Stafprozess

Drei Jahre und sieben Monate Haft für die falsche Ärztin

35-Jährige fälschte Urkunden, gab sich als Psychiaterin aus. Die Probezeit in der Klinik des Maßregelvollzuges hatte sie nicht bestanden

Wenn Häftlinge das Gefängnis verlassen dürfen, beginnt für sie meist ein neues Leben. Bei Alexandra B. trifft das mit aller Konsequenz zu. Eine Moabiter Strafkammer verurteilte die 35-Jährige am Freitag wegen Betruges und Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sieben Monaten. Sie darf nach fünf Monaten Untersuchungshaft das Gefängnis erst einmal bis zum Haftantritt verlassen, muss sich aber zweimal pro Woche bei ihrem Polizeiabschnitt melden.

Und genau das ist ihr Problem: Alexandra B. hat keinen gültigen Ausweis. Ihren letzten hat die Staatsanwaltschaft eingezogen, weil dort noch Dr. med. eingetragen war – doch Alexandra B. hat nie Medizin studiert, sie ist eine Hochstaplerin; „ein Mensch, der sich selber überhöht hat“, wie es ihr Verteidiger in seinem Plädoyer beschrieb.

Zeitweise arbeitete die Angeklagte auch als Oberärztin

Ihre falsche Karriere begann, als sie 2012 nach einer längeren selbst verschuldeten Unterbrechung an der Fachhochschule Düsseldorf exmatrikuliert wurde und ihre Ausbildung zur Sozialpädagogin nicht beenden konnte. Sicherlich wäre ein neuer Anlauf möglich gewesen. Alexandra B. entschied sich aber für einen vermeintlich leichteren Weg. Sie fälschte Urkunden, avancierte zur promovierten Psychologin, später zur promovierten Fachärztin für Psychiatrie.

Mit diesen Urkunden – mäßig gefälscht, wie der Richter bei der Urteilsbegründung sagte – kam sie an verschiedene gut dotierte Jobs heran: Berufsbetreuerin in Wuppertal, Ärztin in der Stiftung Tannenhof – ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie in Remscheid (Nordrhein-Westfalen). Von dort aus ging sie nach Berlin, bewarb sich auf eine Arztstelle im Krankenhaus des Maßregelvollzuges (KMV) und bekam diese Stelle auch.

Kündigung noch während der Probezeit

Zur Ehrenrettung der Ärzte des KMV muss festgestellt, dass ihre Fähigkeiten sehr schnell in Zweifel gezogen wurden. Nicht zuletzt, weil sie abends im Dienstzimmer bei Kerzenlicht und Kaffee mit Patienten Gespräche führte. Im KMV wurde beschlossen, sie noch in der Probezeit zu kündigen. Alexandra B. ging von sich aus, agierte wenig später bei einer weiteren Station in Norddeutschland sogar als Oberärztin.

Von diesen Hochstapeleien nahm sie auch keinen Abstand, als sie im April letzten Jahres in Wuppertal wegen Untreue zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Sie hatte als Betreuerin rund 1500 Euro vom Konto eines Mandanten abgehoben und dieses Geld für die Haltung eines Reitpferdes ausgegeben.

Nach ihrer Haftentlassung wird sie nun ganz neu anfangen müssen. In ihrem gelernten Beruf als Fremdsprachenkorrespondentin. Vorausgesetzt, dass dieses Zeugnis diesmal echt ist.