Gesundheit

Erkältungswelle - Ganz Berlin schnieft und hustet

Rund sieben Prozent der Berliner sind erkältet. Ärzte geben Gesundheitstipp, wie man die Erkältungswelle gut übersteht.

In Berlin sind zurzeit viele Menschen erkältet

In Berlin sind zurzeit viele Menschen erkältet

Foto: dpa Picture-Alliance / Silvia Marks / picture alliance / dpa Themendie

Berlin niest und hustet. Der Verbrauch an Papiertaschentüchern ist enorm. Eine Erkältungswelle hat die Stadt im Oktober erfasst, passend zum ungemütlichen trüben Herbstwetter. Rund sieben Prozent der deutschen Bevölkerung und auch der Hauptstädter sind derzeit nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) von akuten Infektionen der Atemwege betroffen, also von Husten, Schnupfen und Halsschmerzen. Das sind in Berlin etwa 240.000 Menschen. Die Wartezimmer in den Praxen der Hausärzte und der Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten sind voll.

Bislang gibt es nur zwei Influenza-Fälle in Berlin

Echte Influenza sei jedoch die große Ausnahme, sagt Susanne Glasmacher, Sprecherin des Instituts. Für Berlin und Brandenburg seien bislang nur zwei Fälle gemeldet worden. „Die Grippewelle kommt erst Anfang des nächsten Jahres wieder.“ Erfasst wird die Zahl der Erkrankten über die Seite grippeweb.rki.de, auf der sich mehrere Tausend Freiwillige beteiligen. Sie bekommen montags eine Anfrage per Mail, ob sie in der Vorwoche eine Erkältungskrankheit hatte. Etwa sieben Prozent haben diese Frage in der vergangenen Woche mit Ja beantwortet.

Viele Erkältete kommen auch in die HNO-Praxis von Dr. Kai Müller in der Zeltinger Straße in Frohnau. „Das ist jedes Jahr um diese Zeit so“, sagt der Mediziner. Die klassische Ursache der Erkrankung: „Die Menschen sind nicht richtig angezogen.“ Die Situation werde falsch eingeschätzt. „Häufig kühlt man über die Füße aus, weil die Socken zu dünn sind oder weil man nicht die geeigneten Schuhe trägt.“ Ebenso könne der Körper über die Hände auskühlen. Auch sie müssten warm gehalten werden.

Verursacher der Erkältung sind meist Viren. Häufig holen sich Menschen eine Erkältung, deren Immunsystem geschwächt ist. „Wenn man zu wenig Vitamine zu sich nimmt oder sehr im Stress ist“, sagt Kai Müller. Es sind derzeit vor allem Erwachsene, die mit Erkrankungen der oberen Atemwege in seine Praxis kommen. Doch wer sich richtig ernähre und wenig unter Stress stehe, „steckt sich nicht an“, so der Facharzt. Um der Erkältung vorzubeugen, ist aus Sicht des Mediziners vor allem Hygiene wichtig. „Das fängt damit an, dass man in die Ellenbeuge husten sollte und nicht in die flache Hand.“ Denn spätestens beim Griff an die Türklinke gebe man die Viren weiter.

Bei diesen akuten Atemwegserkrankungen nützt die Grippeschutz-Impfung nichts. „Sie richtet sich gegen die tödlichen Grippe-Viren.“ Diese Impfung tue jetzt noch nicht not. „Es reicht, wenn man das im November oder Dezember macht.“ Wer schon erkältet ist, dem empfiehlt der HNO-Arzt: „Ruhe, trinken und Schlaf. Dann kommt man wieder auf die Beine.“ Doch Ruhe sei etwas, „was sich die meisten Menschen nicht gönnen.“

Auf Hygiene achten

Tipps geben auch die Experten vom Deutschen Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg. Elke Pielert, ärztliche Mitarbeiterin, empfiehlt regelmäßiges und richtiges Händewaschen. „Die Hände müssen gut mit Wasser benetzt werden, das Verreiben der Seife sollte 20 bis 30 Sekunden dauern. Und dann gründlich abspülen und gut abtrocknen.“ Das Handtuch sollte mindestens einmal wöchentlich gewechselt werden.

„Man fasst sehr viel an, wenn man unterwegs ist, und nimmt dadurch Erreger mit“, sagt die Medizinerin. Der Mensch berühre sich täglich etwa 200 Mal am Kopf, im Gesicht oder am Hals. „Die Erkältungsviren setzen sich an den Schleimhäuten der oberen Atemwege fest, und wandern dann weiter“, so die Ärztin. „Wenn ich ein gutes Abwehrsystem habe, reichen die eigenen Abwehrkräfte aus, um die Viren schon an Ort und Stelle zu beseitigen.“

Das Immunsystem könne konditioniert werden, „indem man möglichst viel Zeit an der frischen Luft verbringt“, so Pielert. „Das stärkt die Abwehrkräfte.“ Wichtig sei auch, regelmäßig zu lüften. Fenster und Türen seien oft so dicht, dass kein Luftaustausch mehr stattfindet. „Ein gutes Raumklima ist wichtig für die Schleimhäute, nicht zu trocken, nicht zu warm.“