglich, auch ohne jahrelange Ausbildung in einem Restaurant zu arbeiten. „Es hat einfach auf einem persönlichen Level gepasst, dafür bin ich sehr dankbar“, so Heifer weiter.

„Es gibt noch viel zu entdecken“

Iannicella kommt ursprünglich aus Italien. Er sieht noch Nachholbedarf in der Stadt, die für Currywurst und Döner Kebab berühmt ist: „Berlin hat noch einen weiten kulinarischen Weg vor sich. In anderen Metropolen ist die Restaurantkultur vielfältiger.

Zum Glück lieben es die Leute hier, neue Dinge auszuprobieren.“ Während Iannicella weiterhin in der Dóttir-Küche sein Bestes gibt, zog es Heifer woanders hin. Sie arbeitet inzwischen in der Studio-Kantine des Künstlers Ólafur Elíasson. „Ich bin neugierig darauf, wie andere kochen. „Es gibt noch viel zu entdecken.“