Bildungspolitik

Berlin will Schulen bauen – so gut wie die in Hamburg

Bildungssenatorin Sandra Scheeres geht mit einer Arbeitsgruppe auf Reisen. Dabei dreht es sich um neue Standards für Schulgebäude.

Das Bildungszentrum „Tor zur Welt“ in Hamburg besichtigen die Berliner auch

Das Bildungszentrum „Tor zur Welt“ in Hamburg besichtigen die Berliner auch

Foto: Florenzine Anders / Florentine Anders

Wer in dieser Woche in der Berliner Verwaltung Experten für den Schulbau erreichen wollte, der hatte es schwer. Drei Tage lang machten sich 36 Mitglieder der neuen Arbeitsgruppe Schulraumqualität auf den Weg nach Hamburg und München, um dort aus den Erfahrungen für den Schulneubau zu lernen. Auch Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) reiste am Dienstag selbst mit nach Hamburg, denn Berlin braucht schnell Lösungen.

Bis zum Jahr 2021 müssen etwa 30 neue Schulen gebaut werden, und die sollen den Ansprüchen der modernen Pädagogik genügen. Schon bis zum Januar soll die Arbeitsgruppe deshalb Standards für die Neubauten entwickeln.

Im Nieselregen steht die Berliner Reisegruppe vor der ersten Schule in einem Plattenbaugebiet im Hamburger Süden. Der flache unscheinbare Schulbau fällt vor allem durch umlaufende Stahlgerüste mit Fluchttreppen auf. Die Experten wissen, dass der Brandschutz eines der schwierigsten Probleme beim Schulbau ist. In der Arbeitsgruppe sind neben den Mitarbeitern der Senatsverwaltungen für Bildung, Finanzen und Stadtentwicklung auch Architekten, Schulleiter, Elternvertreter und Wissenschaftler.

Sitzsäcke und Trampoline auf den Gängen

Rainer Schweppe, der fachliche Leiter, hatte die Bildungsreise angeregt. Er selbst hat in den vergangenen Jahren neue Raumstandards für Schulen in München entwickelt und kennt die Knackpunkte. Mobiliar im Foyer, Sitzsäcke oder Trampoline auf den Gängen, das alles ist in Berlin angesichts der Brandschutzvorschriften unmöglich.

Anders in der Hansestadt. In der Schule am Stübenhofer Weg gibt es eine breite Sitztreppe, die zu den nächsten Ebenen führt. Davor probt eine Klasse in einer abgeschirmten Ecke ein Theaterstück. Es gibt Hocker, Tische, Sofas, Lerntresen und rollbare Regale. Gelernt wird hier im ganzen Haus, nicht allein in den Klassenzimmern.

Auf Arbeitsplätze für Lehrer verzichtet

Miriam Pech, Schulleiterin der Berliner Heinz-Brandt-Sekundarschule, gefällt die Sitztreppe. „Mir fehlen aber die Arbeitsplätze für die Lehrer“, sagt sie. Die Hamburger Schule hatte sich entschieden, den dafür vorgesehenen Raum für förderbedürftige Kinder abzugeben.

In Hamburg gibt es keinen vorgeschriebenen Standard wie etwa in München. Im Durchschnitt zwölf Quadratmeter pro Kind sind für eine Schule vorgesehen. Wie die Schule die Räume aufteilt, entscheiden die Beteiligten selbst. Das würde der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD) heute anders machen, sagt er der Berliner Senatorin bei einem gemeinsamen Mittagessen. Scheeres will bei dem kurzen Treffen von ihrem Amtskollegen vor allem wissen, welche Fehler Berlin nicht wiederholen solle. Im Anschluss sagt sie, er habe ihr geraten, einen Rahmen vorzugeben. Hätten die Schulen zu viel Entscheidungsfreiheit, ziehe sich die Abstimmungsphase zu stark in die Länge, so Scheeres.

In Hamburg ist eine Schule nach zwei bis dreieinhalb Jahren fertig

Dennoch sind die Hamburger Bauzeiten von zwei bis dreieinhalb Jahren von der Planung bis zur Fertigstellung im Vergleich zu Berliner Verhältnissen geradezu utopisch. Doch die Hamburger können nicht nur schnell, sondern auch günstig bauen, betont Ewald Rowohlt, Geschäftsführer der Hamburger Schulbau-Gesellschaft.

In der Regel dürfe ein Quadratmeter Schulneubau nicht mehr als 2800 Euro kosten. Ungläubig schüttelt Uwe Dechène von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung den Kopf, als er durch die Räume der dritten Vorzeige-Schule, dem Bildungszentrum Süderelbe, geht. Hier sollen die Kosten sogar noch unterhalb dieser Vorgabe gelegen haben. Das könne nicht sein, sagt der Verwaltungsmitarbeiter energisch. „Früher haben wir auch teurer gebaut“, antwortet Rowohlt. Doch die Architekten seien sehr erfinderisch mit der strengen Kostenvorgabe umgegangen.