Eishockey

Die Eisbären kommen mit Talent und Kampfgeist zum Sieg

Die Eisbären gewinnen ein Spiel gegen Mannheim, in dem sie lange wie der sichere Verlierer aussahen.

Eisbären-Stürmer Darin Olver jubelt über das 2:2, das er gegen die überlegenen Mannheimer erzielt hat

Eisbären-Stürmer Darin Olver jubelt über das 2:2, das er gegen die überlegenen Mannheimer erzielt hat

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Berlin.  Ein Vorspiel gehört eigentlich nicht dazu. So ein Sonntagnachmittag ist auch so schon lang genug. Wenn die Eisbären spielen. Aber es gibt Ausnahmen, diesmal etwa. Vor den Profis aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) durfte das Nachwuchsteam der Berliner aus der DNL in der Mercedes-Benz Arena auflaufen. Mal die Luft schnuppern, die die Großen umweht. Ein bisschen wenigstens.

Immerhin einen Punkt nahmen die Juniors mit beim 2:3 nach Verlängerung gegen die Kölner Haie. Über 400 Besucher, weit mehr als sonst, schauten zu. Bei den Profis kamen 11.529, um das ewig junge Duell mit dem Dauerrivalen aus Mannheim zu sehen. Die großen Eisbären gewannen, irgendwie überraschend, aber auch nicht unverdient. Mit 4:3 (1:1, 2:1, 1:1) setzten sie sich gegen Mannheimer durch, die lange Zeit deutlich besser waren.

Es fügte sich ganz gut in den Rahmen, die Juniors, die im Wellblechpalast zu Hause sind, gerade jetzt mal in der großen Halle antreten zu lassen. Bei den Eisbären laufen ja ohnehin gerade die Talentetage. Viele junge Spieler dürfen sich derzeit bei den Profis probieren. Weil Trainer Uwe Krupp, der auch sonst bereits einige jüngere Akteure im Kader hat, drei Stammspieler verletzt fehlen. Vincent Hessler (18), erlebte gegen die Adler am Sonntag zum Beispiel sein Debüt in der DEL.

Die plötzlich gestiegene, unbeabsichtigte Unerfahrenheit hat einiges mit den inkonstanten Leistungen der Berliner zu tun. „Wir sind gezwungen, die Jungen voll einzusetzen. Sie gehen gerade bei uns zur Schule“, sagte Krupp nach dem 6:4 gegen Augsburg am Freitag. Erste Lerneffekte ließen sich schon erkennen.

Als sehr gutes Lehrmittel erwiesen sich die Adler. Mit ihrem Drang nach vorn, ihrer Kombinationssicherheit und ihrer Physis bestimmten die Kurpfälzer die Partie. Bereits nach 49 Sekunden traf Jamie Tardif gegen konfuse Eisbären. Die brauchten lange, um überhaupt einmal vor das Tor der Gäste zu gelangen. Ein Konter brachte dennoch den Ausgleich, Jens Baxmann erzielte ihn (10.). Auf den Weg geschickt hatte ihn Maximilian Adam, ein 18-Jähriger.

Torhüter Vehanen verhindert lange Zeit Schlimmeres

An der Alleinherrschaft der Adler änderte das nichts. „Wir hatten Glück, dass wir mit einem 1:1 aus dem ersten Drittel herausgekommen sind“, sagte Stürmer Darin Olver. Auch danach gelang es den Eisbären nicht, ihr eigenes Spiel durchzubringen, das ein offensives ist. Stattdessen wurden sie in der Defensive eingeschnürt und mussten zusehen, dass sie Schlimmeres verhinderten. Vor allem der zuverlässige Torhüter Petri Vehanen war dafür verantwortlich. „Das ist nicht gerade unser Plan. Aber meine Mannschaft hat gezeigt, dass sie auch gut verteidigen kann“, sagte Krupp.

Mit dem Treffer von Chad Kolarik zum 2:1 für die Adler nahm die Partie jedoch ihren erwartbaren Verlauf (31.). Was da noch undenkbar schien, war ein Aufbäumen der Eisbären gegen souveräne Mannheimer. Doch zwei überraschende Pässe verschafften Olver Platz, er erzielte den Ausgleich (35.). Die Pässe kamen von Kai Wissmann, einen Tag zuvor 20 geworden, und Daniel Fischbuch (23). Als Kyle Wilson ein Zusammenspiel der erfahrenen Profis zum 3:2 vollendete (38.), war die Partie auf den Kopf gestellt.

Eine Strafzeit der Eisbären nutzten die Adler zum Ausgleich durch Aaron Johnson (45.). Allerdings hatten sich die Berliner trotz der spielerischen Überlegenheit der Gäste in diese Partie hineingebissen und wollten mehr. „Wir haben uns als Team im dritten Drittel zusammengerissen“, sagte Baxmann. Bruno Gervais traf zur erneuten Führung (51.). Die hielt nun bis zum Ende, weil die Berliner tiefer standen. „Wir sind gut mit dem Vorsprung umgegangen“, so Krupp.

Das sorgte für einen versöhnlichen Abschluss des ersten Viertels der Saison. Mit Mannheim haben die Eisbären nun einmal gegen alle Kontrahenten gespielt und liegen trotz einer ausgedehnten Schwächephase auf Platz fünf. „Wir müssen kämpfen, aber die Mannschaft reagiert“, sagte der Trainer, der im letzten Drittel dann doch mehr auf die Erfahrung setzte und im Angriff auf drei Reihen umstellte. Der Mut zur Jugend lohnte sich gegen die Adler aber trotzdem.

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