Fragen des Lebens

Wie man in der "School of Life" das glückliche Leben lernt

Die „School of Life“ widmet sich in Kursen den großen Fragen des Lebens - und will wichtige Impulse geben.

„Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben“: Dieses Goethe-Zitat ist einer der Leitfäden von Thomas Biller und seiner „School of Life“

„Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben“: Dieses Goethe-Zitat ist einer der Leitfäden von Thomas Biller und seiner „School of Life“

Foto: Ricarda Spiegel

Kann man das Leben lernen? Oder zumindest manches im Leben besser verstehen lernen: Wie man Krisen meistert zum Beispiel, den richtigen Job findet oder aber den Partner für’s Leben? Ja, das kann man, sagt „The School of Life“. Eine Schule, die eigentlich keine ist. Denn wird gerade ja Schulen oder Universitäten immer mal wieder vorgeworfen, am echten Leben vorbeizulehren, will die „School of Life“ ein realer Ratgeber sein für das wahre Leben. Eine Art Leitfaden: Wie wende ich mein Wissen, von dem ich mir manchmal gar nicht bewusst bin, dass ich es besitze, richtig im Alltag an?

Thomas Biller (52) ist Gründer und Leiter des Berliner Ablegers der „School of Life“. Gemeinsam mit der Kulturwissenschaftlerin Dörte Ilsabe Dennemann (38) eröffnete er im April 2016 die Räume an der Lychener Straße in Prenzlauer Berg. „Good ideas for every day life“ steht dort an der großen Scheibe, die von außen einen Blick in den ineinander übergehenden, modern eingerichteten Ausstellungs- und Seminarraum ermöglicht. Und schon dieser Anblick macht klar: Hier geht es nicht um räucherstäbchenluftgeschwängerte Selbsthilfegruppen, bei denen man im Schneidersitz auf dem Boden diskutiert. „Wir sind alles andere als esoterisch“, sagt Thomas Biller und lacht.

Biller hat Literatur und Philosphie studiert und mehr als 20 Jahre lang zwei Fernsehproduktionsfirmen geleitet. 2011 beschloss er dann: „Es muss was Neues passieren in meinem Leben.“ Er besann sich auf seine Herkunft: „Ich komme aus einer Gastronomiefamilie – also ließ ich mich zum Koch und Patissier ausbilden.“ Dafür besuchte er ein Jahr lang die französische Kochschule „Le Cordon Bleu“ in London. „Und da lief ich jeden Tag an der ‚School of Life‘ vorbei“, sagt Thomas Biller.

Heute hat die School of Life 13 Ableger weltweit

Denn dort hat sie ihren Ursprung: 2008 gründete der britisch-schweizerische Philosoph und Bestsellerautor Alain de Botton seine „School of Life“ – heute hat sie 13 Ableger weltweit, der jüngste öffnete, kurz nach Berlin, in Taipeh seine Pforten. Thomas Biller las dann in London ein Interview mit Alain de Botton, das ihn von der „School of Life“ überzeugen sollte – denn so recht war ihm vorher nicht klar gewesen, an was für einer Schule er dort jeden Tag auf dem Weg zu seiner Kochschule eigentlich vorbeilief. „In dem Interview sagte de Botton, dass Essen eine Form von Kommunikation sei, dass ihn der Hype um Köche aber nerven würde. Das fand ich spannend.“ Und das Thema betraf ihn, der ja Koch werden wollte, schließlich direkt.

Thomas Biller ging zu einer Infoveranstaltung der „School of Life“. Dort kamen 60 Menschen aus 50 Ländern zusammen – unter ihnen eben auch Dörte Ilsabe Dennemann und Thomas Biller. Die beiden taten sich zusammen und bewarben sich um eine Lizenz für eine „School of Life“ in Berlin. „Wir sind ein Lizenzunternehmen“, erklärt Biller. Im letzten Herbst wurden die beiden ausgewählt und konnten endlich starten:

Mit der Lizenz dürfen sie den Namen, die Kursinhalte und Ideen für weitere Formate nutzen. Fünf feste Mitarbeiter hat das Team der „School of Life“. Dazu die freien Experten, die die Kurse leiten und die Materialien der Schule vermitteln. Die Powerpoint-Vorträge, die jahrelang in England erarbeitet und für Berlin eingedeutscht wurden, tragen Titel wie „How to: Die Kunst, gute Gespräche zu führen“, „How to: Selbstvertrauen entwickeln“ oder „How to: Die eigene Kreativität stärken“. Neben diesen „How to“- oder eben auch „Gewusst wie“-Kursen gibt es noch Special-Events (zum Beispiel: „Der Weg zur glücklichen Partnerschaft“) und Kurse in englischer Sprache. Insgesamt gibt es 26 Vorträge aus den verschiedensten Lebensbereichen. „Unser absoluter Bestseller ist der Kurs: ‚How to find a job you love‘“, sagt Thomas Biller. Ein Kurs, den er nicht mehr braucht.

Die Hauptzielgruppe sind Menschen ab 35 Jahren

Die rund dreistündigen Kurse kosten 39,50 Euro und „folgen alle einer bestimmten Dramaturgie“, sagt Thomas Biller. „Der jeweilige Dozent spricht in einer lockeren Kennenlernrunde vorab mit jedem Teilnehmer. Dabei checkt der Dozent das Bedürfnis in der Gruppe, welche Akzente in dem Vortrag gesetzt werden sollten.“ Maximal 30 Teilnehmer hat ein Kurs, die Hauptzielgruppe sind Menschen ab 35 Jahren. „Von 22 bis 55 Jahren waren unsere Teilnehmer bisher“, sagt Thomas Biller. „Und es sind überwiegend Frauen.“ Die Dozenten sind Männer und Frauen – fünf bis sechs Neue bewerben sich täglich –, aus unterschiedlichen Lebensbereichen kommend: Philosophie, Psychologie, therapeutisches Arbeiten, Kulturwissenschaften, Literatur und Kunst.

Auf der Homepage heißt es, die „School of Life“ widmet sich den „großen und wichtigen Fragen des Lebens und der Entwicklung emotionaler Intelligenz“. Dinge, die im Alltag zu kurz kommen, die in der Schule und an den Universitäten nicht gelehrt werden. Ist das nicht ein hehres Ziel? „In drei Stunden können wir kein Leben verändern“, sagt Thomas Biller. „Aber wir können hier den Anstoß für einen Perspektivwechsel geben.“

Die Idee: Kleine Erkenntnisse können eine große Wirkung haben. Und mit diesem Ziel kämen auch die meisten Teilnehmer: Eine Antwort finden oder eine Anregung zu einem Thema, an dem sie allein gerade nicht weiterkommen. „Dabei profitieren sie dann nicht nur von dem erfahrenen Dozenten, sondern auch von den Lebenserfahrungen der Teilnehmer, die ja zum gleichen Thema zu uns gekommen sind. Wir haben hier also immer eine Gruppe von 25 Experten sitzen“, sagt Thomas Biller.

Sogar Stammgäste hat die Schule bereits

Die Vorträge bringen die Ratgeber, die es in Buchform zu Tausenden in den Regalen zu kaufen gibt, ins Analoge, kreieren einen Ort des Austausches – mit dem tröstlichen Wissen, dass alle im Raum gerade eine Antwort auf ein und dasselbe Thema suchen. „Der Austausch mit den anderen und der neue Blick auf alltägliche Dinge sowie die damit verbundene persönliche Weiterentwicklung, das sind die Dinge, die unsere Teilnehmer im Nachhinein immer wieder lobend erwähnen“, sagt Thomas Biller. Sogar „Stammgäste“ hat die „School of Life“, sagt Thomas Biller. Seine Geschäftspartnerin erlebt seit einigen Monaten übrigens auch eine besondere „School of Life“: Sie ist vor einiger Zeit Mutter geworden.

www.theschooloflife.com/berlin/