Integration

Die neuen Nachbarn kommen in die „Tempohomes“

In Hellersdorf beziehen rund 260 Flüchtlinge ein neues Containerdorf. Zuvor hatten Anwohner die Gelegenheit, das Quartier zu besichtigen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Platz gibt es an der Zossener Straße in Hellersdorf genug. Die Freifläche zwischen den Wohnblocks ist so groß, dass man die Container erst nicht sieht – zumal die Plattenbauten die eingeschossigen Kästen um ein Vielfaches überragen. Rund 260 Flüchtlinge, die zurzeit noch in Turnhallen nächtigen, sollen hier ab der kommenden Woche eine neue Bleibe finden. Bevor sie einziehen, konnten am Donnerstag die Anwohner das Quartier in Augenschein nehmen – beim Tag der offenen Tür.

Das Interesse war verständlich. Denn der Beschluss, 18 sogenannte Tempo­homes zu errichten, liegt zwar lange zurück. Doch die Fertigstellung hatte sich immer wieder verzögert – so- ­dass­ die Anlage unweit des U-Bahnhofs Hellersdorf erst die zweite ist, die tatsächlich bezogen werden kann.

40 Quadratmeter, zwei Zimmer, Küche, Bad

Ein Bild wollten sich auch die Anwohner Carola und Oliver Fritsche machen. Sanaa Khuri vom Betreiber „Evangelisches Jugend- und Fürsorgewerk“ (EJF) zeigte ihnen „Wohneinheiten“: 40 Quadratmeter, zwei Zimmer mit je zwei Betten, eine Küche, ein Bad. Es gibt Metallschränke, pro Zimmer einen schmucklosen Holztisch und einen Kühlschrank. In der Küche ist ein Herd und eine kleine Spüle. Die Duschkabine im Bad ist aus Kunststoff. Oliver Fritsche findet: „Erinnert mich an die NVA.“

„Jetzt sind wir auf der ,Milchstraße’“, sagt Sanaa Khuri, als die Gruppe den Container verlässt. Sie lacht und sagt, dass es in dem Mini-Flüchtlings-Dorf, das man in zwei Minuten erkundet hat, auch einen „Merkurweg“ gibt. Es solle nicht so unpersönlich wirken. Wirkt es aber doch. Findet zumindest Oliver Fritsche. „Bedrückend. Ich würde mich hier nicht wohlfühlen“, sagt er. Sanaa Khuri erklärt, die Wände der Container würden von einem Künstler – ehrenamtlich versteht sich – noch gestaltet, die Wege begrünt werden.

Viele Anwohner haben Bedenken

Auf dem „Saturnweg“ räumt Carola Fritsche ein, dass einige ihrer Nachbarn große Bedenken wegen der neuen Nachbarn hätten. Auf einer Anwohnerversammlung hätten sich viele nach einem Sicherheitskonzept erkundigt. Oder nach Beleuchtung auf der benachbarten Brache. „Aber das wurde übergangen“, sagt Fritsche. Der Tag der offenen Tür sei dagegen „sehr gut organisiert“ und informativ.

Auf der Straßenseite gegenüber von den Tempohomes stehen ungefähr zehn Männer und eine Frau, die sich offenbar nicht informieren wollen. Sie schwenken Fahnen, die Berliner, die deutsche – und die der NPD. Auf einem Plakat steht: „Überfremdung stoppen“. Der Mann, der es in die Höhe hält, sagt: „Ich habe keinen Bock auf Containerdörfer.“ Dann redet er noch vom „Austausch“ der Bevölkerung. Einige Meter weiter steht auch der Berliner NPD-Chef, Sebastian Schmidtke.

In den Tempohomes gewinnen die Flüchtlinge Privatsphäre zurück

In den Tempohomes berichtet Christian Kutzner vom EJF, dass sich zwölf Mitarbeiter um die Flüchtlinge kümmern werden. Ein Hausmeister, Sozialarbeiter und Erzieher, die Heimleitung. „Für die Flüchtlinge ist das hier gegenüber den Turnhallen eine Verbesserung, weil sie Privatsphäre haben“, sagt er. Lange sollen die Flüchtlinge ohnehin nicht hierbleiben. Werden ihre Asylanträge abgelehnt, müssen sie zurück in ihre Herkunftsländer. Dürfen sie bleiben, sollen sie in reguläre Wohnungen. Die Tempohomes haben nur eine Lebensdauer von zehn Jahren. Oliver Fritsche sagt, er werde bald wiederkommen – um mit den neuen Nachbarn ins Gespräch zu kommen.