Berlin

Kudamm-Bühnen müssen raus

Richter gibt der Räumungsklage des Investors statt. Anwalt von Theaterchef Woelffer will in Berufung gehen

Berlin. Das Ergebnis war bis zum Schluss offen. Während der Eigentümer des Kudamm-Karrees, die luxemburgische Firma Mars Propco 1 S.à r.l., davon ausging, die Räumungsklage zu gewinnen, glaubten auch die Theaterleute bis zur Verkündung des Urteils am Dienstag im Landgericht am Tegeler Weg noch, dass Richter Siegfried Sommerfeld den Argumenten des Anwalts Reiner Geulen folgen würde. Doch das Ergebnis der ersten Instanz ist eindeutig: Theaterchef Martin Woelffer hat den Prozess um die Räumungsklage, die sein Vermieter angestrengt hatte, verloren. Er muss alle genutzten Räume im Kudamm-Karree herausgeben. Das verkündete Richter Siegfried Sommerfeld am Ende der Verhandlung, nachdem er sich zur Entscheidungsfindung eine halbe Stunde zurückgezogen hatte.

Das Urteil sei vorläufig vollstreckbar. Durch eine Sicherheitsleistung von 500.000 Euro könne die Zwangsvollstreckung ausgesetzt werden. Die Räumungsfrist bis 2018 zu verlängern, wie es vom Theatermieter beantragt wurde, sei nicht möglich, da es sich um keinen Wohnraum handele, so der Richter. Für Schauspieler wie Winfried Glatz­eder, Ursela Monn, Ilja Richter oder Hans-Jürgen Schatz, die gekommen waren, um die bedrohten Spielstätten zu unterstützen, ein schockierendes Ergebnis. Auch für Theaterchef Martin Woelffer. „Wir geben den Kampf aber noch nicht auf und gehen in die nächste Instanz“, kündigte er an.

Fronten noch verhärteterals beim letzten Treffen

Gleich zu Anfang hatte der Richter die Parteien gefragt, ob sie ihre politischen Beziehungen hätten spielen lassen können. Wie berichtet, hoffen die beiden Kudamm-Bühnen auf mehr finanzielle Unterstützung durch die Senatskulturverwaltung. Doch beide Parteien konnten dem Richter lediglich mitteilen, dass die Fronten inzwischen „noch verhärteter sind“ als beim vergangenen Termin im Juli dieses Jahres. „Schade“, sagte Richter Sommerfeld und fasste noch einmal die Fakten zusammen. Dabei ging es auch um die Frage, ob der Eigentümer des Kudamm-Karrees mit seiner Luxemburger Firma überhaupt klageberechtigt war. Das Gericht hatte den Prozess im Sommer vertagt, damit dafür Nachweise im Original vorgelegt werden konnten. Woelffers Anwalt, Reiner Geulen, hatte mehrfach dargelegt, dass die Firma in Luxemburg keinen Geschäftssitz habe. Die von ihm dorthin versandte Post sei zurückgekommen, woraufhin sich eine Mitarbeiterin seiner Kanzlei auf den Weg nach Luxemburg gemacht habe, um den Geschäftssitz persönlich aufzusuchen. Dort habe es noch nicht einmal einen Briefkasten gegeben.

Richter Sommerfeld räumte in der Verhandlung anfangs ein, dass eine Reihe von Unterlagen eingereicht worden sei, deren Echtheit nach wie vor streitig sei. Bei der Verkündung des Urteils jedoch sagte er, dass die Firma nach der Überzeugung des Gerichts ihren Sitz in Luxemburg habe. „Zumindest hat die Klägerin einen inländischen Verwaltungssitz und wäre so klage­berechtigt.“ Der „erhebliche Zahlungsrückstand“ rechtfertige die Klage.

Eigentümer kündigt schnelle Zwangsräumung an

Nach Auskunft von Rechtsanwalt Hans Konrad, der den Eigentümer vertrat, betragen die Mietschulden 600.000 Euro. Er beantragte eine vollstreckbare Ausfertigung des Urteils. „Sobald sie vorliegt, geben wir die Zwangsräumung in Auftrag“, sagte er der Berliner Morgenpost. Rechtsanwalt Geulen will beim Kammergericht in Berufung gehen und dort per Eilantrag eine Einstellung der Zwangsvollstreckung beantragen. „Wir bleiben“, kündigte Theaterchef Woelffer an. Seiten 2 und 10