Auszeichnung

Ehrenbürger Schäuble: „Ich bin stolz, ein Berliner zu sein“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist jetzt Ehrenbürger der Stadt. 300 Gäste ehren ihn im Roten Rathaus

Wolfgang Schäuble ist Berlins neuer Ehrenbürger. Michael Müller würdigte den Finanzminister für seine Rolle beim Regierungsumzug. Damals setzte sich der CDU-Politiker für Berlin als neue Hauptstadt ein.

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Es hätte keinen Würdigeren geben können. So lautete die einhellige Meinung im Festsaal des Roten Rathauses, als am Montag die Ehrenbürgerwürde an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verliehen wurde. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) nannte den CDU-Politiker in seiner Laudatio den „Architekten der deutschen Einheit“ und erinnerte insbesondere an den berühmten 20. Juni 1991. An jenem Tag stand im Bundestag die Debatte und Abstimmung darüber an, ob Berlin Hauptstadt des vereinigten Deutschlands werden soll.

Endlich Ehrenbürger - der Kommentar

Wolfgang Schäuble war einer der entscheidenden Fürsprecher eines Umzugs von Bundestag und Bundesregierung an die Spree. Mit seiner „fulminanten Rede“, so Müller, habe Schäuble das Blatt zugunsten Berlins gewendet. „Er hat darauf verwiesen, dass Bonn immer der Vertreter Berlins während der Teilung war, als Berlin die Rolle als Hauptstadt nicht wahrnehmen konnte“, erinnerte der Regierende Bürgermeister. Das Ergebnis der Abstimmung war denkbar knapp: Mit 338 zu 320 Stimmen entschied sich der Bundestag für Berlin als Sitz von Parlament und Regierung.

„Der eiserne Hüter der schwarzen Null“

Viele Menschen würden mit Wolfgang Schäuble vor allem „den strengen Kassenwart und den eisernen Hüter der ‚schwarzen Null‘“ verbinden, sagte Müller. Und die Verhandlungen über die Bund-Länder-Finanzbeziehungen seien wahrlich kein Zuckerschlecken gewesen, auch weil der Finanzminister sich erneut als harter Verhandler erwiesen habe. Doch mit dem Begriff „Härte“ allein werde man diesem Mann nicht gerecht. „Am Ende führten die Verhandlungen zum Erfolg, auch weil Wolfgang Schäuble um den Wert des Kompromisses für unsere Demokratie und den Föderalismus weiß“, sagte der Regierende Bürgermeister.

Er würdigte den vor 74 Jahren in Freiburg Geborenen aber auch als „überzeugten Europäer“, der stets in größeren Zusammenhängen denke und sich mit dem Zusammenleben in einer Einwanderergesellschaft auseinandersetze. Und der mit der Fürsprache für Berlin immer auch einen Anspruch an die Hauptstadt eines vereinten Deutschlands verbinde. Diesen formuliere er zuweilen direkt und unverblümt. Berlin solle Führungsverantwortung bei der Überwindung der Teilung des Landes übernehmen, zitierte Müller den Bundesfinanzminister. Oder, dass Berlin aus seiner lebendigen Gründerkultur mehr machen und seine Weltoffenheit und Toleranz bewahren solle.

„Dadurch bekommen Sie nicht einen Euro mehr“

Der SPD-Politiker gab aber auch den feinen Humor Schäubles wieder und berichtete von dem Gespräch, in dem er ihm mitteilte, dass Berlin ihm die Ehrenbürgerwürde antragen wolle. Schäuble habe geantwortet, er würde sich über diese Ehrung sehr freuen und sie auch gerne annehmen, um dann sicherheitshalber anzufügen: „Sie können sicher sein, dass Sie dadurch nicht einen einzigen Euro mehr bekommen.“

Schäuble sagte in seiner Dankesrede, Berlin sei mit seiner Geschichte, seiner Dynamik und seinen Problemen symbolisch für Deutschland – im Guten wie im nicht so Perfekten. „Aus diesem Grund ist Berlin die richtige Hauptstadt für unser Land“, fügte er unter großem Applaus der rund 300 Gäste an. Es sei für ihn eine bewegende Stunde und eine außergewöhnliche Ehre, Ehrenbürger dieser Stadt zu werden. Der Satz „Berlin ist dazu verdammt, immerfort zu werden und niemals zu sein“ sei zwar schon mehr als 100 Jahre alt, gelte aber auch im Zeitalter der Globalisierung mit seinen Integrationsaufgaben. Die wirtschaftliche Dynamik schaffe ein Klima von Innovation und Veränderung.

Schäuble ist der 119. Ehrenbürger Berlins

Natürlich habe Berlin die üblichen Probleme großer Metropolen, so der CDU-Politiker, etwa die Herausforderung, Wohnraum zu schaffen oder die Mobilität mit der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit zu verbinden. Für die Bewältigung dieser Probleme könne Berlin Zukunftslaboratorium sein. Seine Rede schloss er mit den Worten „Ich bin stolz, ein Berliner zu sein.“

Unter den Gästen im Festsaal des Roten Rathauses waren unter anderem Daniel Barenboim und Jürgen Flimm, künstlerischer Leiter und Intendant der Berliner Staatsoper, sowie die CDU-Politiker Lothar de Maizière, Rupert Scholz und Jörg Schönbohm als gute Freunde und politische Weggefährten, außerdem die Chefs von KPM und Charité, Jörg Woltmann und Karl-Max Einhäupl, sowie viele Senatoren.

Schäuble ist der 119. Ehrenbürger Berlins und steht nun in einer Reihe unter anderem mit Joachim Gauck, Marlene Dietrich, Wolf Biermann, Ronald Reagan und Michail Gorbatschow. Die Ehrenbürger bekommen unter anderem ein Porträt im Abgeordnetenhaus und eine kostenlose BVG-Jahreskarte. Nach ihrem Tod steht ihnen ein Ehrengrab zu.