Mobilität

Neues Leihsystem für Fahrräder startet am Dienstag

Fahrräder buchen per App oder Anruf: Am Dienstag beginnt die Testphase des Mietfahrrad-Systems der Firma Nextbike in Berlin.

Ralf Kalupner (rechts), Geschäftsführer von „Nextbike“, und Umweltsenator Andreas Geisel (SPD).

Ralf Kalupner (rechts), Geschäftsführer von „Nextbike“, und Umweltsenator Andreas Geisel (SPD).

Foto: Paul Zinken / dpa

Sie rollen im Libanon, in Neuseeland und auf der Karibikinsel Aruba. Jetzt also Berlin. Am Dienstag hat der Anbieter Nextbike den Pilotbetrieb des neuen Fahrradleihsystems in der Hauptstadt gestartet. In Lichtenberg werden zunächst 50 der silber-blauen Räder an sechs Stationen getestet. Bis Frühjahr 2017 sollen es 2000, bis Ende 2018 dann 5000 Fahrräder sein, die an 700 Stationen ausgeliehen werden können.

Damit vervierfacht sich das Angebot, das bisher von der Deutschen Bahn kam. „Das Bahn-System hatte einige Kinderkrankheiten, und das Netz war nicht so dicht“, sagt Planer Burkhard Horn aus der Senatsverkehrsverwaltung. Die Bahn-Räder seien durchschnittlich nur einmal am Tag genutzt worden. Man hoffe bei Nextbike mittelfristig auf fünf bis neun Zugriffe. Mit 1,5 Millionen Euro jährlich fördert der Senat das System bis 2021.

Täglich steigen bis zu 500.000 Berliner auf das Fahrrad

Aber braucht Berlin so viele Leihräder? Drei von vier Berlinern besitzen ein eigenes Fahrrad. „Unser Angebot soll ergänzend sein“, sagt Nextbike-Sprecherin Mareike Rauchhaus. Etwa für Pendler, die ihr eigenes Rad nicht am Bahnhof abschließen wollen. Auch Unternehmen sollen Nextbike-Stationen für ihre Mitarbeiter bestellen können. Anders als bei der Bahn, wo die Räder in eher sperrigen Betonklötzen geparkt werden, sind sie bei Nextbike auf einer Schiene fixiert, die sich innerhalb von zehn Minuten auf- und abbauen lassen soll.

Erstmals wird der Verleih auch außerhalb des S-Bahn-Rings möglich sein, rund zehn Prozent der Stationen sind dort geplant.

Preislich bewegt sich Nextbike auf leicht höherem Niveau als die Bahn. Für Gelegenheitsnutzer kostet die erste halbe Stunde 1,50 Euro (Bahn: 1 Euro), ein Tag 18 Euro (Bahn: 15 Euro). Mit einem Jahresabo über 50 Euro sind die ersten 30 Minuten kostenlos, danach wird ein Euro fällig. Am genauen Tarifsystem wird noch gefeilt, zur Debatte stehen Ermäßigungen für Jahreskarteninhaber von BVG und S-Bahn. Gebucht werden kann unter anderem über eine App.

Mietfahrradsystem Call a bike muss seine Stationen abbauen

In einem Vergabeverfahren hatte sich die in Leipzig ansässige Nextbike gegen 20 Konkurrenten durchgesetzt. Auch gegen die Bahn, die Klage einreichte, was die Vergabe verzögerte. Der Staatskonzern will nicht aufgeben und hat angekündigt, in Berlin weiterhin ein Radverleihsystem anzubieten. Bei Nextbike hoffen sie, dass das nicht zu Dumpingpreisen führt.

Der Bezirk Lichtenberg sucht 50 Fahrradfahrer, die die neuen Leihräder einen Monat kostenlos testen wollen. Interessenten wenden sich per Mail an kirsten.schindler@lichtenberg.berlin.de