Görlitzer Park

Der neue Herr im wilden „Görli“

Um die Probleme im Görlitzer Park künftig in Griff zu bekommen, will Cengiz Demirci auch mit afrikanischen Dealern ins Gespräch kommen.

Cengiz Demirci ist der neue Parkmanager im Görlitzer Park. Er sammelte Erfahrungen als Stadtteilmanager in Charlottenburg

Cengiz Demirci ist der neue Parkmanager im Görlitzer Park. Er sammelte Erfahrungen als Stadtteilmanager in Charlottenburg

Foto: Christian Kielmann

Cengiz Demirci wird am 15. November einen ganz besonderen Job antreten. Was der 43-Jährige mit dem vom Mongolenherrscher Dschingis Khan abgeleiteten türkischen Vornamen tun soll, ist in Berlin und wohl auch in Deutschland ohne Beispiel.

Demirci wird Parkmanager im Görlitzer Park. Seine Person steht dafür, dass erstmals eine Grünanlage behandelt wird wie ein Problemkiez, wie ein Sozialraum mit zahlreichen Konflikten. Der „mehr oder weniger alleinerziehende Vater“ eines Sohnes soll gangbare Wege finden zwischen den zahlreichen Nutzerinteressen des Parks, der durch Müll, Lärm und Drogenhandel in Verruf geraten ist.

„Der Park hat mir die Chance gegeben, etwas Neues zu schaffen“, sagte Demirci, als ihn Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) am Mittwoch nach einer Parkbegehung vorstellte.

So sollen Parkläufer den Görlitzer Park wieder sicher machen

Bezirk wünscht sich dauernde Polizeipräsenz statt Razzien

Der Arbeits- und Organisationspsychologe hat sich unter 75 Bewerbern durchgesetzt. Er konnte seine Erfahrungen aus der Jugendarbeit, als Sozialmanager einer Fitnessstudio-Kette und als Stadtteilmanager des Kiezes rund um den Mierendorffplatz in Charlottenburg in die Waagschale werfen. Er wolle „Pro­bleme lösen“, sagte der künftige Parkmanager: „Und ich werde dafür auch Wege gehen, die vielleicht manchen nicht passen.“

Umstritten dürfte vor allem sein, wie er mit den zumeist westafrikanischen jungen Männern im Park umgeht, von denen viele mit Cannabis handeln. Der Senat hatte unter Innensenator Frank Henkel (CDU) eine im Kiez umstrittene „Null-Toleranz-Strategie“ verfolgt und die Dealerszene immer wieder mit Großrazzien in die Enge getrieben.

Dennoch sind auch in den Morgenstunden eines normalen Wochentages Drogenhändler im Park zu sehen. Ihre Zahl ist jedoch deutlich niedriger als etwa im Sommer, was daran liegen dürfte, dass die Hauptklientel, nämlich die feierfreudigen Berlin-Besucher, derzeit nicht so stark vertreten ist. Der Bezirk würde sich statt der Razzien eine Dauerpräsenz von Polizisten wünschen, wie Baustadtrat Panhoff auch am Mittwoch wieder sagte.

So soll der Görlitzer Park soll auf Vordermann gebracht werden
So soll der Görlitzer Park auf Vordermann gebracht werden

Klar ist, dass im Grün-dominierten Bezirk nicht daran gedacht ist, die Männer mit Druck zu vertreiben. Auch die Anwohner, die in einer Initiative an dem Konzept für den „Görli“ mitgearbeitet haben, gehen diese Strategie mit. Die Ethnologin Franziska Becker, die das Treiben im Park über Monate im Auftrag des Bezirks analysiert hat, spricht von einem „ambivalenten Verhältnis“ der meisten Anwohner zu den Afrikanern.

Natürlich halten sie den ausufernden Drogenhandel für eine Belastung. Viele vor allem aus der türkischen und arabischen Community trauten sich kaum mehr in den Park. Andererseits gebe es aber auch Empathie für die Migranten, denen oft kaum eine andere Einkommensquelle offen stehe.

Es dürfte spannend werden, wie der neue Parkmanager und seine Parkläufer ab dem kommenden Frühjahr den Kontakt suchen werden zu den Afrikanern. Ab März sollen dem Parkmanager nämlich zusätzliche Kräfte an die Seite gestellt werden, die Menschen im Park ansprechen, auf die verschiedenen Interessen hinweisen und Konflikte vermeiden sollen.

Die Ausschreibung dafür läuft. Der Baustadtrat sagte, nicht alle Afrikaner im Park seien Dealer. Für viele sei der „Görli“ ein „sozialer Ort“, um sich mit Schicksalsgenossen zu treffen.

Breitere Zugänge und ein Toilettenhäuschen

Neben einer künftig intensiven Betreuung durch eigenes Personal setzt das Bezirksamt auch auf eine bauliche Umgestaltung, mehr Spielplätze und eine Öffnung der Grünanlagen. Eine neue Toilettenanlage mit robuster Inneneinrichtung aus Metall soll helfen, Verschmutzungen zu vermeiden. Falls die einmal tägliche Reinigung nicht reicht, soll auch zweimal geputzt werden.

Die Mauer um den Park ist an einigen Stellen durch einen Zaun ersetzt worden, um bessere Einsichten zu ermöglichen und dunkle Ecken zu vermeiden. Ein neuer Spielplatz bietet die erste Plansche für Kinder nach dem Vorbild der im früheren Ostteil Berlins beliebten Wasserspiele. Einzelne Flächen sind als „Barfußräume“ ausgewiesen.

Hier soll niemand grillen, Kronenkorken oder Scherben sollte es hier nicht geben. Vier Betonröhren am Rodelhügel, in denen oft Menschen nächtigten, wurden entfernt. Mehrere Zugänge hat der Bezirk verbreitern lassen, weitere sollen folgen. Dafür geht der Grünen-Baustadtrat sogar ans Eingemachte: „Ich bin bereit, dafür einen Baum zu opfern“, sagte Panhoff: „Das ist zwar ein Lebewesen, aber es ist nötig.“

Brennpunkt Görlitzer Park - Immer weniger Polizei
Was sich nach der "Null-Toleranz-Strategie" geändert hat
M. Bidian & M. Boenke