Leihräder

Mietfahrradsystem Call a bike muss seine Stationen abbauen

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Thomas Fülling
Der Mietfahrradanbieter ist in Berlin auf dem Rückzug.

Der Mietfahrradanbieter ist in Berlin auf dem Rückzug.

Foto: dpa / dpa/DPA

Call a bike konnte nie so recht Fuß fassen in Berlin. Nun soll ein anderer Anbieter ein neues Leihfahrradsystem aufbauen.

Noch sind sie in der Stadt zu sehen, die rot-silberfarbenen Fahrräder von Call a bike. Auch die Betonklötze, in denen die Räder an S-Bahnhöfen und vor U-Bahneingängen aufgestellt sind. Doch der Mietfahrradanbieter, der zum Bahnkonzern gehört, ist in Berlin auf dem Rückzug. Zumindest vorläufig.

Per Mail hat Call a bike jetzt seinen Stammkunden mitgeteilt, dass „unser Angebot in der bisherigen Form“ nicht fortgeführt werden könne. Grund dafür sei eine Forderung des Landes Berlin, die Ausleihstationen auf öffentlichem Straßenland bis Jahresende zurückzubauen. Rund 150 sollen es im ganzen Stadtgebiet sein, konzentriert innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings. Nach eigenen Angaben hat Call a bike in Berlin 77.600 angemeldete Nutzer, die Leihfahrräder für 195.000 Fahrten pro Jahr ausleihen würden (Stand 2014).

Senat hat die Verträge neu ausgeschrieben

Hintergrund für den Rückzug des Radanbieters ist das Ende der bisherigen Verträge mit dem Land Berlin. Wie berichtet, hatte der Senat das öffentlich geförderte Radleihsystem vor einiger Zeit neu ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt im Juli schließlich der in Leipzig ansässige Anbieter Nextbike. Der Einspruch der Deutschen Bahn gegen die Vergabe blieb erfolglos.

Nextbike will nun ein neues stationäres Verleihsystem in der Stadt mit anfangs 2000 Rädern aufbauen. Projektstart soll im März 2017 sein. Bis 2019 soll die Zahl der Leihräder auf 5000 steigen, die an 700 Standorten auch außerhalb des S-Bahn-Rings stehen. Der Senat fördert das neue System mit insgesamt 7,5 Millionen Euro.

Pilotversuch in Lichtenberg

Noch im Oktober soll ein Pilotversuch mit zunächst 50 Rädern in Lichtenberg beginnen. Einzelheiten wollen der Senat und Nextbike-Geschäftsführer Ralf Kalupner am Dienstag vorstellen. Dann wird wohl auch die erste neue Ausleihstation gezeigt. Die soll filigraner sein als das bisherige Call-a-bike-System mit den wuchtigen Betonquadern. Auch zum Preissystem werden Aussagen erwartet.

Die erste halbe Stunde kostenfrei

Bislang steht fest: Es soll zum einen Abonnements geben, doch auch eine spontane Ausleihe der Räder soll möglich sein. Ein Jahres-Abo wird laut Nextbike-Chef Kalupner 50 Euro kosten (Call a bike derzeit 49 Euro). Mit Zahlung der Grundgebühr ist dann die erste halbe Stunde pro Ausleihe kostenfrei, jede weitere halbe Stunde soll dann 1,50 Euro kosten. Für Inhaber von Jahreskarten der BVG oder der S-Bahn soll eine dreiviertel Stunde Radfahren ohne Kosten sein. Auf eine Anmeldegebühr, wie sie von Call a bike verlangt wird, will Nextbike verzichten. Spontannutzer sollen für die ersten 30 Minuten 1,50 Euro zahlen, bei Call a bike kostet die erste halbe Stunde derzeit nur einen Euro.

Bahntochter plant neues Angebot

Ganz zurückziehen will sich die Bahntochter aber aus Berlin dann doch nicht. Call a bike werde mit einem neuen Angebot zurückkehren, heißt es in der Mail. Über die Pläne will das Unternehmen nach eigener Aussage Anfang November informieren.