Kudamm

Mit dem Gloria-Palast droht einer Institution der Abriss

Der Erhalt des Gloria-Palastes am Kudamm könnte für den Investor zu teuer werden. Der Bezirk besteht auf den Schutz des Denkmals.

Foto: Thomas Schubert / BM

Zu Füßen des Upper West tobt seit Monaten ein lautloser Kampf. Während der weiße Turm im Frühjahr 2017 seiner Fertigstellung entgegensieht, streiten Denkmalschützer beim angrenzenden Gloria-Palast um jeden Stein. 1953 erbaut, verkörpert er wie wenige andere Bauten den Kudamm zu West-Berliner Zeiten. Auch heute trägt die einstige Berlinale-Spielstätte das Schicksal der ganzen Straße zur Schau. Eine Vielzahl von Neubauprojekten bringt ins Wanken, was seit Jahrzehnten steht. Kurz gesagt: Der Gloria-Palast am Kurfürstendamm 12 passt nicht in die Pläne der Investoren. Seine filigrane Substanz hält den Umbauwünschen nicht stand.

Nutzung für Einzelhandel

Im größerem Maße als bisher wollen die beiden Eigentümergesellschaften, die Centrum Holding aus Düsseldorf und die Firma RFR aus Frankfurt am Main, eine Nutzung für den Einzelhandel erreichen. Und zwar unter Einbeziehung des daneben liegenden Hauses am Kudamm 14 und dem historischen Altbau mit der Hausnummer 15, bekannt für das im Erdgeschoss einquartierte McDonald’s-Restaurant mit Jugendstil-Möblierung. Dieses Baudenkmal gilt als gesichert. Der Kudamm 14, in dem sich neben Handelsflächen auch Wohnungen befinden, ist hingegen trotz seines recht jungen Alters dem Abriss geweiht. Und der Gloria-Palast? Zukunft ungewiss. Bis auf Weiteres steht das alte Kino als Konstante in einem Straßenblock, der sein Gesicht ausgehend vom Neubau des Upper West radikal verändert.

13 Gutachten über den Bauzustand

Filme laufen im Palast schon seit 1998 nicht mehr. Als letzter Handelsmieter zog die Modekette Benetton unlängst aus. Und eine hölzerne Rüstung kündet davon, dass hier an eine Weiternutzung im aktuellen Zustand aus Investorensicht kaum zu denken ist. Nicht weniger als 13 Gutachten liegen inzwischen auf dem Tisch des Charlottenburger Baustadtrats Marc Schulte (SPD). Ihre Grundthese lautet: Die Fassade des Gloria-Palasts ist nicht standfest. „Es besteht Konsens darin, dass der Umbau wegen der schwachen Substanz aus den 50er- und 60er-Jahren schwierig sein wird“, stimmt Schulte den Erkenntnissen zu.

Schwierig, aber aus politischer Sicht möglich. Sicherlich wird der Aufwand zum Erhalt des Bestandsgebäudes deutlich höher sein als bei einem kompletten Abriss und Neubau der denkmalgeschützten Fassade. „Wir haben hier einen 1-a-Standort für den Handel. Und wenn man Investoren hier nicht zumuten kann, teure Sanierungsarbeiten zu leisten, wo dann?“, pocht Schulte auf den Erhalt. Auch das Landesdenkmalamt in Person von Konservator Jörg Haspel hatte den Bezirk im Sommer aufgefordert, „die Möglichkeiten für denkmalverträgliche Alternativen auszuloten und diese dann mit dem Bauherren zu erörtern.“

Mehrkosten durch Denkmalschutz

Nur ergeben sich bei der Wiederaufarbeitung der bröckelnden Steinfront am Palast laut Stadtrat Schulte weitere Schwierigkeiten. So würde eine Ummantelung der zierlichen Fassadenstreben dazu führen, dass sie einen höheren Durchmesser entwickeln. Was einst filigran war, wäre dann plump und dick. Falls es eine Möglichkeit zur Heilung von innen gibt, würde die nochmals teurer ausfallen als diejenige von außen. Wie viel Mehrkosten kann der Denkmalschutz Investoren aufbürden? Im Kampf um den Gloria-Palast ist nicht der Wille das Entscheidende, sondern das Geld.

Während sich die Firma RFR – im Übrigen auch Eigentümerin des Upper West – nicht zu Anfragen äußert, nahm Centrum jetzt ausführlich Stellung. Man habe den Gloria-Palast im Bewusstsein erworben, das Gebäude zu erhalten und in den daran anschließenden Neubau zu integrieren, stellt Geschäftsführer Peter Knopf zunächst fest. „Mehrere Gutachten gehen im Ergebnis allerdings davon aus, dass der Gloria-Palast in seiner Substanz bautechnisch leider nicht mehr zu halten ist.“ Jedoch habe man mit dem Landesdenkmalamt die Durchführung weiterer Untersuchungen vereinbart und alle weiteren Maßnahmen verschoben.

McDonalds muss ausziehen

Knopf bestätigt, dass der Bau mit der Hausnummer 14 vollständig abgebrochen wird und Platz schafft für eine komplett neue Konstruktion. Das Jugendstilgebäude am Kudamm 15 werde aufwendig saniert. Alle Mieter ziehen in den nächsten Monaten zumindest zeitweilig aus, auch McDonald’s, das schon zum 23. Oktober die Türen schließt. Nur einige Pop-up-Stores bleiben noch, solange es das Baugeschehen zulässt.

Zwar äußern sich die Investoren nicht zum Gesamtkonzept der neuen Kudamm-Zeile. Aber die Pläne für einen Umbau des Karstadt-Warenhauses auf der südlichen Straßenseite zu einer „Mall of Kudamm“ legen nahe, dass man auf der Nordseite ein Gegen­gewicht schaffen will. Am Gloria-Palast wird sich zeigen, wie viel vom alten Kudamm im Einkaufsboulevard von Morgen überlebt.