Reaktionen im Netz

Blinden-Plakat: Belustigung und Empörung über BVG-Werbung

Die Meinungen der Berliner über den umstrittenen BVG-Plakat-Entwurf sind geteilt. Die einen sehen es mit Humor, andere sind empört.

Das umstrittene Plakat

Das umstrittene Plakat

Foto: BVG / BM

Die Berliner Verkehrsbetriebe stehen derzeit wegen eines Werbe-Plakates in der Kritik. Abgebildet ist ein blinder Mann, der mit Blindenstock, Armbinde und Sonnenbrille in einer U-Bahn steht. Der Text dazu: „Blinder Passagier. Schwarzfahren kostet 60 €."

Viele fühlen sich davon beleidigt. "Das ist diskriminierend. Mit Behinderten macht man keine Witze", sagt etwa Manfred Scharbach, Geschäftsführer des Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin, der Morgenpost.

Wie die BVG mit einem Plakat blinde Passagiere beleidigt

Im Netz gehen die Meinungen auseinander. Auf der Facebook-Seite der Morgenpost ist eine Diskussion um die Grenzen von Humor und Satire entbrannt. „Deutschland. Land der Dichter und Denker. Und der Humorlosen.“, schreibt User Dominik.

Er fordert, „den gegenwärtigen Empörungsmodus“ ein paar Gänge herunter zu schalten. Auch Anke findet es in Ordnung, über Menschen mit Einschränkungen Witze zu machen. „Sie sind ja nicht verletzend. Inklusion bedeutet einbinden. In jeder Hinsicht.“

Maik sieht das anders. „Die machen sich lustig auf Kosten Behinderter, da hört bei mir der Spaß auf“, kommentiert er. Auch Heidi findet: „Geschmacklosigkeit kennt wohl keine Grenzen.“

Schon mehr als eine Million Aufrufe für ironisches BVG-Video

Userin Karin, nach eigenen Angaben selbst stark sehbehindert, kann hingegen über das Motiv lachen. „Ich finde das lustig. Und wenn man das einem Blinden erklärt, kommt das auf seinen eigenen Humorlevel an.“

Ein bisschen Humor solle man schon haben, findet auch Florian: „Die Kampagne der BVG ist humorvoll und kreativ gemacht“. Kommentator Ingo sieht in dem Plakat indes ein „erschreckendes Fehlverhalten der BVG Leitung“. Rosi schreibt: „Das geht gar nicht! Meine Tante war blind, und ich weiß, was das bedeutet.“

Die BVG zeige zum wiederholten Mal "eine zutiefst menschenverachtende Gesinnung", kommentiert Max. "Und so ein Laden wird durch Steuergelder auch noch subventioniert. Pfui Teufel!"

Die BVG, ein Mops und der Sexismus-Vorwurf

„Ihr merkt nicht zufällig, dass die BVG mit jeder dieser Spots nur genau diesen Diskurs und diese Aufmerksamkeit erreichen will?“, gibt Marco zu bedenken. „Die Werbung hat ihr Ziel erreicht! Und dabei ist komplett unwichtig, ob Ihr die oder eben die andere Meinung vertretet.“

Jörg fügt an: „Wenn unsere Gesellschaft es geschafft hätte, dass Menschen mit physischen und psychischen Erkrankungen nicht stigmatisiert werden, (…) dann hätte ich mit der Werbung kein Problem.

User Niko ist der Meinung, dass das Geld für die Werbekampagnen der BVG woanders besser aufgehoben wäre. „Die Abermillionen die die BVG seit langem verheizt, sind in Sauberkeit, Sicherheit und (…) bei Weitem besser investiert. Es sei bedauerlich, dass er die Werbung durch den Kauf eines Tickets unterstützen muss.

Die BVG gab sich bei dem Werbeplakat bereits reumütig. "Das ist nicht lustig, da haben wir nicht nachgedacht", sagt Sprecherin Petra Reetz.

Das Plakat sei von der Marketingabteilung ohne Kontrolle durch die Chefetage veröffentlicht worden. Glaubt man Reetz, bekamen einige der BVG-Kreativen eine ordentliche Standpauke. Das Plakat wurde inzwischen aus der Online-Umfrage entfernt, es schnitt bei den Nutzern obendrein auch schlecht ab. Nur die Idee des Sieger-Motivs soll tatsächlich auch umgesetzt werden.