Herzstillstand

Schüler retten Leben: Unterricht in Reanimation

Mehr Menschen könnten einen Herzstillstand überleben, wenn schnelle Hilfe käme. Hier setzt das Projekt „Berliner Schüler retten leben“ an.

Üben Reanimation im Klassenzimmer: Kilian und Markus, beide 13 Jahre alt

Üben Reanimation im Klassenzimmer: Kilian und Markus, beide 13 Jahre alt

Foto: Massimo Rodari

Die hohen Stimmen der Bee Gees sind im Klassenraum mühelos zu hören, sie singen „Stayin’ alive“. Nicht nur der Titel passt, auch der Rhythmus des Songs unterstützt die Schüler, die konzentriert neben Übungspuppen knien und Herzdruckmassagen verabreichen. Die Achtklässler des Lichtenberger Immanuel-Kant-Gymnasiums nehmen teil an einem neuen Projekt von Charité, Vivantes und Senatsbildungsverwaltung, das den Titel „Berliner Schüler retten Leben“ trägt.

Rund 200.ooo Herzstillstände gibt es in Deutschland – pro Jahr, berichtete Intensivmediziner Professor Christian von Heymann, Chefarzt am Vivantes-Klinikum im Friedrichshain, bei der Vorstellung des Projekts am Freitag. Viele Leben ließen sich retten, wenn mehr Menschen im Ernstfall schnell und effektiv helfen könnten. Das zeigt das Beispiel der skandinavischen Länder, in denen Reanimationskurse verpflichtender Bestandteil des Unterrichts sind. Wo es Vorwissen zum Thema gebe, da sinkt auch die Sterblichkeit bei Notfällen nachweislich, so von Heymann. „Es geht vor allem darum, Zeit zu gewinnen, bis die Rettungskräfte vor Ort sind“, bestätigte Privatdozent Christian Storm, der als Oberarzt ander Charité arbeitet und das Schulprojekt zusammen mit von Heymann und Senatsvertretern angeschoben hat.

12.000 Euro von Charité und Vivantes

Vorerst können Siebt- und Achtklässler im Rahmen des Biologieunterrichts an 13 weiterführenden Berliner Schulen geschult werden - eine Reanimationseinheit aus Theorie und Praxis umfasst 90 Minuten. Die Schulung der 22 Lehrer haben Notfallmediziner der beiden Kliniken übernommen. Mit insgesamt 12.000 Euro haben sie zudem die Ausstattung der ersten Schulen mit eigenen Übungspuppensets finanziert. Langfristig wollen die Projektinitiatoren erreichen, dass alle weiterführenden Schulen Berlins Reanimationsunterricht anbieten.

Bei den Schülern kommt der Unterricht offenbar gut an. Kilian und Markus, beide 13, massieren ihre Puppen im Rhythmus von „Stayin’ alive“ kraftvoll und mit durchgedrückten Armen. „Das zu können, ist sehr wichtig, denn schließlich kann das überall passieren“, sagt Kilian.