Wirtschaft

Sorge um Tausende Berliner Arbeitsplätze bei Kaiser’s

Die Zukunft der Berliner Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann ungewiss. Ein Vermittler soll Supermarktkette retten.

Bei den rund 15.000 bundesweit Beschäftigten der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann geht mehr denn je die Angst um ihre Arbeitsplätze um. Davon bangen im Großraum Berlin rund 6000 Beschäftigte in 122 Filialen und im Lager in Mariendorf um ihre Jobs. Sie setzen jetzt ihre Hoffnung auch auf die Einsetzung eines neutralen Vermittlers, wie ihn Rewe-Chef Alain Caparros am Freitag vorgeschlagen hat. Bundeswirtschafts­minister Sigmar Gabriel (SPD) sprach sich ebenfalls für einen erneuten Einigungsversuch aus.

Die Spitzengespräche von Rewe, Edeka und Tengelmann über die Zukunft der Kette waren am Donnerstagabend für gescheitert erklärt worden. Daraufhin kündigte Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub an, mit der Zerschlagung zunächst für das Kaiser’s-Filialnetz der Vertriebsregion Nordrhein beginnen zu wollen. Die „Verwertungsphase“ der Vertriebsregionen München und Berlin solle zeitverzögert starten, hieß es.

Die Filialen sollen „verwertet“ werden

Die Liste der zunächst zur „Verwertung“ anstehenden Filialen werde voraussichtlich in der kommenden Woche an Interessenten verschickt, damit diese ihre Gebote vorlegen könnten, sagte eine Tengelmann-Sprecherin am Freitag. Bis zur Umsetzung der ersten Verwertungsmaßnahme gebe es aber noch ein „kleines Zeitfenster“ für die Suche nach einer Lösung, räumte Haub ein. Er hatte vorgerechnet, bei einer Zerschlagung stünden rund 8000 Arbeitsplätze auf der Kippe.

Die Berliner Verdi-Landesfachbereichsleiterin für den Handel, Erika Ritter, sagte der Berliner Morgenpost, dass die Gewerkschaft die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe, dass es doch noch zu einem Verkauf der Supermarktkette an Edeka komme und dann auch die Tarifverträge der Beschäftigten übernommen würden. Noch gebe es Gespräche. Eine Zerschlagung durch den Einzelverkauf von Filialen sei die schlechteste aller Lösungen, so Ritter.

Eigentlich will Haub Kaiser’s Tengelmann an Edeka verkaufen. Sein Plan wird aber durch Klagen gegen Gabriels Ministererlaubnis vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verhindert. Diese Klagen wurden unter anderem von Rewe eingebracht.

Rewe ist zur Übernahme der Filialen bereit

„Wir sind zum letzten Versuch einer Einigung bereit“, sagte Rewe-Chef Caparros am Freitag. An einer finalen Verhandlungsrunde könnten Delegationen der beteiligten Handelsriesen teilnehmen. Mit an den Tisch solle ein Vermittler. „Es muss ein Mediator dabei sein, der Kompetenz sowie Autorität hat und neutral ist“, forderte der Rewe-Chef. Caparros hat bereits eine konkrete Person im Auge. „Am besten wäre es, wenn Herr Gabriel es selbst macht. Damit man endlich am Verhandlungstisch merkt, wer es ernst meint und wer nicht sauber spielt.“ Auch Bundeswirtschaftsminister Gabriel schlägt einen Schlichter vor. „Wer das machen soll, dazu will ich mich nicht äußern. Das müssen dann alle Beteiligten regeln“, sagte er in Berlin.

Gleichzeitig bekräftigte Caparros die Bereitschaft des Kölner Handelsriesen, alle Filialen von Tengelmann zu übernehmen. Rewe sei sogar bereit, die Kartellamtsrisiken zu tragen und die Verluste von Kaiser’s Tengelmann bis zum Vollzug des Übernahmeangebots zu übernehmen. Vor allem für Berlin interessiert sich das Unternehmen, sagen Experten.

„Ein strategischer Schritt“

„Für uns ist das ein strategischer Schritt. Wir wissen, das ist zu teuer. Wir wissen, das ist ein Sanierungsfall. Aber wir müssen das machen, um unsere kritische Größe zu erhalten. Der Abstand zwischen Edeka und Rewe darf nicht größer werden“, so Caparros. Doch Tengelmann hat das Rewe-Angebot bereits als „unseriös“ abgelehnt.

Dem Kartellamt käme bei einem Verkauf von Kaiser’s Tengelmann als Ganzes an den Edeka-Rivalen oder bei einer Zerschlagung und Übernahme durch Konkurrenten erneut eine Schlüsselrolle zu. Nachdem die Bonner Wettbewerbshüter den von Haub seit zwei Jahren angestrebten Verkauf an Branchenprimus Edeka untersagt hat, würden die Kartellwächter auch einen Deal mit Rewe prüfen. Angesichts monatlicher Verluste von zehn Millionen Euro geht Haub die Zeit aus: „Das Ende meiner Geduld ist erreicht“, schrieb er an Verdi-Chef Frank Bsirske.