Baustellen

Ersatzverkehr bei der S-Bahn läuft noch nicht rund

Keine S-Bahnen zwischen Friedrichstraße und Charlottenburg. Und die Fahrgäste suchen nach den Bushaltestellen.

Mitarbeiter der Bahn versuchen, ratlosen Fahrgästen zu helfen

Mitarbeiter der Bahn versuchen, ratlosen Fahrgästen zu helfen

Foto: Amin Akhtar

Wer derzeit mit der S-Bahn unterwegs ist, braucht vor allem zwei Eigenschaften: starke Nerven und einen guten Orientierungssinn. Denn leicht macht es die Bahntochter ihren Kunden im Moment nicht gerade. Gleich auf zwei wichtigen Abschnitten im Netz fahren keine Züge. Bereits seit einer Woche ist der Zugverkehr auf der Linie S2 zwischen Bernau und Blankenburg eingestellt. Seit Wochenbeginn fahren nun auch auf der wichtigen Stadtbahntrasse zwischen Friedrichstraße und Charlottenburg keine Züge mehr.

Den Pankower Jens Sänger hatte diese Nachricht am Morgen noch nicht erreicht. Nach einer Woche Urlaub war er erstmals wieder auf dem Weg zur Arbeit in der Nähe des Savignyplatzes. Doch mit der S-Bahn kam er nur bis zum Bahnhof Friedrichstraße. „Ich war doch sehr überrascht. In meinem Zug gab es keinerlei Durchsagen.“ Auch auf dem unteren Bahnsteig im Bahnhof , an dem die Züge der Nord-Süd-Linien S1, S2 und S25 halten, gab es keine Hinweise auf die Stadtbahn-Sperrung. Erst auf dem oberen Bahnsteig dann die Erkenntnis: In Richtung Westen geht es – zumindest mit der S-Bahn – nicht weiter.

Bahn-Mitarbeiter in orangefarbenen Warnwesten mit der Aufschrift „Betriebs- und Verkehrsaufsicht“ verwiesen Jens Sänger und andere Gestrandete auf den Bus-Ersatzverkehr. Doch der ist gar nicht so einfach zu finden. Die Busse fahren nur am Reichstagufer hinter dem Tränenpalast ab. Zumindest an Fahrzeugen mangelte es nicht. Gleich mehrere Busse standen am Vormittag dort zur Abfahrt bereit. Allerdings benötigte der Bus bis zum Savignyplatz fast 20 Minuten, gleich fünf Haltestellen zum Ein- und Aussteigen liegen an seiner Strecke.

S5, S7, S75 - So umfahren Sie die gesperrte Stadtbahn

Wer es eilig hat, der nimmt von Friedrichstraße aus besser den Regionalzug, dessen Gleise nicht von der aktuellen Stadtbahn-Sperrung betroffen sind. Durch den Einsatz zusätzlicher Züge gibt es tagsüber bis zu acht Abfahrten pro Stunde. Das bedeutet im Regelfall: nicht einmal zehn Minuten Wartezeit auf die nächste Verbindung.

Der Zug, der als Verstärker zu den Regionalexpresslinien RE1, RE2 oder RE7 zwischen Friedrichstraße und Charlottenburg pendelt, war am Vormittag nicht einmal halb voll, es gab ausreichend Sitzplätze. In Charlottenburg angekommen, erfuhren die Mitreisenden nur, dass die Zugfahrt hier zu Ende ist. Hinweise zur Weiterfahrt: Fehlanzeige. Stattdessen lagen im Zug Infoflyer zum Verkehr des RE10 zwischen Cottbus und Leipzig aus.

Die nächste Suche dann am Ende des Treppenabgangs. Zumindest am Regionalbahnsteig fehlten Hinweise, wo die Ersatzbusse in Richtung Savigny­platz oder Bahnhof Zoo abfahren. Auch diese Haltestelle war nicht ganz einfach zu finden: Sie liegt etwa 300 Meter vom westlichen Bahnhofsausgang entfernt am Stuttgarter Platz.

Trotz „einzelner Anlaufprobleme“ hat nach Ansicht der S-Bahn der Ersatzverkehr am ersten Tag der Stadtbahnsperrung insgesamt „sehr gut“ funktioniert. „Bei einigen Dingen haben wir aber noch im Tagesverlauf nachgesteuert“, sagte ein Bahnsprecher. So wurden an den Bahnhöfen Zoo und Friedrichstraße zusätzliche Hinweisschilder zum SEV aufgestellt.

BVG hat deutlich mehr Fahrgäste bei der U-Bahn

Die BVG verzeichnete ihrerseits „deutlich mehr Fahrgäste“, so eine BVG-Sprecherin. Speziell Züge auf den Linien U2, U6 und U7 seien trotz der Ferien­zeit überdurchschnittlich gefüllt gewesen. „Wir mussten aber niemanden stehen lassen“, hießt es weiter.

Die Stadtbahn ist noch bis zum 31. Oktober zwischen Friedrichstraße und Charlottenburg gesperrt. Grund ist die Inbetriebnahme neuer Sicherungs- und Signaltechnik. Ab Donnerstagabend wird die Sperrung noch ausgeweitet. Dann fährt auch bis Grunewald sowie Olympiastadion keine S-Bahn mehr. Betroffen sind rund 150.000 Fahrgäste, die in diesem Bereich die Linien S5, S7 und S75 nutzen. Stammfahrgast Sänger will am Dienstag 20 Minuten früher losgehen. Und dann mit einem Regionalzug statt mit dem SEV-Bus fahren.